Mit Kopf, Herz und Hand - eine Krone zum Erntedank
Oktober 09
Lernwerkstatt Religion: Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen gestalten Erntekronen zum Erntedankfest
Von unwilligen, unerzogenen, an Fernsehunterhaltung gewöhnte Bestien, wie der Hamburger Bildungskritiker Dietrich Schwanitz einst sarkastisch die deutschen Schülerinnen und Schüler charakterisierte, kann man hier wahrhaftig nicht sprechen.
Mit großer Begeisterung bereiteten die Klassen 5.7 und 5.8 des Gymnasiums Kerpen in der Lernwerkstatt des katholischen Religionsunterrichts mit ihrer Religionslehrerin Frau Schmitz und der eingeladenen Hobbybastlerin Frau Karin Käufer, die in Nörvenich/Wissersheim gemeinsam mit ihrem Mann einen landwirtschaftlichen Betrieb führt und im Gestalten mit Naturmaterialien sehr erfahren ist, das Erntedankfest vor, das am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird.
Frau Käufer bekommt ein Blumengesteck überreicht; links: Frau Schmitz; klick drauf, dann wird das Bild groß!
Jede Schülerin/jeder Schüler erhielt den Auftrag, eine Krone aus den verschiedenen Getreidearten Hafer, Gerste, Weizen und Roggen zu kreieren und mit Hagebutten und bunten Bändern zu schmücken, um sie dann vor dem Erntedankgottesdienst zum Altar zu bringen. Der Unterbau einer jeden Krone wurde bereits von Frau Käufer und Frau Schmitz sorgfältig vorbereitet, so dass die Schülerinnen und Schüler in dem vorgegebenen zeitlichen Rahmen ohne weiteres ihr Werk fertig stellen konnten.
Eine Krone gilt als Symbol für Bewusstsein und Erkenntnis, beides unterscheidet den Menschen vom Tier. Ist er doch nicht zuletzt selbst Krone der Schöpfung und erhält laut den Worten des Alten Testaments von Gott den Auftrag, die Schöpfung zu bewahren: „Hiermit übergebe ich euch... alles, was sich auf der Erde regt.“ (Gen. 1, 29ff)
Eine fertige Krone; klick drauf, dann wird sie groß!
Gleichzeitig soll dieser Kopfschmuck zum einen den unmittelbaren Kontakt mit dem Himmel andeuten, zum anderen ist er königliches Attribut, weil die Könige ihre Macht immer durch Gott legitimierten. Heute ist es auf vielen Bauernhöfen oder ländlichen Dorfgemeinschaften üblich, beim Erntedankfest aus Ähren große Erntekronen zu binden und auf dem Dorfplatz aufzustellen oder in der Kirche als Dank an den Herrn für die Früchte des Feldes (symbolisiert durch das Getreide), für die Gaben der Natur (symbolisiert durch die Hagebutte) und für das Schöne im Leben (symbolisiert durch die bunten Bänder) zum Altar zu bringen.
Obwohl es aufgrund des überaus großen Religionskurses bei der Arbeit sehr lebhaft zuging und das Scherzen und Lachen der Schülerinnen und Schüler oft für eine kräftige Geräuschkulisse sorgte, war Frau Käufer von der Freude und Begeisterung der Kinder sehr beeindruckt und fragte sich, wo sie denn seien, die Unmotivierten, Gelangweilten, immer Abgelenkten, von denen die Presse ununterbrochen schreibe. An diesem Tag waren sie jedenfalls in dieser Klasse nicht da.
„Für uns ist es wichtig, den traditionellen Schulalltag immer wieder durch Gesprächsrunden, Projektunterricht oder Ausflüge in die Arbeitswelt aufzumischen“, erklärte Schmitz, „so können wir zum einen bei unseren Schülerinnen und Schülern die Freude am Lernen erhalten, zum anderen den praktischen Bezug zu ihrer Lebenswelt herstellen und schließlich ihre Handlungskompetenz fördern. Nicht zuletzt ist dies ein wichtiger Prozess in der Entwicklung von Unterricht und Schule.“
Die Klassensprecher bedankten sich im Namen des Kurses mit einem Blumengesteck herzlich bei Frau Käufer, die mit viel Geduld und Gelassenheit immer wieder die einzelnen Handgriffe erklärt hatte und tröstete, wenn mal etwas nicht sofort klappte. Ein kräftiger Applaus geleitete den Gast nach Haus.
Ingola Schmitz