"Das war doch alles ganz anders"

Literaturkurs des Gymnasiums Kerpen

inszenierte den Kinoklassiker "Casablanca" als Parodie

 

von OLIVER TRIPP

 

 

 

 

KERPEN. Casablanca ist nur ein Punkt auf der Landkarte. Aber: „Hier konnten die Begünstigten vielleicht durch Geld, Einfluss oder reinen Zufall Ausreisevisa bekommen und nach Lissabon gelangen und von dort in die Neue Welt", zitiert Erzählerin Janina Neuneier das Intro zum Kinoklassiker „Casablanca". Aber das war auch schon so ziemlich alles, was die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses 23.1 am Kassenschlager von einst heil ließen. Sie präsentierten am Samstag- und Sonntagabend vor rund 250 Zuschauern. Casablanca" als Parodie: „gesungen, gespielt, getanzt". Da tanzt das Nummergirl Svenja Adach immer dann auf die Bühne, wenn das Wort .Asyl" fällt. Und es fällt häufig. Der schwarze Sam spielt statt „As time goes by" den Popschlager „Remember", den die Schauspieler mit spritzigen Tanzschritten interpretieren. Die verflossene Liebesgeschichte zwischen Ilsa, gespielt von Johanna Friebe, und Rick gerät in der Rückschau der Schüler zur schnöden Episode. Überhaupt lässt Ilsas tragische Geschichte den Rest der Akteure lediglich in Gähnen ausbrechen. „Wie geht es denn jetzt weiter?" fragen sich die Darsteller in „Rick's Cafe Americain" häufig, oder sie stellen fest, "Das war aber doch alles ganz anders."

 

Rick, dargestellt von Sebastian Zock, hat immer die Zigarette im Mundwinkel oder das Glas in der Hand. Er misst sich in einem missglücktem Boxkampf mit seinem Rivalen Victor Laszlo und rupft ihm die Haare aus. Die Schauspielikone Humphrey Bogard entlarven die Schüler als kleinwüchsig: Rick schaut Ilsa in der Abschiedszene, trotz einer untergeschobenen Kiste, ins Dekollete: „Ich schau dir in die Augen, Kleines." Dann nehmen Laslo und Ilsa im Pappflieger Platz, den die Bühnengruppe mit Liebe und Kleister gebastelt hat.

 

„Den Kinofilm haben die Schüler gleich komisch gefunden, beim Anschauen haben die nur gelacht", erinnert sich Lehrerin Regine Klopffleisch an den Anfang des Schuljahres. Als lustiges Spiel mit den Elementen des Films inszenierte sie das Bühnenstück auf der Basis der Ideen der Schülerinnen und Schüler.

 

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