Hallo Nationalsozialismus,

was ich dir schon immer mal sagen wollte...

 November 2008

 

In verschiedenen 13er-Kursen wurde über den Nationalsozialismus gesprochen, so auch im Pädagogik-LK 3B6 von Frau Dombach. Sabrina Bowitz nahm das zum Anlass einen Text zu diesem Thema zu schreiben.

 

Ich muss schon sagen, das damals hast du wirklich gut gemacht!

 

Das Übel an der Wurzel gepackt und direkt mal ein noch viel größeres eingepflanzt und konsequent herangezüchtet. Eine brillante Idee übrigens der Natur des Menschen zu entsprechen und Schuldige zu suchen, die sie für ihr Leid verantwortlich machen können. Noch brillanter allerdings der Einfall ihnen ihr eigenes Gefühl und Gedankengut wegzunehmen.


Recht so, so wird Demokratie entstehen!

 

Und da ein paar Schuldige allein natürlich nicht ausreichen, hast du dich nicht lumpen lassen und direkt alle, die anders aussehen, wirken, sind, für schuldig erklärt. Hast ihnen das Mensch-Sein abgesprochen. Schön! Und da das Meisterstück nur dadurch fertig gestellt werden konnte, wenn alle mitmachen, hast du ihnen deine Ideen eingepflanzt: „Du sollst töten!“ wurde der neue, moralische Leitsatz. Das war der wahre Kern deines Meisterstücks, blinde, stumme Gefolgsleute, die sich in ihren Uniformen und dem Glauben, den du ihnen eingetrichtert hast, stark und mächtig fühlten.

 

Hitler in Hell, Gemälde von George Grosz

 

Es war so einfach, nicht wahr?

 

Man nehme ein paar frustrierte Menschen, stelle sich als rettender Gott da, suche Schuldige für die Lage und gebe den Menschen einen Sinn in der Verfolgung und Qual dieser Menschen. Und wozu denn eigene Gefühle? Die wären doch nur störend in deinem Gottesbild gewesen, in deinem „perfekten“ Volk. Das hast du gut gemacht! Und es haben ja auch nicht viele was gesagt, richtig? Und die anderen waren einfach auszulöschen. Anscheinend sind die Menschen leicht zu beeindrucken, große Versprechungen, ein scheinbar leichter Weg -  und schon geben sie sich auf. Ihre Menschlichkeit.

 

Da hast du ein gutes Beispiel gegeben, stellvertretend für alle, die anderen sagen, wer sie zu sein haben, was falsch ist, wer und was ausgelöscht werden muss. Selber zu denken und zu fühlen wäre ja auch zu schwierig. Nein, das ist schon verständlich. Ist einfach leichter den Vorstellungen von anderen zu folgen, dann ist man es ja auch nicht schuld. Die Angst hast du auch noch schön ausgenutzt. Und du hast bleibenden Eindruck hinterlassen. Wie wäre es, wenn du in einer anderen Form noch mal auftauchen würdest?


Die Bedingungen wären gar nicht so übel. Ein Versuch wäre es wert. Diskriminieren und ausschließen können die Menschen sowieso schon ganz gut. Die Lage für viele Menschen ist wieder denkbar schlecht. Vielleicht werden sie dir ja Gehör schenken und ihre Gefühle und Gedanken wieder für eine absurde Idee verschenken. Was meinst du? Wäre das nicht möglich?

 

Andere quälen, weil irgendwas an ihnen einen stört, weil sie nicht dem gängigen Ideal entsprechen, somit nicht „normal“ sind, das musst du ihnen gar nicht mehr beibringen. Sich stark und wichtig zu fühlen wegen irgendeiner bestimmten Kleidung oder Besitztümern auch nicht. Die Aufteilung der Gesellschaft in Elite und Normale, Reich und Arm etc. gibt es auch schon. Man spricht nicht darüber, aber das ist doch der Ansatz, mit dem man arbeiten kann. Genau, herrliche Bedingungen also, du bist herzlich eingeladen dein Glück zu versuchen: Die Menschen haben Angst, sind verzweifelt, wehren sich kaum noch, alle streben nach dem Ideal, da liegen deine Chancen. Und ob die Zeiten vorbei sind, in denen solche Denkrichtungen wirken konnten, lässt sich bezweifeln, denn es ist immer einfacher den Hass, die Angst, auf jemand anderen zu projizieren, als ihn sich selber einzugestehen und etwas zu verändern.

 

Eines muss ich dir aber noch sagen, zum guten Schluss also, alles was du herangezüchtet hast, sind kleine, verschreckte Kinder in dreckigen Uniformen, die aus Angst sich selber zu entdecken, andere abgeschlachtet haben. Große Männer? Nein, kleine Jungs beim Sandkasten-Spiel. Herzlichen Glückwunsch. Ein wahres Meisterstück!

 

Sabrina Bowitz