Latein in der Oberstufe

 

 Juli 2004

 

 

Per aspera ad astra!     (Durch Raues zu den Sternen!  Durch Anstrengung zum Erfolg!)

 

 

Mit dem Eintritt in die Oberstufe haben die Schüler die Phase des Spracherwerbs schon länger hinter sich gelassen und können sich nun noch intensiver den interessanten Themen der antiken Welt widmen.

 

Im Mittelpunkt des Lateinunterrichts steht daher die Arbeit mit lateinischen Texten. Ihre Inhalte sind so gewählt, dass die Schüler sich einerseits mit spezifischen Themen und Fragestellungen der griechisch-römischen Antike auseinandersetzen und historische Kenntnisse erlangen.

 

Andererseits erlaubt die Beschäftigung mit Themen römischer Kultur im Sinne der „historischen Kommunikation“ auch immer eine Reflexion der Gegenwart und der eigenen Lebensbedingungen. Dadurch, dass sich die Schüler mit dem Inhalt antiker Texte beschäftigen, erlangen sie zum einen  Kenntnisse darüber, wie die Römer früher gelebt und gedacht haben, zum anderen setzen sie sich zugleich mit ihrer gegenwärtigen Lebenswelt auseinander, die sie im Spiegel der lateinischen Texte neu erfahren: je nach Thema als ganz anders oder auch ähnlicher als vermutet. 

So erscheinen viele Themen und Probleme von grundsätzlicher Bedeutung  für den Menschen (z.B. Frage nach dem persönlichen Glück; Verhältnis des einzelnen zur Gesellschaft; Völkerverständigung; Liebe und Freundschaft; Verantwortung für sich selbst und den anderen etc.) weniger dem zeitlichen Wandel unterworfen, als es der Zeitraum von 2000 Jahren eventuell vermuten lässt.

 

 

Cicero

 

 

Im ersten Halbjahr der Jahrgangsstufe 11 beschäftigen wir uns zunächst mit einem interessanten „Kulturkriminalfall“: der  original überlieferten Anklagerede Ciceros gegen Verres (Cicero in Verrem). Als Provinzstatthalter von Sizilien hatte Verres eine Vielzahl von Kulturschätzen für seinen Privatbesitz geraubt und sieht sich nun der Anklage Ciceros gegenüber. Die Rede vermittelt sowohl tiefe Einblicke in das politische System als auch Kenntnisse im Gebiet der Rhetorik und Fertigkeiten bei der Analyse politischer Reden.

 

Eine Unterrichtsreihe zum Thema „Liebe und Partnerschaft in Antike und Moderne – die Rolle von Frauen und Männern in römischer und heutiger Gesellschaft“ stellt den Schwerpunkt des 2. Halbjahres der Jahrgangsstufe 11 dar.

Textgrundlage dieses Kursthemas sind u.a. Liebesgedichte von Catull und das Werk „Ars amatoria“ von Ovid, ein höchst amüsantes Lehrgedicht in Sachen Partnersuche und Liebe: So gibt Ovid in diesem Werk z.B. Insidertipps, wo und wie man am besten flirtet oder wie ein wirkungsvoller Liebesbrief abzufassen ist. Auch aktuelle Gegenwartstexte und Erfahrungen zu diesem zeitlosen Thema sind natürlich Bestandteil dieses Halbjahres- themas.

 

Diese Reihe dient einem pädagogischen Ansatz, der für die Lehrpläne Latein in der Sekundarstufe I und II zentral ist, dem Konzept der „historischen Kommunikation“, und er stellt das Gegenstück der Alten Sprachen zum „Interkulturellen Lernen“ dar.

 

Per aspera ad astra! -  Auch dem Latinum sind die Schüler schon ein großes Stück näher gerückt.

Mit dem Abschuss der 11 und mindestens der Note 4 erlangen die Schülerinnen und Schüler das (volle) Latinum. Diejenigen, die die 11. Klasse im Ausland verbringen, können zu Beginn der Jahrgangsstufe 12 die Qualifikation noch erwerben. Auf dem Zeugnis erscheint keine Note, sondern nur die Bestätigung des Latinums. Hat jemand am Ende der 11 keine ausreichende Leistung in Latein erbracht, wird auf dem Abiturzeugnis der Erwerb von Lateinkenntnissen bestätigt. Dieser Nachweis reicht für einige Studiengänge, so dass die Jahre an der Schule nicht umsonst gewesen sind.

 

Nach dem Erlangen des Latinums haben die Schüler in den letzten Jahren entschieden, den Lateinunterricht in der Jahrgangsstufe 12 und 13 nicht fortzuführen. Warum sollte sich das nicht demnächst ändern? Spannende Themen (z. B. Philosophie und Alltag (Seneca), Gesellschaftskritik in der Satire (Petron); christliches Leben in Auseinandersetzung mit heidnischer Kultur (Augustinus); die Bedeutung von politischem Engagement  (Cicero)) gibt es zu Genüge und mit einem soliden sprachlichen Fundament hat man hervorragende Chancen, die Anforderungen in der Oberstufe erfolgreich zu meistern.

 

Das „per aspera“ liegt doch schon in der Vergangenheit, also:   

 

ad astra!!

 

Ricarda Joeris