SCHULCHOR PRÄSENTIERTE SZENEN AUS OPERN UND MUSICAL
Auftritte auch in Bergheim und im Kölner Gürzenich
Wenn im Kölner Stadt-Anzeiger zu lesen war, dass der Kerpener Schulchor, traditionell verstärkt vom Chor am Gutenberg-Gymnasium Bergheim, mit seinem Auftritt an „Vergangene Zum Blauen Bock-Sendungen" erinnerte, dann wäre der Berichterstatter besser beraten gewesen, den Chorleiter, StD Herbert Vietor, vorab zu fragen, wie es zu der von ihm so sehr kritisierten Programm-Mischung in „Wunschkonzert-Manier" kam.

Der Schulchor im ehrwürdigen Kölner Gürzenich
Stehend (und strahlend!): Herbert Vietor
Dass sowohl chorische als auch solistische Szenen aus beliebten Lortzing-Opern ein Stelldichein mit dem amerikanischen Komponisten George Gershwin fanden, hat etwas zu tun mit einer Gesellschaft, die sich SCHLARAFFIA nennt.
Dieser nahezu unbekannten, wenngleich weltumspannenden Künstlervereinigung von Männern (mit ausgeprägtem Sinn für Humor) verdankte die große Chorgemeinschaft beider Gymnasien einen Auftritt am 4. Oktober, als die Gruppe der Kölner ‘Schlaraffen’ ihr 125. Stiftungsfest im altehrwürdigen Gürzenich feierte. Und da die Kölner u. a. Komponisten wie Albert Lortzing und George Gershwin, die zugegeben wenig musikalisch Gemeinsames verbindet, vor langer Zeit bereits zu ihren „Ehrenschlaraffen" erkürt hatten und diese besonders pflegen, wollte unser Chorleiter, der selber begeisterter Schlaraffe ist, mit dem Chor einen unterhaltsamen Beitrag zu diesem Fest beisteuern. Doch dazu später.
Es war mehr als nur eine Generalprobe für diesen großen Auftritt, als die gut 100 Sängerinnen und Sänger eine Woche zuvor das Rund der Aula füllten. Als kurzweilig agierender Moderator erwies sich der Bariton Hubertus Küper (alias Ritter BARDE-BASS), der über viele Jahre einer der gefragtesten Bass-Buffos auf allen bedeutenden Bühnen der ehemaligen DDR war. Und seine „Clownerie" (Stadt-Anzeiger) war unter Kennern nichts anderes als sein bühnenerprobtes komödiantisches Können in der Rolle des Bürgermeisters van Bett im ‘Zar und Zimmermann’ und des Baculus im ‘Wildschütz’. Als ebenbürtige Partnerin stand ihm in der zweiten Oper die junge Ulrike Bennett als Gretchen zur Seite, die mit ihm in Weimar schon ein eingespieltes Paar bildete.
Doch neben dem Augenschmaus war zuvor auch Hörenswertes vom Chor zu genießen. Mit dem „Gershwin Showcase" erklangen beliebte Songs in einem mitreißenden Arrangement, für welches der Kerpener Pianist Michael Jüttendonk bestens zuständig war, assistiert von Sohn Lukas (Jgst. 12) am E-Bass und dem Kölner Schlagzeuger Johannes Bockskopf. Im weiteren Verlauf des Spätnachmittags erlebten die 250 begeisterten Zuhörer Highlights aus Leonard Bernsteins unsterblicher ‘West Side Story’.
Ein begeisterter Applaus war den Sängern auch am folgenden Nachmittag im Gutenberg-Gymnasium sicher, als in der Schule des Bergheimer Kollegen StD Heinz Boden das Konzert in die zweite Runde ging. Letzterer lieh übrigens bescheiden aber klangmächtig seinen sonoren Bass dem Chor.
Am 4. Oktober nun feierte nicht nur die SCHLARAFFIA COLONIA AGRIPPINA ihren 125. Geburtstag, sondern auch Chorleiter Herbert Vietor (wenngleich jünger), was den gut 900 Schlaraffen und Angehörigen im Kölner Gürzenich nicht verborgen blieb. In der ausverkauften „guten Stube Kölns" erlebte der Chor mit dem ‘Gershwin Showcase’, wieder assistiert von Jüttendonks & Co., und der Kantatenprobe „Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen" aus ‘Zar und Zimmermann’, dieses Mal vom Allschlaraffen-Orchester begleitet, seinen bisher wohl größten Triumph. Minutenlange standing ovations waren der Dank für intensives Proben und eine überzeugende Leistung. Der Chor unter der Leitung des Ritters CHORIOSO, wie Herr Vietor schlaraffisch heißt, riss mit den Klängen des Ehrenschlaraffen PLENTY (Gershwin) und des Ehrenschlaraffen KÜHLEBORN (Lortzing) das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Und es waren zahlreiche Fachleute unter den Schlaraffen, die aus Kanada, den USA, Australien, Thailand, Brasilien und vielen Ländern Europas gekommen waren.
Stellvertretend sei der Ritter KIWARI zitiert, hinter dessen Pseudonym sich der weltberühmte Kammersänger Oskar Hillebrandt von der Wiener Staatsoper und der New Yorker Met verbirgt und der zurzeit an der Kölner Oper u. a. den Alberich in Wagners ‘Götterdämmerung’ singt: „Meine Güte, du hast aber deine Leute toll im Griff. Glaube mir, ich habe an manchen Opernhäusern der Welt gesungen, wo die Chorsänger nur unwesentlich besser waren. Aber schließlich sind die ja Profis!"
Na, wenn das kein Lob aus berufenem Munde ist! Und wann hatte unsere Chorgemeinschaft schon ein solch internationales Publikum?
LULU, wie die Schlaraffen begeistert sagen und was auch unsere Frau von Freeden versteht, denn sie ist die Tochter (Burgmaid) des Ritters DON POLMONE ‘von Bronchi-talien’ - ihr Vater ist Schlaraffe in Düsseldorf.
Herbert Vietor