„Möge der, der auf den hohen Orten Frieden macht, Frieden schaffen für Israel und die gesamte Menschheit." So lautet der Schlussatz des jüdischen Kaddish-Gebets. So aktuell dieser Wunsch nach Frieden derzeit ist, so aktuell war er auch vor mehr als 50 Jahren, als sechs Millionen Juden in den Konzentrationslagern der Nazis elendig starben.
Jetzt erinnert eine Ausstellung im Kerpener Rathaus an die Gräueltaten der deutschen Barbaren im dritten Reich. Eine Ausstellung, die mehr will als nur zu zeigen, was geschah - eine Ausstellung, die gegen das neuerdings in Deutschland so häufig gewollte Vergessen arbeitet.
Diese Fotoausstellung ist zugleich die Eröffnung der ersten Kerpener Europatage, die das Gymnasium Kerpen gestaltet. Zur Vorbereitung der Ausstellung hat Religionslehrerin Agnes Steinmetz mit Klassen der Jahrgangsstufe 12 Themen wie „Im Konzentrationslager an Gott glauben?" behandelt. Aus diesem Unterricht ist eine zweite Ausstellung hervorgegangen, die jetzt zusammen mit der offiziellen Fotoausstellung gezeigt wird, welche vom „Verein zum Erhalt der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau" veranstaltet wird.
Dieser Verein unter Vorsitz von Kurt Drommler aus Hückelhoven bietet neben dieser noch zahlreiche andere Ausstellungen, Diaabende und Diskussionsveranstaltungen an. So finanziert der Verein den Erhalt der ehemaligen Konzentrationslager in Polen mit.
„Wir haben e uns zur Aufgabe gemacht, gegen das Verdrängen, Vergessen und Leugnen in unserem Land zu wirken. Und dies ist, das zeigen die Ereignisse der letzten Zeit, weiterhin eine demokratische Aufgabe und dringender denn je", so Drommler.
Genau dieses Thema sprachen sowohl der Direktor des Kerpener Gymnasiums, Bernhard Ripp, („Vergessen heißt Flucht vor der Wahrheit") und der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Peter Müller, in ihren Reden an.
Müller, der selbst schon mehrmals im Rahmen der Städtepartnerschaft Kerpen - Oswiecim die Lager besuchte, hielt eine sehr persönliche Rede, in der er die Gefühle beschrieb, die er während der Zugfahrt vom Bahnhof Horrem nach Auschwitz hatte. Auf jener Strecke, auf der einst Juden in den sicheren Tod transportiert wurden.

Müller verschaffte sich aber auch während seiner Rede Luft, „weil mir sonst der Hals zuschnürt", wie er selbst betonte. Gespräche, in denen er hört, weshalb man den „schon wieder solch eine Ausstellung macht", rufen bei ihm Unverständnis hervor. „Immer wieder sehe ich Hakenkreuze und faschistisch Schmierereien in dieser Stadt." Ebenso verschwieg er nicht, dass es in Kerpen tätliche Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Ausländern gibt.

Die Bilder der Ausstellung von den Krematorien, den Gaskammern und der gesamten Vernichtungsmaschinerie zeigen eindrucksvoll, dass das Konzentrationslager Auschwitz heute als Erinnerung für den Lebenswillen und gegen die Unterdrückung steht. Bernhard Ripp drückte es passend aus: „Moralische Gräuel verjähren nicht."
Kai Wimmer (Werbepost vom 24. Oktober 2001)
Fotos von B. Woidtke