Die Geschichte der Rollhockey-Ag
von Frank Windau, genannt „Brandl" (Abiturjahrgang 2002)
„Kerpen Maddogs" nennen sich die Mitglieder der Inline-Hockey-Schulmannschaft des Gymnasiums der Stadt Kerpen. Ursprünglich war es eine freiwillige Zusatz AG für SchülerInnen ab Klasse 8, heute ist es eine Mannschaft, die sich durch den Sport auch außerhalb der Schulzeiten verbunden weiß.
Ins Leben gerufen wurde die Ag im Januar 1996, als die Schule den neuen evangelischen Schulpfarrer Ralf Herbertz bekam, der vor seiner Zeit als Lehrer, das heißt als Schüler und als Student, selbst Eishockey gespielt hat. Und das noch nicht mal schlecht, denn sein Können reichte aus, um immerhin in der Regionalliga zu spielen.

Ralf Herbertz, Headcoach der Maddogs
Er bot also zu Halbjahresbeginn diese AG an, und war wahrscheinlich selbst ganz überrascht, dass ca. 30 Schüler FREIWILLIG ihren Donnerstagnachmittag opfern wollten. Eine richtige Ausrüstung hatte eigentlich keiner außer Herrn Herbertz selbst, auch wenn er als einziger nicht auf Inline-Skates, sondern auf normalen, alten Rollschuhen die Halle betrat. Eigentlich war seine gesamte Ausrüstung genauso alt wie er selbst...
Die ganze AG bestand zunächst nur aus Lauf-, Pass-, und Schussübungen um den Rookies (so werden im Eishockey-Jargon die neuen Mitglieder einer Mannschaft bezeichnet) erst einmal die Grundlagen zu verschaffen. Ab und zu mal ein kleines Trainingsspielchen - auf Turnkästen anstelle von Toren.
Schon nach dem ersten halben Jahr zeichnete sich ab, dass viele die AG verlassen würden, da langsam eine Ausrüstung notwendig wurde: Die Checks wurden härter, die Schüsse fester, so dass die Zahl der blauen Flecke an den Schienbeinen beträchtlich stieg. Viele der Schüler hatten weder das nötige Taschengeld, um sich eine Ausrüstung zu kaufen, noch die netten Eltern, die aufgrund von Verletzungsängsten ihren Kindern die Ausrüstung schenkten. So war der Kader binnen eines Jahres auf etwa die Hälfte geschrumpft. Aber diese Leute machten enorme Fortschritte: Aus dem anfänglichen unsicheren Gerolle und Gekurve entwickelte sich in der Tat allmählich etwas, das dem Eishockey ähnlich wurde.
Entwickelte sich daraus schon so etwas wie Größenwahn? Kurz vor Weihnachten 1997 stand das erste Freundschaftsspiel ins Haus: Gegen die „ Kangaroos" aus der Nachbarstadt Erftstadt. Gegen diese Mannschaft, die kurz darauf Meister in der Nordrhein Hobby League of Inline Hockey wurde, liefen die AG in den wunderschönen Gelb-Schwarzen Trikots der Kölner Haie auf und fühlten sich trotz einer 19:2 Niederlage am Ende als Sieger.
Dadurch ging es dann steil aufwärts:
Zunächst wurde uns vom Schulförderverein ein Satz Trikots bezahlt, dann gewannen wir unser erstes Spiel (gegen den RC Kosmos Frechen). Weitere Spiele folgten. Auch professionelle Tore bekamen wir: Marke Eigenbau, vom Vater eines Spielers, der seine beruflichen Kontakte für uns spielen ließ... mit Netzen, die auf wundersamen Wegen von Müllcontainern zu uns fanden.
Die Größe der Mannschaft wechselte ständig. Es waren mal mehr, mal weniger, wobei ein gewisser Kern immer erhalten blieb: Selbst nach dem Abitur oder erfolgreicher Berufsausbildung schaut mancher der Ehemaligen noch einmal vorbei und versucht es wieder.
Wenn Spieler uns auf Dauer verließen, trugen die Spieler der Ag manchmal auch selber die Schuld. Zum Beispiel bei jenem Schüler, der im Training einen harten Schuss an den Kopf abbekam. Eine Woche später kam er mit Helm zum Training. Doch sein Fehler: Während des Trainingsspiels zog er seinen Helm aus, um seinen Schuh zu binden – direkt neben seinem Tor. Er bekam natürlich wieder einen Schuss an den Kopf, an genau dieselbe Stelle. Das war wohl zuviel des Guten: Seitdem wurde er beim Training nicht mehr gesehen.
Als eine ortsansässige Firma ein Turnier veranstaltete, konnte es sich die Ag natürlich nicht nehmen lassen daran teilzunehmen. Zwar wurde nicht das Turnier gewonnen, aber wir haben uns wacker geschlagen, auch wenn wir fast ein Eigentor hätten hinnehmen müssen – man sollte trotz großen Publikums die Nerven behalten und daran denken, auf welches Tor man schießen darf…
In all den Jahren gab es nur eine einzige größere Verletzung – einen gebrochenen Arm. Ansonsten hatten wir immer Glück (klopf auf Holz); selbst der ein oder andere Abflug durch offene Türen oder Fenster blieben ohne große Folgen.
Das meiste kriegen natürlich die Schläger ab, meist brechen sie aus Verschleiß oder unglücklichen Zusammenstößen. Es gibt aber auch Spieler, die ihren (nagelneuen) Schläger vor Wut gegen die Wand schleudern, und so 70 DM zerstören.
Außer seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz als Spieler und Trainer konnten einige aus der AG noch von Herbertz’ Erfahrungen als „Zebra" (Schiedsrichter) profitieren. Er brachte uns nicht nur bei, wie ein Schiri die Regeln falsch anwendet, sondern er konnten drei Spielern durch seine Kontakte ein einwöchiges Trainingslager in der Eishockey – Hochburg Velke Popovice organisieren. Drei Spieler und Herbertz selbst fuhren mit dem EEC Eschweiler in dieses 1500 Seelendorf nahe Prag. Die ortsansässige Brauerei versorgte uns mit Bier (Velokopopovicky Kozel) und die Eishalle mit Kälte. Es waren fünf harte, aber klasse Tage.
Das letzte „Gründungsmitglied" machte 2002 sein Abitur und war nun nicht mehr offiziell dabei. Er beendete zunächst seine Karriere als aktiver Spieler und steht seither Ralf Herbertz als Assistenz Coach und Schiedsrichter zur Verfügung.
To be continued…