Vergehen und Entstehen
6.2.08
Wochenende…ausnahmsweise bin ich einmal als erster der Familie wach. Noch etwas schlaftrunken schleiche ich in die Küche um mir einen Kaffee zu holen.
Brrrrr…eiskalt ist die Bude. Kein Wunder – der Kaminofen ist über Nacht leer gebrannt. „Na typisch“ murmele ich vor mich hin, „da hat wieder einer die Luftklappe nicht zu gemacht. Kein Wunder, dass alles verbrannt ist.“
Missmutig mache ich mich daran das Feuer neu zu entfachen – die Familie soll's schließlich schön warm haben, wenn sie aus den Federn kriecht. Aber da – ein neues Problem. Kein Holz mehr da um das Feuer an zu machen. Nur noch dicke Knüppel, aber kein Kleinholz mehr.

Ich schimpfe vor mich hin. Irgendwann aber sehe ich es ein: „Es hilft nichts“. Bademantel und Schluppen an, raus in den Garten zum Schuppen, wo das Holz gestapelt ist. „Bei der Gelegenheit auch gleich das Aschefach leer machen,“ sage ich mir und stapfe mit Aschefach und Holzkorb in die Kälte.
Seltsame Gedanken gehen mir beim Blick auf die Asche durch den Kopf.
Gestern noch kräftiges, harziges Holz. Heute nur noch ein Haufen körnige Asche.
Gestern noch ein schwerer Korb voll. Heute nur noch ein leichtes Häuflein.
Ich streue die Asche auf dem Rasen aus, schließlich soll der Rasen in einigen Wochen wieder grün wachsen und sprießen. Die Asche kommt da wie gerufen, es gibt keinen besseren Dünger als Holzasche. Es schließt sich ein Kreislauf.
Holz – Asche – Rasen.
Wachsen – vergehen – entstehen.
Genau wie bei uns Menschen.
Eine halbe Stunde später knistert das Feuer im Ofen. Die Kälte weicht allmählich der Wärme. Holz wird zu Asche. Asche zu neuem Leben. Fast schon ein kleines Wunder.
Ralf Herbertz