Forum junger Künstler
David Schmitz
18.5.08
Sounddatei Prokofieff: Sonate für Solovioline
Sounddatei Sarasate: Zapateado
Sounddatei Mozart: Violinkonzert Nr. 5
Mit Superlativen ist man ja schnell bei der Hand: Genial, unglaublich, wahnsinnig - das sind so einige der üblichen Beschreibungen. Natürlich trifft das alles auf David, zu. Ist aber auch sehr oberflächlich und einem ernsthaften Musiker vielleicht nicht angemessen. Wunderkind? David wird in 6 Wochen 15 Jahre alt, also trifft die Kategorie Kind theoretisch noch zu. Aber: Er ist 1,84 m groß und wirkt weiß Gott nicht mehr wie ein Kind. Also lassen wir den Versuch, ihn in eine Schublade zu stecken.
Er begann sein Konzert hochkarätig. Meistens ist das erste Stück eher etwas zum Anwärmen. Nicht bei David! Camille Saint-Saëns musste es sein, die Havanaise, Op. 83. Der gutgelaunte Moderator Herbert Vietor klärte das Publikum auf: Das Stück ist eine Liebeserklärung an die kubanische Frau, eben die Frau aus Havanna. Welche emotionalen Aufwallungen Saint-Saëns dabei empfunden haben muss, machte das Stück deutlich: Mit enorm temporeichen Passagen und größten technischen Anforderungen. Begleitet wurde David am Klavier von seinem Vater, Klaus-Jürgen Schleimer-Schmitz. Wer glaubte, jetzt gönnte sich David eine kleine Verschnaufpause, der irrte. Weiter ging es mit der Sonate für Solovioline, Op.115, von Sergej Prokofieff. Der 1953 verstorbene russische Komponist war bekannt für seinen modernen Stil, der sich in ungewöhnlichen Harmonien und einem an die Grenzen der herkömmlichen Tonalität drängenden Tonraum ausdrückt. Für David ein dankbares Stück, um sein großes musikalisches Einfühlungsvermögen zu beweisen.

David Schmitz mit seinem Vater am Klavier
Zwei Stücke des spanischen Komponisten Pablo de Sarasate folgten: Romanza andaluza, Op. 22, Nr. 1, und Zapateado, Op. 23, Nr. 2. David erklärte den staunenden Zuschauern einige technische Besonderheiten des Geigenspiels, die Erzeugung von Flageolett-Tönen und das Pizzicato. Beides benutzte er beim zweiten Stück des Spaniers und zauberte uns so in einen irrwitzig schnellen 6/8-Volkstanz hinein.
Nach der Pause kam ein weiteres Familienmitglied hinzu: Sarah Schmitz, 10 Jahre, 4. Klasse. Sie spielte mit ihrem Bruder gemeinsam die Bourrée in F von Johann Sebastian Bach. Hier wächst wieder ein großes musikalisches Talent heran und wir freuen uns schon, Sarah demnächst in unserer Schule begrüßen zu dürfen. Das anschließende Violinkonzert Nr. 5 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 219, daraus den ersten Satz) spielte David wieder mit seinem Vater. Mozart kommt ja für manche Zuhörer ganz leichtfüßig daher, Herbert Vietor erklärte aber, dass es kaum etwas schwierigeres gäbe für Geiger, daher werde das Stück gerne bei Aufnahmeprüfungen benutzt um die Spreu vom Weizen zu trennen. Auf welche Seite David gehört, muss wohl nicht mehr erwähnt werden.
Mit Janina Kreckel aus Frechen, ebenfalls Violine, spielte David den ersten Satz des Duo concertant, Op. 57 von Charles-Auguste de Beriot, einem, wie Herbert Vietor anmerkte, weithin unbekannten Komponisten. Vielleicht fehlte zu seinen Lebzeiten ein Geiger wie David Schmitz, womöglich hätte sein Ruhm ganz andere Dimensionen angenommen, wer weiß... Jedenfalls interpretierten David und Janina sein Werk so überzeugend, dass man von diesem belgischen Komponisten, der auf einer Deutschlandtournee die Deutsche Marie Huber geheiratet hatte, gerne mehr hören würde.
Und schließlich durfte der bekannte Pianist An-Nam Pham mithelfen, das letzte Stück des Konzerts zu einem Meisterwerk zu machen: Die Zigeunerweisen von Pablo de Sarasate. Herbert Vietor hatte darauf hingewiesen, dass der volle Name dieses in Pamplona in Spanien geborenen Mannes selbst schon wie ein Musikstück klingt: Martín Melitón Pablo Sarasate y Navascués.
Ein eindrucksvolles Konzert, das die Familie Schmitz mit ihrer Spitzenkraft David und den anderen Familienmitgliedern und Freunden uns beschert hat!
Bernd Woidtke