Zurück in die Zukunft
Noch eine Woche bis zum letzten Schultag!
8.4.10
Wir befinden uns im Jahre 2040. Der soziale Wandel hat seine Spuren auch in Nordrhein-Westfalen hinterlassen, so dass der neue Ministerpräsident unseres Bundeslandes, Sebastian Selke, in diesen Tagen seine Reformen für das Bildungssystem vorstellt. Grund genug, Herrn Selke, der im Jahre 2010 sein Abitur an der Kerpener Europaschule machte, über seine eigene Schulzeit zu befragen.
Herr Selke, wenn Sie auf Ihre Schulzeit zurückblicken, was hat Sie am meisten geprägt?
Tja, das ist eine schwierige Frage, Frau Dorweiler. Da gibt es viele Dinge, von denen ich niemals gedacht hätte, dass sie meinen Lebensweg so prägen würden.
Zum Beispiel?
Viele meiner Freunde kenne ich schon seit meiner Schulzeit. Und obwohl sich unsere Wege nach dem Abitur in die verschiedensten Richtungen entwickelt haben, gibt es doch immer noch Gemeinsamkeiten, die uns bis heute verbinden. Selbst mit einigen Lehrern stehe ich heute noch in gutem Kontakt.
Ministerpräsident Selke denkt nach. Aufgenommen In Berlin 2009 vor dem Reichstag. Anklicken zum Vergrößern!
Das ist aber außergewöhnlich: Ein Schüler, der selbst nach der Schulzeit eine Lobeshymne auf seine Lehrer singt.
Naja, wenn man neun oder zehn Jahre eine Schule besucht, lernt man nicht nur seine Mitschüler, sondern auch den Menschen im Lehrer kennen – und manchmal ihn sogar zu schätzen. Man geht schließlich nicht nur zur Schule, um sich Wissen eintrichtern zu lassen, sondern auch, um sich menschlich weiterzuentwickeln.
In dem Reformpaket, das Sie in diesen Tagen vorgestellt haben, ist enthalten, dass es für Kinder und Jugendliche auch neben dem eigentlichen Unterricht Möglichkeiten geben soll, gezielt gefördert zu werden. Was soll das konkret heißen?
Gezielte Förderung klingt in manchen Schülerohren vielleicht nach gezwungener Nachhilfe. Das soll es aber nicht sein. Im Gegenteil, meine Zeit an der Europaschule hat mir gezeigt, dass ein breites Angebot an außerschulischen Aktivitäten die Begabungen jedes Einzelnen hervorheben kann. Als ich mich damals auf mein Abitur vorbereitete, wurde eine Berufsberatung für uns Schüler eingerichtet. Dort wurde man individuell zu Ausbildungsmöglichkeiten beraten. Ich finde, das ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich Lehrer auch außerhalb des Unterrichts für ihre Schüler engagieren. Meine „alte“ Schule trägt zudem den Beinamen „Europaschule“. Durch viele Austauschprogramme sind wir Kerpener näher mit Europa zusammengewachsen. Wo sonst hat man die Chance innerhalb kürzester Zeit die verschiedensten Kulturen kennen zulernen?!
Das klingt so, als hätten Sie die Traum-Schule schlechthin besucht. Wenn ein gutes Schulklima so einfach zu erreichen ist, warum ist es dann nicht überall in Deutschland so paradiesisch?
Natürlich war auch meine Schule nicht perfekt. Viele uns hatten oft kein Verständnis für so manche Investitionen. Während auf der einen Seite reihenweise Computer und Fernseher angeschafft wurden, entwickelte so manche Decke ein Eigenleben. Außerdem lief man als Einzelner oft Gefahr in der Masse von 2500 Schülern unterzugehen. Ich hätte mir oft gewünscht, dass die Klassen kleiner gewesen wären und die Lehrer mehr Zeit für jeden einzelnen Schüler gehabt hätten.
Als Politiker haben Sie nun die Chance, die positiven Aspekte aus Ihrer Schulzeit zu übernehmen und gegen die Ursachen für Probleme zu arbeiten. Stellen wir uns vor, wir wären noch mal im Jahre 2010, Sie wären noch einmal Abiturient und hätten die Gelegenheit die Schule nach ihren Wünschen umzugestalten.
Zuerst einmal würde ich den 70er Jahre Kasten von Grund auf renovieren. Als nächstes würde ich zusätzlich zu den Lehrern Schulpsychologen und Sozialarbeiter einstellen. Mit den wachsenden Belastungen, die Schülern von zu Hause und der Schule erfahren, sollen sie nicht alleine gelassen werden, sondern Hilfe erfahren, bevor sie im hektischen Schulalltag übersehen werden. Nicht zuletzt muss sich die Schule den örtlichen Begebenheiten anpassen, weshalb das Gymnasium der Stadt Kerpen auch einen muslimischen Religionsunterricht anbieten sollte. Wäre ich noch einmal 19 Jahre alt, würde ich mich auch dafür einsetzen, eine Schülerzeitung zu gründen.
Herr Selke, vielen Dank für diesen persönlichen Einblick in Ihre Schulzeit. Wir hoffen, dass Ihre Reformen so viel bewegen, wie sie versprechen.
Sebastian Selke & Cornelia Dorweiler