So ähnlich muss es vor rund 450 Jahren auch in Shakespeares Globe-Theatre zugegangen sein: Bunt kostümierte Flötenspieler und Gaukler tragen noch vor Beginn der Vorstellung fröhliche Lieder und Gedichte vor, das Schausoiel selbst findet auf verschiedenen Ebenen statt und wird immer wieder von kleinen Musikstückchen unterbrochen.
An der authentischen Inszenierung des Festivals zu seinen Ehren hätte wohl Shakespeare selbst seine wahre Freude gehabt. Schließlich waren die Schüler des Gymnasiums Kerpen und ihr Publikum der lebende Beweis dafür, wie sehr Shakespeares Kunst noch heute die Menschen zu beeindrucken versteht.

Dass die Muttersprache des Genies aus Stratford on Avon nicht die der jungen Akteure ist, hätten am Samstagabend selbst Engländer kaum bemerkt. Da die beteiligten Klassen 7, 8 und 9 dem bilingualen Zweig der frischgebackenen Europaschule entstammen, war das auch kein Wunder: Englisch ist seit der 5. Klasse ihr Hauptfach.
Das Shakespeare-Festival war Teil der Fremdsprachenwochen, die das Gymnasium seit Anfang Mai veranstaltet. An dem abwechslungsreichen Abend wirkten rund 60 Schüler und Schülerinnen mit. Gemeinsam vermittelten sie ihrem Publikum einen Hauch des Lebensgefühls der englischen Renaissance. Neben Auszügen aus Macbeth und Romeo und Julia gaben die jungen Künstler Gedichte und Lieder Shakespeares zum Besten und trugen zeitgenössische Musikstücke vor.

Geplant hat das Festival die stellvertretende Schulleiterin Christiane von Freeden. Auf die Idee kam sie gezwungenermaßen, als sich zu ihrer englischen Theater-Arbeitsgemeinschaft knapp 30 Schüler und Schülerinnen anmeldeten, die alle am liebsten die Hauptrollen in Romeo und Julia gespielt hätten. "Da hab ich mir was anderes einfallen lassen müssen", erzählte von Freeden schmunzelnd. Auch in den Pausen waren fleißige Hände bemüht, den Besuchern einen wahren Shakespeare-Abend zu bereiten. Die Klasse 6.8 zum Beispiel hatte unter Anleitung ihres Klassenlehrers eine ordentliche Menge Teig angerührt und nach überlieferten Rezepten "Hot Cross Buns" (süße Rosinenbrötchen) und "Prezles" (salzige Brezeln) gebacken. Dazu verkauften die Kinder an ihrem Stand im Foyer auch Cidre.
Kerstin Rottland (Kölnische Rundschau 23.05.2001)
Fotos von B. Woidtke