THERABIE 06 beendet - wir verlassen die Anstalt
Der Abigag 06
7.4.06
"Du bist das Gymnasium Kerpen" - PPT-Präsentation (ca 940 Kb)
Das Bewegendste kam am Schluss: Die Tränen flossen in Strömen. Weinende Abiturienten umarmten sich auf der Bühne. Den Grund hatten schon am Vortag die Schulinspektoren in ihrem Abschlussbericht beigesteuert: Am Gymnasium Kerpen gibt es, so hatten sie in vielen Gesprächen mit Schülern, Lehrern, Eltern und Hauspersonal festgestellt, ein hohes Maß an Identifikation mit der Schule. Und das ist schon ein verdammt guter Grund, in Tränen auszubrechen, wenn man nun seine Freunde nicht mehr sieht, jedenfalls nicht am gewohnten Ort, wenn man die vertraute Umgebung verlassen muss... ich breche hier ab, um nicht schon wieder Tränen zu provozieren.
Ansonsten war die Veranstaltung alles andere als zum Heulen. Das Motto des Abigags "TherABIe06 beendet - wir verlassen die Anstalt" zog sich als roter Faden durch den Vormittag. Die Moderatoren: Benny 'Wanda' Kuhtz und Tobias 'Haukeline' Schmelter - ein Traumpaar! Sie stellten sich als "Professor Doktor" vor, als Leiter dieser Therapieveranstaltung. Und die zeigte bald Wirkung. Nachdem sich die Abiturienten 9 oder mehr Jahre als Insassen allen möglichen Therapieversuchen gegenüber als resistent erwiesen hatten, mussten nun die anderen Irren auf die Bühne: Die Lehrer. Als Darsteller der Comedy 'Schillerstraße' zeigten sich einige Exemplare noch eher unter Schock oder dem Eindruck von Sedativa, dann aber kam Leben in die Anstalt: Beim Eischaumkonfekt-Wettessen (wir verzichten hier aus Gründen der politischen Korrektheit auf die traditionelle Bezeichnung) siegt mit Dr. Kloke ein Teilnehmer, der kurz vorher disqualifiziert worden war - ein sicheres Zeichen, dass auch die Heimleitung inzwischen schon ein bisschen gaga war?
Die Spice Girls tanzten mit den Back Street Boys - ein erstes musikalisch-tänzerisches Highlight, was später von den erotischen Boys, angeführt von Gino Casale zwar nicht getoppt, aber immerhin fast eingeholt wurde. Zwischendurch gab's so richtig was fürs Herz: Liesel, die Frau ohne Nachnamen (in ihrem Pass steht übrigens 'Dressel'), die Seele der Cafeteria, wurde von den Professoren reich beschenkt und bedankt. Sie ist seit Jahren als Therapeutin auch für hoffnungsloseste Fälle berühmt; nebenberuflich verkauft sie zauberhafte Leckereien und warme Speisen an die geschundenen Seelen.
Aus einem Model-Contest Schülerinnen gegen Lehrerinnen ging, gemessen an den Phonzahlen, Nicole Garcia als Siegerin hervor, dicht gefolgt von Ulrike Lentzen-Burmester (für die Millionen LeserInnen dieser Website, die nicht auf dieser Anstalt sind: zwei LEHRERINNEN!). Aus einem pseudo-intellektuellen Wettbewerb, einem Diktat, bei dem verschiedenen DeutschlehrerInnen ein völlig absurder Text vorgelesen wurde, ging angeblich Frau van Ginkel als Siegerin hervor, den übrigen Teilnehmern wurden offenbar mit Hilfe eines irren Salzstreuers Unmengen von Fehlern in den Text gestreut, so dass sie inzwischen ihre Rechtsanwälte beauftragt haben, wegen Rufschädigung gegen die Anstaltsleitung zu klagen.
Herrn Ripp, dem Schulleiter, wurden (erfundene?) Zitate vorgelesen; er sollte raten, von wem sie stammten. Herr Ripp, erfahrener Politiker und Diplomat, gab sich keine Blöße und tat so, als wüsste er das nicht. Natürlich wollte er in Wirklichkeit die entsprechenden Kollegen schonen bzw. Prozesskosten sparen.
Bei einem pantomimischen Begriffe-Ratespiel gaben die beteiligten Lehrer Rebecca Palm-Schroetter und Dirk Backhausen den Schülern den Vortritt, wie es sich gehört.
Und dann die Video- und Foto-Show: Mit unglaublicher Mühe und viele kreativen Ideen wurden Lehrer durch den Kakao gezogen, manchmal ironisch, manchmal kritisch aber eigentlich immer irgendwie liebevoll.
Und dann standen sie alle auf der Bühne, zuerst die 13er mit allen Lehrern, dann die Abiturienten alleine. Und der lange Abschied begann.
Bernd Woidtke