Eine Multimediashow

Europäische Union - Die Gründungsväter

15.11.10

 

Fotos

 

Für Jugendliche ist die Begeisterung, mit der Erwachsene die Europäische Einigung gelegentlich feiern, nicht immer nachzuvollziehen. EU, Brüssel, Kommission, Straßburg, Ministerrat - das hört sich für viele nach Bürokratie, Streit, Verordnungen, "Wie krumm darf eine Gurke sein?" an. Das ist aber nicht die ganze Wahrheit, nicht einmal ein Bruchteil.

 

Ingo Espenschied, Politologe, Absolvent der berühmten Pariser Sorbonne, zeigte etwas ganz Anderes. In einer faszinierenden Multimediashow berichtete er im Auftrag der Staatskanzlei Düsseldorf von den Anfängen des europäischen Gedankens nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg. 

 

Ingo Espenschied und die Zuschauer der Europa-Multimediashow; anklicken zum Vergrößern!

 

"Erbfeinde" - so titulierten sich Deutsche und Franzosen seit Jahrzehnten, spätestens seit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, an dessen Ende die siegreichen Deutschen in Paris einmarschierten - eine dumme Demütigung der Franzosen. Dass die Franzosen 1919 nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Versailler Vertrag mit gleicher Münze zurückzahlten, war nur zu verständlich.

 

Um so erstaunlicher war es, dass auf beiden Seiten des Rheins zwei Politiker die menschliche Größe und die politische Vision aufbrachten, basierend auf einer neu zu begründenden deutsch-französischen Freundschaft die europäische Einigung voranzutreiben: Robert Schuman und Konrad Adenauer. Der 1886 geborene Schuman und der 10 Jahre ältere Adenauer wuchsen gerade mal 200 Kilometer voneinander entfernt auf: Adenauer in Köln, Schuman in Lothringen. Schuman wurde französischer Außenminister, Konrad Adenauer, vor dem Krieg zunächst Kölner Oberbürgermeister, von den Nazis im Gefängnis in Brauweiler interniert, wurde 1949 dann erster deutscher Bundeskanzler.

 

Espenschied zeigte in bewegenden und teilweise auch bewegten Bildern, wie diese beiden, ausgehend vom "Schuman-Plan" des französischen Außenministers, die "Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl", auch Montanunion genannt, gründeten. Dass sie damit zum Teil ihrer Zeit weit voraus waren, zeigt die Tatsache, dass Robert Schumans Ideen in Frankreich zunächst nur geringe Resonanz fanden und er 1952 als Außenminister zurücktrat. Viele der Ideen Konrad Adenauers, Robert Schumans und ihres französischen Mitstreiters Jean Monnet wurden aber verwirklicht, so dass heute die Europäische Union (EU) unbestreitbar wirtschaftliche und politische Fortschritte gebracht hat, von denen die meisten Menschen 1945 kaum zu träumen wagten. 

 

Ein großer Dank geht an Ingo Espenschied, der nicht nur eine spannende Multimediashow zusammengestellt hat, sondern in einem 90minütigen freien Vortrag die Schüler der Sozialwissenschafts- und Geschichtskurse der Europaschule für das Thema Europa begeisterte.

 

Bernd Woidtke