Philosophie in der Oberstufe

 

Hannah Arendt, Philosophin

 

Ein Fach - worüber?


Philosophie ist ein Wort aus dem Griechischen. Es bedeutet einfach: „Liebe zur Vernunft". Die Philosophie ist in geschichtlicher Sicht die „Mutter" vieler anderer Fächer. Denn Fächer wie zum Beispiel Physik und Mathematik, Astronomie und Geometrie,  Logik und Rechtskunde, Rhetorik und Argumentationslehre, Staatstheorie und politische Wissenschaft und manche andere entstanden durch Spezialisierungen und Abspaltungen aus der Philosophie. Insofern kann man sagen, dass die Philosophen eine Art „Spezialisten für allgemeine Fragen" sind - zum Beispiel für die Klärung von Grundbegriffen in den Einzelwissenschaften.   -   Andere Stimmen weisen der Philosophie die Aufgabe zu, in einer sehr schnelllebigen Zeit den Menschen Angebote zu machen für die Sinnfindung vor allem in Situationen des  Unglücks und des Leidens. Warum Krieg und Zerstörung? Warum Krankheit und Leid? Warum Entfremdung und Sucht?  -  Wieder andere Stimmen fordern von der Philosophie, die Traditionen Europas zu bewahren und gegen die neuen weltumspannenden Entwicklungen in Wirtschaft, Politik und Wissenschaften zu schützen.  -  Wieder andere sagen, die Philosophen sollten neue Trends in Gesellschaft und Wissenschaft aufspüren und gedanklich durchdringen. Stichwörter wie Globalisierung, Postmoderne, Beherrschung der menschlichen Natur durch Gen-Technologie z.B. hätten hier ihren Ort.  -  Eine klassische Aufgabe der Philosophie ist es, Menschen in schwierigen Lebenssituationen Orientierungen anzubieten. Was darf ich tun? Darf ich das tun, was ich da mit mir trage? Was soll ich tun? Fragen der Orientierung an Normen, Werten und Traditionen stehen hier im Mittelpunkt.
 

Peter Sloterdijk, Philosoph


Ein Fach - für wen?


Philosophie ist grundsätzlich ein Fach für alle Schüler und Schülerinnen, die sich auseinander setzen wollen mit Problemen des Alltags und des Lebens, aber auch anderen Problemen, die sich in den anderen Fächern nicht so einfach unterbringen lassen. Es ist ein Fach für das forschende Nachdenken. Man sagt oft, dass dieses Fach besonders gut sei für Schüler, die in Deutsch gut sind. Aber das ist bestimmt einseitig gesehen. Viele naturwissenschaftlich interessierte und begabte junge Menschen haben schon von diesem Fach sehr deutlich profitiert - und nicht nur die „Sprachler". Auch künstlerisch und musische interessierte Menschen können in der Philosophie ihre künstlerische Praxis prüfen und besser verstehen lernen.
Philosophie ist Wahlfach im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld in der Sek. II. Es ist in der Sek II Pflichtfach für alle Schüler, die am Religionsunterricht nicht teilnehmen.
Unter dem Namen „Praktische Philosophie" ist es in den Jahrgangsstufen 9 und 10 Pflichtfach für alle Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Vielleicht wird dieses Fach alsbald auch für die Schüler der früheren Jahrgangsstufen eingeführt.

Welchen Nutzen hat das Fach?


Einen unmittelbar für einen Beruf qualifizierenden Sinn hat Philosophie nicht. Es verhilft Dir aber zu wichtigen übergreifenden Fähigkeiten. Das Fach Philosophie hilft Dir, Probleme und Sachverhalte klar zu erfassen und zu formulieren. Es bewirkt, dass Du bei neuen Fragen, die auf Dich zukommen, offen und orientiert reagieren kannst. Vielleicht kann man sagen, dass die Philosophie einen zu Gelassenheit führt. Du wirst erkennen, dass Deine Fähigkeit, ein Problem oder einen Konflikt aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und eine Lösung vorzuschlagen, zunimmt. Das Fach Philosophie bereitet somit generell gut auf eigentlich alle weiteren Bildungsgänge an der Universität vor. Eure Ex-Mitschüler haben im Gespräch auch immer wieder betont, dass das Fach die Fähigkeit zur Durchdringung eines Problems steigert. „Man nimmt nicht mehr alles so kritiklos hin", ist eine typische Antwort. Eine andere von Euren Mitschülern häufig betonte Leistung des Faches ist es, dass man auch Philosophen, Theorien, Konzepte etc. kennen lernt.
 

Friedrich Nietzsche, Philosoph des 19. Jahrhunderts

 


Welche Inhalte hat das Fach?


Im Laufe ihrer Geschichte hat die Philosophie eine Reihe von Disziplinen ausgebildet, die in der Schule für die einzelnen Halbjahre eine Art Orientierungsrahmen bilden.
So ergibt sich an unserer Schule der folgende Themenplan für die Sek II:
 

11,1: Hier werden - in der Regel in Absprache mit den Schülern - drei typische Problembereiche philosophischen Denkens vorgestellt. Die Fachlehrer schlagen oft ein moralisches Problem vor - z.B. das aktuelle Problem: Darf man menschliche Embryonen für die medizinische Forschung verwenden? Andere Problembereiche - Disziplinen - können die Staatstheorie, die Erkenntnistheorie oder andere sein.
 

11,2: Im Mittelpunkt steht die Frage. „Was ist der Mensch?" (Anthropologie
 

12,1: Hier wählt der Kurs Problemstellungen aus der Ethik.
 

12,2: Hier gibt der Lehrplan die Wahl von Themen und Problemen aus den Disziplinen Rechtsphilosophie, Staatstheorie, Sozialphilosophie und Geschichtsphilosophie frei.
 

13,1-2: Hier werden Themen aus anderen philosophischen Disziplinen besprochen - z.B aus der Kunsttheorie (der Ästhetik), der Religionsphilosophie, der Logik, der Naturphilosophie in ihren verschiedenen Ausprägungen (heute also vor allem der ökologischen Philosophie), der Erkenntnistheorie, der Metaphysik, ...
 

Jürgen Habermas, Philosoph


Was passiert im Unterricht?


Traditionell ist Philosophie das Fach des Gesprächs und der Diskussion. Dies wird heute aber nicht mehr allein mit klassisch - philosophischen Texten auf den Weg gebracht und gestützt. Wir benutzen aktuelle Texte aus allen Lebensbereichen, auch literarische und experimentelle Texte. Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten für die Unterrichtsgestaltung: Diskussion, Expertengespräch, Schreibgespräch, Projekt, ...


Wer unterrichtet das Fach an unserer Schule?


Katarina Eisenlohr
Christina Leubner
Helga Stöwe
Richard Heckner


 

Richard Heckner