„Edelweißpiraten sind treu“

9.2.10 

 

Kalt weht der Wind durch die Venloer Straße, dem einstigen Arbeiterviertel Ehrenfelds. Der Regen zieht seinen verschwommenen Film über Stein und Gemäuer, taucht den ehemaligen Treffpunkt der Edelweißpiraten in eine graue, lustlose Welt. So erlebten wir – der Geschichte ZK 13, Leitung Herr Potes - den Anfang unserer Exkursion auf den Spuren des Kölner Widerstands im Nationalsozialismus.

 

Die Gruppenführung versprach interessant zu werden; bereits am Anfang des Rundgangs sahen wir uns in die Zeit versetzt, in der Hitler von fanatischen Massen umringt und bejubelt wurde. Ein Bild aus vergangenen Tagen zeigte uns den umjubelten Führer, wie er sich durch die Venloer Straße chauffieren lies.

 

Da, wo sich  früher die Edelweißpiraten trafen, steht heute nur noch eine Spielhölle. Nichts erinnert mehr an den einstigen Treffpunkt der trotzenden Jugend; ein Platz umringt mit Fressbuden, Handyshops und Second-Hand-Läden. Auf die wenigen wenigen Stolpersteine aufmerksam gemacht, die den Gedanken der Neuzeit Halt gebühren sollten, aber von vielen einfach respektlos übergangen werden, erinnern wir uns der deportierten Sinti, Roma und Juden Kölns.

 

Beispiele für die Stolpersteine; klick drauf, dann bekommst du mehr Infos!

 

Nur wenige Schritte weiter steht als Mahnmal der einstige Hochbunker Ehrenfelds, treibt eine Kluft zwischen die Wohnhäuser und die temporäre Amnesie der Vergangenheit. Unbeachtet  wehte ein zerrissenes Banner mit der Aufschrift „Ehrenfelder gegen Rassismus und Gewalt“ am kalten Stahlbeton des nun nutzlosen Bauwerks.

 

Schließlich zeigte man unserer Gruppe eine alte Kfz-Werkstatt. Zu unserer Überraschung war dieser unscheinbare Ort einer der zentralen Treffpunkte des Kölner Widerstands. Hier, wo sich jetzt Felgen, Auspuffrohre und Zierleisten stapeln, fand man damals Waffen, Sprengstoff und Munition.

 

Direkt daneben, versteckt im Schatten der S-Bahntrasse, erinnert eine bronzene Tafel an die Verbrechen der Nazis. Aufgeweicht von Schnee und Regen, liegen unterhalb der Gedenktafel Blumen und Bilder trauernder Hinterbliebener; erinnert an die Menschen, die nur Leid in dieser Zeit fanden und an jene, deren Schicksal am Galgen der Gestapo endete.

 

Unsere Exkursion sollte an einem bewegenden Ort enden. Nach der ca. 2-stündigen Führung durch Ehrenfeld führte unser Weg in die ehemalige Hauptzentrale der Gestapo des Rheinlands: Das EL-DE-Haus. Benannt nach Erbauer Leopold Dahmen, war dies einer der barbarischsten und erbarmungslosesten Orte Kölns während der Regentschaft Hitlers. Hier fanden etliche Feinde des NS-Regimes ihren Tod: von Widerstandskämpfern über Zwangsarbeiter bis zu Deserteuren, sei es durch Exekution, Folter oder Hunger - die Grausamkeit dieses Kellergefängnisses überschattete die Stimmung unserer Gruppe.

 

Für alle waren jedoch die Inschriften der Gefangenen, die teilweise sogar zu 33 fünf Quadratmeter teilen mussten, der ergreifendste und zugleich bedrückendste Rückgriff in die Vergangenheit. So lasen wir die Gedanken und Gefühle der Verzweiflung, des Trotzes und Widerstands, der Hoffnung und der Trauer um die bereits hingerichteten Gefangenen.

 

So stand in Zelle 1:

"Hier bei der Gestapo haben zwei Freunde gesessen aus dem Lager Messe seit dem 24.12.44, Askold Kurow und Gaidai Wladimir, jetzt ist schon der 3.2.45. 40 Leute wurden gehängt. Wir haben schon 43 Tage gesessen, das Verhör geht zu Ende, jetzt sind wir mit dem Galgen an der Reihe. Ich bitte diejenigen, die uns kennen, unseren Kameraden auszurichten, dass auch wir in diesen Folterkammern umgekommen sind".

 

Alsbald endete auch unser Rundgang. Unsere Gruppenleiterin beendete die Führung mit Geschichten der Glücklichen, die es vollbrachten aus der Folterkammer des EL-DE-Hauses zu entfliehen. Dies lockerte zwar ein wenig die Stimmung, dennoch verließen wir bedächtig die Mauern der ehemaligen Gestapozentrale.

 

Thomas Brukschen, Felix Creutz