Europas bunte Vielfalt …

Europatag am Gymnasium Kerpen - Europaschule

8./9.5.06 

 

Die Fotos:

Ruth Hieronymie, Europaabgeordnete

Lateinisches Theaterstück

Rhinocéros - Französisches Theaterstück

Sprachenolympiade

Nanoelektronik - Vortrag Prof. Buchal

 

 

Alljährlich feiert das Gymnasium Kerpen den Europatag am 9. Mai mit einem bunten Programm, das Geschichte und Politik, Kultur und Sprachen, Wissenschaft und Technik zum Inhalt hat.

 

Zum Auftakt durften die SchülerInnen der Jahrgangsstufe 11 der Europaabgeordneten Ruth Hieronymie lauschen, die anschaulich und lebendig von ihrer Arbeit im Europäischen Parlament berichtete. In ihrem Vortrag über „Kulturpolitik als Beitrag zur Friedenssicherung in einem Vereinten Europa“ machte die Abgeordnete deutlich, dass nach den Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges ein neuer Geist die Gründer des heutigen Europa beflügelt habe: Nie wieder sollten die Völker dieses Kontinents sich in kriegerische Auseinandersetzungen begeben, vielmehr sollten Zusammenarbeit, Frieden und Freiheit das Zusammenleben in Europa prägen.

 

Prof. Buchal erklärt interessierten Schülerinnen und Schülern die Nanoelektronik

 

Von diesen Vorbemerkungen her fiel es Frau Hieronymie nicht schwer, eine Brücke zu schlagen zu ihrer Arbeit im Kulturausschuss des Europäischen Parlaments. Die Programme zur Zusammenarbeit der Staaten der EU im Bildungswesen hätten das gegenseitige Kennenlernen, den Abbau von Vorurteilen und Feindbildern und schließlich die Kooperationsfähigkeit junger Menschen zum Ziel. Das Sprachenlernen sei dabei die wichtigste Voraussetzung. Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern betonte sie, dass trotz aller Einheitsbestrebungen in Europa der Respekt vor den Besonderheiten der Regionen erklärtes Ziel der EU-Politik sei. Dazu gehörten die vielen Muttersprachen als Grundlage der Identität der Menschen. Allein in Europa gebe es 77 verschiedene Sprachen, die es zu schützen gelte. Ihr Appell an die SchülerInnen: Lernt Sprachen, damit ihr fit werdet für Europa!

Diesen Appell beherzigten die Organisatoren der „Sprachenolympiade“. In Form von Stationenlernen konnten die SchülerInnen der Jahrgangsstufe 9 ihr Können in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch unter Beweis stellen.      

Mit Kultur pur ging es weiter im Programm. Der Untergang Trojas, in szenischer Form dargeboten von LateinschülerInnen der Jahrgangsstufe 11, ließ die Helden Paris und Co. lebendig werden. Dieser alte Mythos machte deutlich, dass Krieg nur Verlierer kennt.

Eine moderne Variante des Themas Aggression und Massenwahn präsentierte danach das Xenia-Theater aus Karlsruhe, eine deutsch-französische Gruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, Schülern französische Kultur und Sprache näher zu bringen. Mit Ionescos „Rhinocéros“ bekamen die SchülerInnen anspruchsvolles Theater geboten, das die Anpassung des Einzelnen an die Mehrheit, den Untergang der Humanität in einer uniformierten Massengesellschaft in seiner ganzen Absurdität auf die Bühne brachte.

 

Den Abschluss der Veranstaltungen bildete ein Vortrag von Prof. Dr. Christoph Buchal vom Forschungszentrum Jülich. Er führte spannend und anschaulich in die Welt der „Nanoelektronik“ ein, ein Forschungsgebiet, das wie kaum ein anderes die Welt revolutioniert habe. Milliarden von Informationseinheiten, gespeichert auf kleinstem Raum, „rasen“ sozusagen in atemberaubender Geschwindigkeit um den Erdball, verfügbar für jeden, der einen Internet-Anschluss besitzt. Die Erfindung des Speicher-Chips sei nur vergleichbar in ihrer Auswirkung mit der Erfindung der Dampfmaschine. Der renommierte Physiker, Experte auf dem Gebiet der Nano-Forschung, vermittelte seinen Zuhörern seine eigene Begeisterung und auch das nicht nachlassende Staunen über die „an Wunder grenzende Einmaligkeit der Chip-Erfindung“. Auch kritische Töne über die Weiterentwicklung des Chips waren zu hören. Die Frage, ob es sinnvoll sei, immer kleinere Einheiten immer „tragfähiger“ für immer mehr Daten zu machen, blieb unbeantwortet im Raum. Gewissheit aber konnten alle Zuhörer in einem Punkt mit nach Hause nehmen: Eine Welt ohne diese neue Technologie wird es nicht mehr geben, sie sei die Schlüsseltechnologie der Zukunft. Und wenn Europa seinen Standort als Wissenschafts-und Forschungskontinent auch in Zukunft wahren wolle, müsse es auf diesem Gebiet bedeutende Leistungen erbringen. Indirekt war der Appell an die anwesenden SchülerInnen enthalten, Anstrengungen zu unternehmen um diese Zukunft zu sichern.

 

Neben den offiziellen Programmpunkten gab es vielfältige Aktivitäten, teilweise vollkommen selbstständig von SchülerInnen in Gang gesetzt. Beispielhaft erwähnt seien hier eine „Europawand“, die die Institutionen der EU anschaulich darstellen wie ein Film, dessen Macher die Geschichte der EU in allen (!) Sprachen der Mitgliedsländer erzählt.

 

Zum Lohn für ihr Mühe werden einige SchülerInnen, die sich in besonderer Weise für Europa engagiert haben, im Juni als Gast von Frau Hieronymie einen Tag in Brüssel verbringen und dort ein wenig hinter die Kulissen des Europa-Parlaments schauen dürfen.

 

Annette Wilbers-Drerup