259 Schüler von 8 Schulen aus 6 Ländern arbeiteten eine Woche lang zusammen. In einem Abschlusskonzert wurden die Ergebnisse einer begeisterten Öffentlichkeit präsentiert. Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitete das Festival.

Das Gymnasium der Stadt Kerpen, Europaschule, hatte seine europäischen Partnerschulen zu einem Musikfestival eingeladen - und alle waren gekommen. Eine Woche lang herrschte in den Fluren der Schule eine babylonische Sprachverwirrung. Fremdsprachliche Laute - sonst Gegenstand von Unterricht und Arbeitsgemeinschaften - rieselten unaufhörlich durch die Gänge und zwangen alle Beteiligten, Lehrer wie Schüler, sich immer wieder auf neue Sprachsituationen einzustellen. Da nun nicht jeder jede Sprache beherrschte, ging es entweder mit Englisch weiter oder die gute alte Methode „mit Händen und Füßen" feierte ein Comeback.
Die Teilnehmer des Festivals kamen aus Großbritannien (Nottingham und Batley), Frankreich (Briey), Schweden (Simrishamn), Polen (Oswiecim) und Russland (Wolgograd und St. Petersburg). Dabei hatte zweifelsohne die Gruppe aus Wolgograd die größte Mühe auf sich genommen: Ganze vier Tage dauerte die Anreise mit Eisenbahn und Linienbus; heimwärts ging es dann auf dem gleichen Weg.

Über Langeweile musste in dieser Woche in Kerpen keiner klagen: Intensive Probenarbeit war in den international gemischten Gruppen angesagt. Je näher der Tag des Abschlusskonzertes rückte, je mehr packte die jungen Akteure der Ehrgeiz: Buchstäblich bis zur letzten Minute wurde an den Beiträgen gefeilt. Als dann am Samstagabend das Konzert begann, zeigte sich schnell, welches Pensum hier absolviert worden war. Daran, dass auch noch Verständigungsschwierigkeiten zu bewältigen waren, dachte bei dem Konzert kaum noch einer. Dichtgedrängt saßen die Zuschauer in der Aula, und als Festival-Leiter Hans-Herrmann Strauss nach vier Stunden Programm zur Schlussmoderation kam, wollten viele nicht glauben, dass es schon bald Mitternacht war. Das Programm dokumentierte in bunter Folge die Ergebnisse der internationalen Workshop-Gruppen.

Das Streichorchester unter der Leitung von Monika Theil gab mit seinem munteren Spiel die Richtung des Abends vor: Musikalisch leichte, meist witzige Kost in lockerer Präsentation. Das Blockflötenensemble (Leitung: Agnes Steinmetz) setzte dies einfühlsam fort mit einem Strauß barocker Tanzsätze.
Impro(visation) & (Panto)mime setzten in den Abend äußerst witzige sprachliche Akzente in den Festivalsprachen. Danach übernahm die Musik wieder die Herrschaft: 60 Schülerinnen des Chor-Workshops ließen unter Leitung von Herbert Vietor Melodien aus „Sister Act" erklingen, die mit lang anhaltendem Beifall bedacht wurden.

Die afro-kubanische Tanz- und Rhythmusgruppe brachte Bewegung in den Saal. Der Schulchor der Schule Nr. 38 aus Wolgograd (Leitung: Tatjana Korabejnikowa) begeisterte die Zuhörer mit Melodien aus Russland; stimmgewaltig und präzise bewältigten sie ihr Programm.

Sabine Vogelfänger, die Pianistin der Bigband des Gymnasiums, interpretierte einfühlsam die Regentropfen-Prelude von Frederic Chopin. Ein Quartett musikerprobter Herren schließlich trieb den Zuschauern Lachtränen ins Gesicht. Die Bigband beschloss den Abend. Unter der Leitung von Johannes Schumacher spielte die international noch deutlich verstärkte Truppe in ihrem typischen Sound auf.

Um dieses Festivalprogramm herum gab es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Mit der "Zauberflöte" und "Rent" standen zwei Produktionen von Schülern des Gymnasiums auf dem Programm. Am Freitagabend schließlich war Showtime: "Euroglamor" bot allen Zuschauern einen kurzweiligen Abend der Extraklasse. Peter Freemans Ein-Mann-Show machte die Kontinentaleuropäer höchst amüsant mit den Grundzügen englischer Charaktere vertraut. Rama Hervida und Sven zeigten ihre vielfach international ausgezeichnete Rollschuhakrobatik. Schließlich begeisterten "Hinz und Kunz" den Saal mit ihrer in der Region schon bekannten musikalischen Comedy.

Am Samstag stand vormittags der offizielle Festakt auf dem Programm, der freilich keine gar so steife Veranstaltung war, wie der Titel vermuten lassen könnte.
Den musikalischen Reigen beschloss am Sonntag ein Chorkonzert des Schulchores des Gymnasiums in Verbindung mit dem Chor des Bergheimer Gymnasiums, dem Akademischen Orchester Bonn - die Leitung lag bei Herbert Vietor.
Der politisch-geschichtlich informative Teil des Rahmenprogramms stand unter dem Leitthema „Osteuropa". Dazu gab es am Montag eine Podiumsdiskussion, und zwar in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung. Professoren und Journalisten aus Paris, Prag, Berlin, Breslau und Bonn loteten Chancen und Schwierigkeiten der Osterweiterung der Europäischen Union aus.

Im Rathaus der Stadt Kerpen fand parallel zu den Europatagen eine Fotoausstellung über die Konzentrationslager von Auschwitz statt, gemeinsam veranstaltet von Gymnasium und Stadt Kerpen. Eine Teilnehmerin aus Wolgograd meinte nach dem Festival: „Die Tage in Kerpen waren sicherlich unterhaltsamer als die Anreise nach hier - aber anstrengend waren sie auch".

Aus der „Kerpener Sonntagspost" von 3. 11. 2001 (ae)
Alle Fotos von B. Woidtke