Abiturfeier 2010

25.6.10

 

Die Fotos

 

"Jedem Ende wohnt ein Anfang inne" - ein Satz, der häufig zitiert wird, auch bei der diesjährigen Abiturfeier gleich mehrmals. Er stammt, in abgewandelter Form, aus dem Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse, in dem es heißt:

 

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

 

Am Schluss heißt es:

 

          Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

 

Das war dann auch eine Art Motto des gestrigen Abends. Abschied nehmen wollte auch der Schweizer Bildhauer Anatol Ludwig Stiller, eine Figur im Roman "Stiller" von Max Frisch. Pfarrer Ralf Herbertz machte ihn zum Mittelpunkt seiner Predigt im ökumenischen Abiturgottesdienst. Stiller wollte Abschied nehmen von sich selbst, von seiner Identität, er nannte sich fortan Mr. White. Müssen wir auch Abschied nehmen - von unserem Bild von uns selbst, von unseren Zielen, Ideen, Visionen? Ralf Herbertz mahnte an, sich nicht von falschen Erwartungen an sich selbst in die Irre führen zu lassen. Seine gehaltvolle und wie immer kurzweilig vorgetragene Predigt kann man hier nachlesen.

 

Christian Bautz und Anna Turnowsky bei ihrer Abiturrede

 

Klaus Bilstein, katholischer Pfarrer, wies in seiner Predigt über das Gleichnis von den Arbeitern des Weinberges - Matthäus 20, 1-16 - auf die unterschiedlichen Ideen von Gerechtigkeit hin. Künstlerische Höhepunkte des Gottesdienstes boten der Chor der Abiturienten und die uns seit Jahren bekannte Sängerin Eva Vosen.

 

Musik gab es natürlich auch bei der Abiturfeier in der Aula. Madeleine Herberz und Valerie Wischott spielten das Andante und Allegro von Diabelli, Julia Fromme die Ballade g-moll op. 23 von Chopin, Sophie Lewkow mit Herbert Vietor den Liebesfreund von Fritz Kreisler und schließlich Jannik Lüers, Barbara Becker, Ines Perrar, Stefanie Winkel, Arabella Drühe, Sophie Lewkow und Fabian Muniak Good Riddance (Time of Your Life) von der amerikanischen Rockband Green Day.

 

Schulleiter Bernhard Ripp war der erste, der sich in seiner Rede auf das diesjährige Motto der Abiturienten bezog: "Abilympia - Spiele für die Götter". Er verwies auf das Verewigungsgemälde von Thomas Frentzen und Arne Zyprian vor der Mensa, das einerseits Siegerposen der Abi-Helden zeigt, andererseits aber auch deutliche Spuren von literarischer, mathematischer und sprachlicher Bildung: "Die rechte Hand des Siegers stützt sich auf Bücher wie Algebra, Stochastik und Geometrie. Romeo und Julia ist zu erkennen, im Bücherregal eingeordnet ist die Evolutionslehre eins und zwei." Ripp zeigte sich als Griechisch- und Lateinkenner und zitierte eine griechische Inschrift am Apollotempel von Delphi: "Gnothi seauton", auf Lateinisch: "Nosce te ipsum", zu deutsch: "Erkenne dich selbst". Dahinter steckt die Forderung, seine Grenzen zu erkennen - eine gute Verbindung zur Predigt von Ralf Herbertz.

 

Die Kerpener Bürgermeisterin beglückwünschte in ihrer Rede die Abiturienten, auch wenn sie eine schwierige Zeit vor sich haben. Sie verwies auf den Abi-Countdown auf dieser Website, den der Abiturient Thomas Korn initiiert hatte.

 

Barthel Korn, scheidender Vorsitzender der Schulpflegschaft, arbeitete sich ausführlich am Abi-Motto ab. Er verglich die Schulzeit mit olympischen Spielen, fand dabei eine Reihe von Parallelen und streifte dabei auch die Dopingproblematik: "Wie Berichten zu entnehmen ist, gab es bei den diesjährigen Spielen keine Dopingfälle, sprich: Täuschungsversuche." Warum an dieser Stelle verhaltenes Kichern bei den auf der Bühne sitzenden Abiturienten aufkam, ist nicht bekannt...

 

Für die Abiturienten sprachen Anna Turnowsky und Christian Bautz. Sie hielten ein humorvolle Rede, in der sie die Schulzeit Revue passieren ließen und auch nicht an Lehrer-Kritik sparten - vom Auswürfeln der Noten bei einigen Lehrern war die Rede...

 

Schließlich überreicht Herr Ripp 233 Abiturientinnen und Abiturienten ihre Zeugnisse.

 

Zum Abiball fuhren dann mehr als 1000 Personen, die Abiturientinnen und Abiturienten, ihre Eltern, Großeltern, Geschwister, Freunde und Lehrer nach Kerpen-Sindorf, wo in einer großen, festlich ausgestatteten Industriehalle bis in die Nacht gefeiert wurde. Getrübt wurde die Freude der 13er durch die ausbaufähigen Organisationsleistungen der Hallenbetreiber. Da bekam die Gedichtzeile "Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!" eine neue Bedeutung.

 

Bernd Woidtke