Was heißt "Sozialwissenschaften"?

 

"Sozial" nennen wir jemanden, der sich um andere Menschen kümmert, "Sozius" heißt der Partner in einer Rechtsanwaltskanzlei, gleichzeitig aber auch der Rücksitz eines Motorrades. Irgendwie geht es bei "sozial", "Soziologie", "Sozialwissenschaften" um den Menschen in der Gruppe, um das Zusammenleben der Menschen.

Das Fach setzt sich aus drei Teilbereichen zusammen:

                    Politik

                    Ökonomie (= Wirtschaft)

                    Soziologie

 

Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen

    Politik findet sich u.a. wieder in Themen wie: politisches System, Verfassung, Demokratietheorien (Klasse 11); Globalisierung, Sozialpolitik, Chancen und Grenzen der politischen Gestaltbarkeit (Klasse 12); Versuche internationaler Sicherungs- und Konfliktregelungssystem, Entwicklungspolitik (Klasse 13)

 

John Maynard Keynes, einer der berühmtesten Ökonomen

    Ökonomie wird u.a. durch solche Aspekte widergespiegelt: Marktsystem, Preisbildung, Kreislaufmodelle, Konzentration (Klasse 11); Konjunktur- und Wachstumsschwankungen, Ökologie, Grenzen des Wachstums, Grenzen nationaler Wirtschaftspolitik angesichts fortschreitender Globalisierungsprozesse (Klasse 12); Armuts- und Wohlstandsmobilität - zwei Aspekte der Globalisierung, Zusammenhang ökonomischer Entwicklungen mit politischen Strukturen (Klasse 13)

 

Ulrich Beck, moderner deutscher Soziologe

    Soziologie wird u.a. mit solchen Themen abgedeckt: Sozialisation, Bedürfnisse, Normen, Rollentheorie, Identitätsfindung, Strukturen und Prozesse in sozialen Gruppen (Klasse 11); Familienformen, Soziale Ungleichheit, Konfliktpotentiale und Steuerungschancen (Klasse 12); Veränderung sozialer, kultureller und bildungsbezogener Strukturen durch Globalisierungstendenzen (Klasse 13)

Mit zunehmender Dauer werden diese drei Teilbereiche mehr und mehr verzahnt werden, denn die Wirklichkeit ist komplex: Immer hängen politische, ökonomische und soziale Faktoren zusammen, sind untrennbar miteinander verwoben, bedingen einander. Und genau darum geht es im sozialwissenschaftlichen Unterricht: Zu erkennen, aus welch kompliziertem aber durchschaubaren Geflecht Gesellschaft besteht.

Am Ende der Jahrgangsstufe 13 wird man, nach erfolgreich durchlaufenem Unterricht, in der Lage sein, individuelle, lokale und internationale Prozesse und Strukturen in ihren Kausalzusammenhängen zu erkennen. Man wird anspruchsvolle Zeitungen und Zeitschriften, wie "Die Zeit", "Süddeutsche Zeitung" und "Frankfurter Allgemeine", mit Verständnis und Genuss lesen können, und vor allem: Man wird eine hervorragende Basis gelegt haben für ein Studium z.B. der Volkswirtschaft, der Sozialwissenschaften oder der Politologie, aber auch neuer Studiengänge, wie der Wirtschaftsinformatik und der Europäischen Studien.

Bernd Woidtke

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