Der große China-Abend
Impressionen eines ereignisreichen Schüleraustausches
4.7.05
Es macht einen schon nachdenklich, wenn man hört, dass China 15mal so viele Einwohner hat wie Deutschland. Dass wir trotzdem immer noch an unserem eurozentrischen Weltbild festhalten, stellte Knut Reinhard, der Initiator des Kerpener China-Austausches, in den Mittelpunkt seines Vortrages. Er hatte den Austausch im Herbst vergangenen Jahres ins Leben gerufen: 17 Schüler und Schülerinnen reisten mit 3 Lehrern nach China, besuchten Shanghai, Peking und andere Teile des Landes und lebten eine Zeit lang in chinesischen Familien. Seit dem vergangenen Freitag sind 17 chinesische Schüler und Schülerinnen mit 10 Lehrern, darunter ihrem stellvertretenden Schulleiter, Herrn Hu, und ihrem Dolmetscher, Herrn Mao, auf Rückbesuch in Kerpen. Beim großen China-Abend zeigte Knut Reinhard auf, wie sehr der Austausch die Denkweisen beider Seiten verändert hat, wie groß die Mühe war und ist, mehr von einander zu erfahren und zu verstehen. Und dazu trug der China-Abend mit großem Erfolg bei. Die Moderatorinnen Polly Pane und Katja Fragemann sagten ein umfangreiches Programm an, das die Gemeinsamkeiten beider Seiten erhellte. So hatte eine chinesische Schülerin zu Hause ein halbes Jahr lang ein Klavierstück eingeübt, das sie jetzt im Duett mit Frau Medick, der Mutter von Katja Fragemann, ohne nennenswertes gemeinsames Proben vortrug. Nicky, ein chinesischer Schüler, sang einen amerikanischen Popsong; eine Chinesin sang den Beatles-Klassiker „Hey Jude“ im Duett mit Tom Brosius, einem der Kerpener Lehrer. Marc Merx, Kerpener China-Fahrer, zeigte in einer faszinierenden Foto- und Videoproduktion die Eindrücke der deutschen Reisegruppe in China. Herr Hu, stellvertretender Schulleiter der chinesischen Schule, berichtete über die großen Anstrengungen auf chinesischer Seite, Kontakte zum Ausland zu knüpfen und auszubauen. K-Town 8, die Jazzband des Kerpener Gymnasiums, spielte einige Jazz-Klassiker und erfreute damit die chinesischen Jugendlichen, die an westlicher Kultur extrem interessiert sind. Verena Vandervelt, die große Klaviervirtuosin, verzauberte uns mit einem Impromptu.
Einer der schönsten Eindrücke war, dass die chinesischen Redner beim Applaus immer mitklatschen, für uns ungewohnt, aber ein sichtbares Zeichen ihrer Verbundenheit mit dem Publikum.
Am Mittwoch reist die chinesische Delegation wieder ab. Sie wird noch eine Woche durch Europa touren, unter anderem nach Paris und Amsterdam.
Was bleibt? Die Gastfreundschaft, die die Chinesen unserer Gruppe in China entgegenbrachte, brachten sie jetzt als fröhliche Aufgeschlossenheit mit nach Deutschland – ein Gewinn für unsere Schülerinnen und Schüler! Und die Eurozentriertheit wich ein kleines Stück einem globaleren Denken...
Bernd Woidtke