Berlin 2010
SoWi-Leistungskurse auf Studienfahrt
21.-23.5.10
Zum dritten Mal fuhren die 12er-SoWi-LKs in die Hauptstadt - eine alte Tradition also! Zwei feste Programmpunkte gibt es: Einen Vortrag im Plenarsaal des Deutschen Bundestages und ein Gespräch mit einem Bundestagsabgeordneten. Willi Zylajew, CDU, empfing die Gruppe im Paul-Löbe-Haus, einem eindrucksvollen modernen Gebäude, in dem vor allem Abgeordnetenbüros liegen. Willi Zylajew stand am Freitag Nachmittag noch unter dem Eindruck der morgendlichen Bundestagssitzung, in der das Hilfsprojekt für Griechenland beschlossen worden war. In seiner offenen Art gab er seinen Zweifeln Ausdruck; letztlich war er aber zu dem Schluss gekommen, dass es keine Alternative zu dem 750-Milliarden-Euro-Programm gibt.
Die SoWi-LKs vor dem Reichstagsgebäude; Anklicken zum Vergrößern!
Zylajew berichtete aus seinem Parlamentsalltag, betonte, dass er nicht immer einer Meinung mit seiner Partei sei, dass es ihm wichtig sei, beruflich abgesichert zu sein, so dass er nicht von der Politik abhängig ist. Seine Unabhängigkeit bemerkte man vor allem, als er über Bildungspolitik sprach. Seine Ablehnung von Studiengebühren ist sicher nicht Parteilinie, auch sein Hinweis, es gebe zu viele Gymnasiasten, dürfte bei der NRW-Schulministerin nicht eben Begeisterung hervorrufen. Die LK-Schüler/innen diskutierten intensiv mit Zylajew, man war sicher nicht immer einer Meinung, aber in einem Punkt gab es Übereinstimmung: Langweilig war das Gespräch in keiner Sekunde! Anschließend führte Zylajew die Gruppe durch das Paul-Löbe-Haus, geleitete über eine schmale Brücke in den anderen Gebäudeteil und durch die Unterführung unter der Spree ins Reichstagsgebäude. Dabei konnte er interessante Informationen über die Architektur geben.
Der Vortrag im Plenarsaal durch eine Mitarbeiterin des Besucherdienstes war ebenfalls interessant und amüsant. Man erfuhr zum Beispiel, dass der hinter dem Rednerpult hängende Bundesadler eine Fläche von 56 m2 hat - ausreichend für eine ordentliche Zwei-Zimmer-Wohnung. Oder dass jeder Fraktion entsprechend ihrer Größe eine exakt berechnete Zeit für Redebeiträge zur Verfügung steht; wenn ein Abgeordneter diese Redezeit alleine ausnützt, geht das auf Kosten seiner Fraktionskollegen - mit dem entsprechenden Ärger im Anschluss...
Die übrige - viel zu knappe! - Zeit nutzten die Gruppe und die begleitenden Lehrer Ulrike Lentzen Burmester, Claudia Dickfoss und Bernd Woidtke, um die touristischen und kulturellen Highlights der Hauptstadt anzusteuern. Eine Führung im Olympiastadion erwies sich dabei als Hit. Das Neue Museum war der kulturelle Höhepunkt der Berlin-Reise. Es wurde erbaut in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den Schinkel-Schüler Friedrich-August-Stüler und lag nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg lange Jahre in einem Dornröschen-Schlaf. Im Oktober 2009 wurde es wieder eröffnet, nach der Restaurierung durch den englischen Architekten David Chipperfield. Er hat die klassische Baustruktur mit modernen Elementen behutsam verbunden, so dass nunmehr eindrucksvolle Räume die antiken Kunstwerke und Fundstücke beherbergen. Glanzpunkt ist die Büste der Nofretete, der Frau des Pharaos Echnaton aus dem 14. Jahrhundert vor Christus. Eine schönere Frauendarstellung aus der Antike ist mir nicht bekannt!
Die Niederlage Bayern Münchens im Champions-League-Finale, die viele Schüler am Samstag Abend im Sony Center am Potsdamer Platz verfolgten, konnte die gute Stimmung der Kursfahrt nur für ein paar Minuten trüben.
Bernd Woidtke