Abi 08 - Die Mottotage - Der Abigag
4.4.08
Die letzten Tage in der Schule - für ein ganzes Leben! Da kommt Wehmut auf. Und dieses Gefühl muss man bekämpfen. Am besten die ganze Woche lang.
Die 13er an der Playa Escuela Europa - klick drauf, kann kannst du sie groß sehen!
Am ersten Tag, Montag, 31.3.08, erinnerte man sich an den ersten Schultag. Die 13er kamen so wie damals, vor 13 Jahren, als sie das erste Mal in die Schule gingen: Mit einer Schultüte, einem alten Ranzen, Mäppchen, Pausenmilch, alten Klamotten, Hemdchen, Kleidchen, alten Brillen, sie sahen so süß aus, geradezu rührend! Unsere Ältesten, verwandelt in die Kleinsten... war da nicht auch ein bisschen Sehnsucht, ein bisschen romantische Verklärung... wie schön war das damals, so wird es nie mehr sein...
Am zweiten Tag, Dienstag, 1.4.08, hatte man sich überlegt: Was ist das Gegenteil von Schule? Von Arbeit, Frust und künstlichem Licht? Natürlich: Sonne, Strand, Wasser, Badematten, Boxershorts und Hawaiihemden. Und so kamen sie in die Schule. Sehr zur Verwunderung der Kleinen: "Was sind das für Leute, die da so komisch angezogen sind?" fragten mich 5er. "Hat das was mit dem 1. April zu tun, oder meinen die das ernst?" "Nein, antwortete ich, die meinen das ernst... und eines Tages werdet ihr auch so sein!" Ungläubiges Staunen der 5er.
Am dritten Tag, Mittwoch, 2.4.08, zeigten die 13er, dass sie auch ganz anders können: Sie stellten etwas dar, was meilenweit von ihnen entfernt ist. Die Abiturienten, die künftige Elite Deutschlands, die Intellektuellen, die Dichter und Denker, die künftigen Manager und Kreativen - sie versetzten sich in die Situation des Prekariats, der Konsum-Materialisten, der Handy-Prolls und Mediamarkt-Stammkunden. Erstaunlich die schauspielerischen Fähigkeiten! Bei manch einem konnte man zwar meinen, es handle sich um Type-Cast... aber das ist undenkbar! Aber eindrucksvoll war es schon, wie treffsicher die schmuddeligen Trainingshosen, die prolligen Sonnenbrillen, die nuttigen Lippenstiftfarben, die hundertfach benutzten Lidl-Plastiktüten als Accessoires ausgesucht worden waren. Deutete sich hier eine zweite Natur der Kerpener Bildungselite an? Nein, die ironische Distanz war jederzeit zu merken, auch als man dann auf der Suche nach Pfandflaschen durchs Haus lief, munter den literarisch originellen Hymnus deklamierend: "Hauppsache asozial, shalalalaaa!"
Am vierten Tag, Donnerstag, 3.4.08, waren sie einfach nur noch müde, die 13er. Geschafft von 13 Jahren Schule, von 3 Jahren Oberstufe, von Klausuren und Hausaufgaben, von phantasievoll ausgefüllten Entschuldigungsformularen, liebevollen Lehrern und anstrengenden Mitschülern (oder war das umgekehrt?), von durchgejobbten Nächten und durchgeschlafenen ersten Blöcken, von nervenden Führerscheinprüfungen, ersten Autos, ersten Knöllchen, ersten Verliebtheiten und ersten Beziehungskrisen, von letzten Kopiebergen von nervösen LK-Lehrern, von letzten Wiederholungen und vor allem: von den hundertmal geäußerten Beteuerungen der Abifach-Lehrer: Nein, wir haben auch keine Ahnung, was im Zentral-Abi drankommt! Das macht einfach sooo müde. Deshalb zogen die 13er das an, was man in diesem Zustand halt anzieht: Schlafanzüge, Nachthemden, Négligés, Boxershorts und verwaschene T-Shirts. Und brachten die wahren Freunde mit: die Kuscheltierchen, Schmusedecken, Blümchenkopfkissen, die Schnuller und Benjamin-Blümchen-Cassetten. Rührend.
Die 13er am Ende der Show... und auch sonst ziemlich am Ende. Klick auf das Bild, dann wird es groß!
Am fünften Tag, Freitag, 4.4.08, stand der Höhepunkt auf dem Programm: Der Abi-Gag! Trotz großer Müdigkeit, diesmal nicht von 13 Schuljahren, sondern einer durchwachten Nacht, wurde eine imposante Show auf die Bühne gebracht. Das Abitur-Motto heißt: "Glabiatoren - Die Helden verlassen die Arena!" Die Show stand entsprechend unter diesem Slogan. Schüler-Gladiatoren kämpften gegen Lehrer. Das historische Vorbild - Gladiatoren wurden in Rom in aller Regel von wilden Tieren zerfleischt - schreckte die Schüler nicht. Entsprechend gewannen sie beim Tauziehen und beim Limbo. Dominik Riediger (Lehrer) holte beim Dickmanns-Kontest auf, Oliver Bathke stellte beim Karaokoe-Singen den Gleichstand her. Dann aber ließen die Lehrer den Gladiatoren beim Schwebebalken-Kampf aus Mitleid den Vortritt - sie wollten ihnen das historische Schicksal ersparen... Bei der Herzblatt-Show kniete Klaus Klein vor Christiane von Freeden (an die 6.8: Es war ein Spiel!) Der Lehrer-Schlafanzug aus "Mein Freund Harvey" hatte schon zu Beginn der Show die Massen zum Kochen gebracht. Der Sportlertanz am Ende brachte die Halle vollends zur Explosion. Zwei Höhepunkte gab es: Kerpens next Lehrer Model war die witzigste Idee des Tages. Schüler schafften es, mit wenigen Requisiten und Bewegungen einige Lehrer zu parodieren - köstlich! Die Sieger-Models: Frau Loffredo und Herr von Laufenberg - Applaus! Der zweite Höhepunkt: Dominik Hees singt eine Hymne für Liesel, die Königin der Café und der Herzen. Da konnte kaum ein 13er die Tränen zurückhalten...
Die Moderatoren der Show, Benjamin Schieweck und Dominik Hees, führten professionell durchs Programm, mussten gelegentliche technische Pannen überspielen und zeigten auch nach der langen Nacht erstaunliche Kondition.
Am Ende dann, wie immer, die großen Emotionen: "Niemals geht man so ganz!" tönte es aus den Boxen. Die Abiturienten fielen sich um den Hals, die Tränen flossen, die Schwüre "Wir sehen uns wieder!" "Wir bleiben zusammen!" "Wir helfen uns durchs Abi!" wurden besiegelt. Und dann verließ ein großer Jahrgang die Bühne.
Wir drücken euch fürs Abitur die Daumen und freuen uns jetzt schon riesig auf die Abiturfeier!
Bernd Woidtke