Die „Toleranzgruppe“ heißt eigentlich mit vollem Namen: Arbeitsgruppe „Wie tolerant müssen/sollen/dürfen wir Lehrerinnen und Lehrer sein?“ Der Hintergrund dieses komplizierten Titels ist folgender:

Im Januar 2015 traf sich auf Initiative von Bernd Woidtke eine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen, die sich mit dem Thema „Folgen der Migration“ beschäftigte. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie man auf kulturell/religiös motivierte Verhaltensweisen von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund reagieren sollte. Beispiele: Ein muslimisches Mädchen darf nicht am gemeinsamen Schwimmunterricht teilnehmen. Ein muslimischer Junge lehnt die Eheschließung homosexueller Partner ab mit der Begründung, der Prophet verbiete so etwas. Eine muslimische Mutter gibt einem männlichen Lehrer nicht die Hand. Muslimische Schüler/innen benutzen „Jude“ als Schimpfwort. Ein Mädchen hat einen Vorstellungstermin bei einer Bank. Sie trägt einen Hidschab, eine strengere Form des muslimischen Kopftuches. Was soll man ihr raten?

In der ersten Arbeitsphase hat sich die Gruppe intensiv mit solchen Fragen beschäftigt. In diese Phase fiel die Einladung an Lale Akgün, eine in der Türkei geborene, in Köln aufgewachsene Psychologin, die Bundestagsabgeordnete für die SPD war. Sie hielt einen Vortrag mit anschließender Diskussion vor Lehrer/innen, Schüler/innen und Eltern. Sie vertritt eine liberale muslimische Haltung. Sie fordert Muslime dazu auf, den Koran aus seiner Zeit heraus zu verstehen: „Allah will, dass jeder Mensch selbst Verantwortung für sein Leben übernimmt, Selbstbestimmung steht im Mittelpunkt des muslimischen Glaubens, nicht das gedankenlose Nachbeten von Koran-Suren.“

In der weiteren Arbeit der Gruppe schälte sich ein neuer Schwerpunkt heraus: Wie gehen wir mit Jugendlichen um, die allem Anschein nach anfällig für eine Radikalisierung in Richtung Islamismus und Salafismus sind? Dazu gibt es als theoretische Grundlage einen für das Kollegium zugänglichen Ordner mit konkreten Präventionshinweisen, erstellt von der Kollegin Maria Moeßner. Im November 2016 führte die Gruppe ein Gespräch mit Fachleuten der Stadt Kerpen, der Kreispolizei, dem Staatsschutz. Mit dabei waren auch Eltern- und Schülervertreter. Diese Veranstaltung schuf die Basis für eine Vernetzung im Bereich Islamismus- und Salafismusprävention.

Am 9. Oktober 2017 veranstaltete die Gruppe in Zusammenarbeit mit dem Erasmus-Projekt unter Leitung von Estrella Löwe-Lopez eine Podiumsdiskussion zum Thema „Gelungene Integration“, an der unter der Leitung von Bernd Woidtke u.a. die Integrationsbeauftragte der Stadt Kerpen, die Lehrerin an einer Schule für Roma-Kinder in Köln, ein Polizeibeamter mit dem Sachgebiet Islamismus, die Erasmus-Beauftragte der Europaschule, Estrella Löwe-Lopez, und der frühere Schülersprecher der Europaschule, ein Schüler mit türkischem Migrationshintergrund, teilnahmen. Das Publikum bestand aus Sozialwissenschafts-Schülerinnen der Q1 und Q2.

Im Dezember 2017 organisierte die Gruppe im Rahmen der kollegiumsinternen Fortbildung eine Diskussion zum Thema „Der Rassist in uns“. Es wurde der gleichnamige ZDF-Neo-Film gezeigt und ein Gespräch darüber geführt. Der Film zeigte einen Workshop, bei dem Freiwillige in zwei Gruppen (die Herrschenden und die Beherrschten) eingeteilt wurden. Obwohl allen klar war, worum es geht, gingen den Beteiligten ihre Rollen näher, als sie es für möglich gehalten hatten.

Die Zukunft der Gruppe wird sich vor allem auf die Qualifizierung der Mitglieder im Bereich Islamismus-Prävention konzentrieren. Die Gruppe wird sich unter das Dach des bereits existierenden Beratungsnetzwerks der Schule begeben.

Die Leitung der Arbeitsgruppe liegt ab dem Schuljahr 2018/19 bei Maria Moeßner.

Bernd Woidtke