Wenn aus Realschülern Gymnasiasten werden
Noch 3 Wochen bis zum letzten Schultag!
26.3.10
Ich konnte es nicht genau beschreiben, dieses Gefühl, welches sich vor einigen Wochen breit machte. Zuerst unterschwellig, dann aber, als jeder von Abitur, Jobs und Karriere anfing, fiel es mir schlagartig wieder ein. Es war die Trauer, die einen beschleicht, wenn etwas Schönes zu Ende geht. Doch ich kannte dieses Gefühl, hatte es schon mal, im Frühsommer 2007, als ich die Realschule verließ, gefühlt. Viele redeten damals von Ausbildung und weniger vom Studium. Heute sieht es ähnlich, aber anders herum, aus: Viele reden nun vom Studium und weniger von Ausbildung.
Soweit waren wir vor zweieinhalb Jahren allerdings noch nicht, denn die drei, aus Externen neu gebildeten, 11er Klassen mussten erst mal mit mindestens drei Förderstunden pro Woche auf das Niveau der Gymnasiasten gebracht werden. Auch sonst war es kein Zuckerschlecken, denn nicht nur als 5er kommt man sich in dem ausufernden Gebilde, was sich Europaschule nennt, verloren vor. So erntete ich damals schallendes Lachen meines Kunstkurses, als ich geschlagene 15 Minuten zu spät kam, weil ich mich verlaufen hatte. Jedoch empfing ich auch mitfühlende Blicke von anderen Externen, denen es auch nicht besser ergangen war.
Das "ausufernde Gebilde, was sich Europaschule nennt" - klick drauf, dann wird sie groß!
Die erste Zeit auf dem Gymnasium ist zudem auch sehr stressig, denn man umgibt sich mit vielen neuen Menschen, Mitschüler sowie Lehrer. Ich erinnere mich, dass ich mich nach meinem ersten Schultag nach der Realschule zurücksehnte, nach bekannten Gesichtern, die sich aus Freunden und Lehrern zusammensetzten, nach 6 Stunden Unterricht und viel Spaß, den man im letzten Schuljahr dort hatte. Denn was an unserer Schule die 13er sind, das ist man an der Realschule schon in der zehnten Klasse. Man genießt so einige Privilegien, zum Beispiel darf man in den Pausen drinnen bleiben, man fährt auf Abschlussfahrt und die Lehrer lassen so einiges durchgehen, weil sie sich denken, dass es in dem letzten halben Jahr sowieso nichts mehr bringt.
Über die Jahre wurde es aber immer leichter am Gymnasium. Man fand neue Freunde, sagte Klausur und nicht mehr Klassenarbeit und man traf sich in der Café und nicht mehr am „Notausgang“, wie mein Freundeskreis und ich den Platz nannten, wo wir uns damals trafen. Und heute?
Heute kann ich sagen: Ich bin ein Gymnasiast. Das soll nicht heißen, dass ich vergessen habe, dass ich meine Anfänge auf der Realschule gehabt habe, aber zu den positiven Eigenschaften wie Wille, Kraft und Eigensinn kamen in den drei Jahren viele neue hinzu, wie Flexibilität, Kreativität und neues Wissen.
Ich denke, diese Eigenschaften, die sowohl Gymnasiasten sowie Externe in die Oberstufe mit einbringen, sind jene, welche die Zeit in der Oberstufe zu einem spannenden, spaßigen und unvergesslichen Erlebnis machen.
Heinz-Jürgen Zens