Abi-TV
Der Abigag 2005
Ganz parteiisch sage ich: Die Sieger waren die Lehrer! Sie brauchten zwei Blöcke lang keinen Unterricht zu machen und bekamen eine Riesen-Show geboten - was will man mehr? Und sie boten mit dem Putzfrauen-Tanzensemble 'Clean' und dem Sportler-Ballett grandiose Unterhaltung! Wie überhaupt alles mal wieder vom Feinsten war bei diesem Abigag. Neu: Er fand in der Sporthalle statt. Die Aula konnte die Massen an entertainmentwütigen Schülerinnen und Schülern nicht mehr aufnehmen.
Es begann eher konventionell: Das Nassspritzen-Müssen der 'Kleinen' (aus der Sicht der 13er sind alle 'klein') scheint eine Art genetischer Defekt aller Abschluss-Jahrgänge zu sein. Dann aber kam die Show in Fahrt: Von Florian Lange, Marlen Tiedtke und Margareta 'Dede' Miksa moderiert, lief der als TV-Sendung eingekleidete Abigag rasant ab. Die Lehrer mussten sich in Big-Brother-Manier in 'Reiche' und 'Arme' einteilen und allerlei Matches absolvieren, um damit ihrem bitteren Schicksal zu entkommen. Witzig: Herr Dänner und Herr Kemper klemmten sich das Gesicht mit Wäscheklammern voll - ein pädagogischer Beitrag zum Thema 'Piercing' für Lehrer.
Diverse Filmeinspielungen zeigten den Einfallsreichtum der 13er. Eines der Highlights: Ein gut gebauter Boy hebt Frau Schmidt ein Stück Kreide auf - zur Nachahmung empfohlen, aus Jugendschutzgründen allerdings erst in der Oberstufe!
'Richterin Schnüttchen-Weber' - eine gekonnte Persiflage auf die unsäglichen nachmittäglichen Gerichtsshows. Geheime Fisternöllchen im Lehrerkollegium, bei denen das Alter der Verbandelten keine Rolle spielt; Giftmordanschläge und ein finsterer Schulleiter, der seine Kollegen reihenweise aus dem Weg räumt - Reality-TV an der Europaschule?
Und dann kam das Ende, unwiderruflich! Das Ende des Abigags, das Ende des letzten Schultages der Abiturienten: Die Tränen flossen, verstohlen wischten sich auch obercoole Jungs das Wasser aus dem Gesicht. "15 Jahre habe ich mit einigen Leuten verbracht, Grundschule und Kindergarten mitgerechnet", sagte Ricarda Kossack und drückte damit das traurige Gefühl des Abschieds aus, das alle beschlichen hatte. Zum Glück bleiben ja noch ein paar Wochen an der Schule, allerdings gefüllt mit überwiegend unerfreulichen Tätigkeiten: Klausuren und mündlichen Prüfungen. Dazu drücken wir allen ganz heftig die Daumen!
Jetzt wird's pathetisch:
Diese Jahrgangsstufe hat uns allen sehr viel Freude gemacht: nicht nur mit dem Abigag, sondern schon im letzten Winter mit dem Popstars-Casting, in der 12 mit phantastischen Theaterproduktionen der Literaturkurse, mit den Nibelungen, dem Forum junger Künstler und vielen anderen Events. Ganz zu schweigen von vielen Unterrichtsstunden, die ohne euch ziemlich trist gewesen wären... Die Diskussion um die Verkürzung der Schulzeit sollte wieder aufgerollt werden: Euch würden wir auch in Jahrgangsstufe 14 und 15 weiter hier behalten wollen - überlegt es euch mal...
Bernd Woidtke