DRACULA

"Knoblauch, Blut und ewige Liebe"

Foto: B. Woidtke

Es ist die Geschichte eines verbitterten Mannes, der sich nach dem Freitod seiner Frau selbst richtet. Somit vernichtet er seine Existenz als sterbliches Wesen und wird zum Fürst der Untoten. Auf ständiger Suche nach einer Möglichkeit, sich mit seiner einstigen Liebe wieder zu vereinigen, saugt er in seiner Heimat Transsilvanien Menschen das Blut aus, um sich so ewiges Leben zu erhalten.
Diese düstere und zugleich traurige Geschichte schrieb bereits im 19. Jahrhundert der irische Schriftsteller Bram Stocker. Als Romanvorlage diente ihm das Leben des rumänischen Schreckensfürsten Vlad Dracula. Nach dessen Nachnamen benannte Stoker seinen Roman - ohne zu wissen, dass die Geschichte seines jungen Fürsten eine der erfolgreichsten Erzählungen des Horrorgenres werden sollte.

Foto: B. Woidtke


Nach unzähligen Adaptionen und Verfilmungen nahm sich jetzt auch ein Literaturkurs des Kerpener Europa-Gymnasiums der Geschichte an.
Schüler der Jahrgangsstufe 12 schreiben die aufwendige Geschichte so um, dass sie in der Aula des Gymnasiums aufgeführt werden konnte.
Dabei verloren die Texter unter der Leitung von Lehrerin Regine Klopffleisch nicht den Überblick über die zahlreichen Handlungsstränge der Geschichte und sorgten dafür, dass das Publikum an den beiden Abenden eine dramaturgisch sehr gute Aufführung zu sehen bekam.

Auf dem Speicher finden drei junge Frauen aus Zufall Tagebücher, die von Dracula erzählen. Während die Damen aus den Büchern vorlesen, wird der Blick des Publikums geschickt auf andere Abschnitte der Bühne gelenkt, auf denen die soeben erzählte Geschichte passiert.
Diese Form des Erzählens und Kommentierens zieht sich durch das ganze Stück hindurch und hilft so dem Publikum, auch schwierige Zeitsprünge in der Geschichte leichter zu verstehen. Neben den überwiegend hervorragenden Darstellern verlangt diese Art der Aufführung besonders viel Konzentration bei den Technikern, die nahtlos Licht und Ton so lenken mussten, dass für den Zuschauer keine Lücken entstanden und die Lebendigkeit des Stückes nicht verloren ging, was so dann auch selten geschah.
Den gewollt gruseligen Faktor der Aufführung unterstrich die im Hintergrund eingesetzte Musik, die zwischen religiösen Chorgesängen und leisen Violintönen wechselte und besonders den Auftritten von Dracula eine besondere Note verlieh.

Foto: B. Woidtke


Fast ein dreiviertel Jahr hatten die Schüler geschrieben, geprobt und einstudiert, bis es zur Aufführung des von ihnen selbst gewählten Stückes kam. Und das konnte sich sehen lassen. Dass dies so war, lag insbesondere auch an der darstellerischen Leistung von Daniel Schauff als Dracula, der mit seiner schaurigen Stimme vergessen ließ, dass er höchstens 20 Jahre alt ist.
In der Rolle des verrückten Mister Renfield glänzte Miriam Rossello so sehr, dass man ihr abnahm, gerne mal eine Fliege oder junge Katze zu verspeisen. David Thielen in der Rolle des Fettnäpfchen suchenden Professors van Helsing war ebenso interessant anzusehen wie die quirlige, männerverwirrende Lucy alias Barbara Gellert. Aber auch die zahlreihen anderen Darsteller vermittelten den Besuchern einen gruselig-amüsanten Abend.

Kai Wimmer (Werbepost vom 13. 6. 2001)
Fotos von B. Woidtke




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