"Im Sportunterricht "Faust" angeregt

Engagierte Theater AG führte Goethes berühmten Klassiker auf

 

Foto: B. Woidtke

 

"Habe nun, ach ..." so mancher verspürt unweigerlich eine Gänsehaut, wenn er diesen Vers hört, mit dem Faust seinen berühmten Monolog zu Beginn des Dramas einleitet. Auch Werner Philippi schenkte ihm eine ganz besondere Betonung. Er spielte den alten Faust und führte gleichzeitig die Regie in der Aufführung in der Aula des Gymnasiums Kerpen.

Foto: B. Woidtke
 


Seit einem Jahr hat der literaturbegeisterte Sportlehrer nun zusammen mit 30 Schülern und drei weiteren Lehrern geprobt, um das wohl berühmteste Drama in deutscher Sprache auf die Bühne zu bringen. "Alles hat damit angefangen, dass ich meinen Schülern im Sportunterricht immer wieder aus dem Faust zitiert habe", berichtete er. " Damit habe ich wohl ihr Interesse an dem Werk geweckt, denn kurze Zeit später wurde mir von ihnen vorgeschlagen, das Stück einmal aufzuführen."

Die zweieinhalbstündige Inszenierung umfasste jedoch nicht den ganzen "Faust". Es wurde nur die Hälfte der Verse vorgetragen, um den Umfang des Stückes einzugrenzen. Den Klassiker vollständig aufzuführen, würde annähernd fünf Stunden in Anspruch nehmen.

Foto: B. Woidtke



Da die Schauspielerriege aus 6 Jungen und 14 Mädchen besteht, konnten die Rollen nicht ihren Geschlechtern gemäß verteilt werden. So wurden Mephistoteles, der junge Faust und Wagner, Fausts Assistent, jeweils von einem Mädchen dargestellt. Das führe dazu, dass die berühmte "Gretchen-Tragödie" zwischen dem verjüngten Faust und Gretchen von zwei Schülerinnen gespielt wurde, was natürlich recht ungewöhnlich sei, so Philippi.

Aber schon vor 100 Jahren wurde der junge Faust einmal sehr erfolgreich von einer jungen Frau gespielt, so dass aus der "Jungennot" schon fast eine Tugend gemacht werden konnte.
Der Stimmung in den bis auf den letzten Platz ausverkauften drei Vorstellungen tat dies jedoch keinen Abbruch. Die zahlreichen Zuschauer in der Aula des Gymnasiums honorierten die außerordentliche Leistung der Schülerinnen und Schüler mit tosendem Applaus.

Werbepost (as) vom 29. 01. 2003 - Photos von B. Woidtke



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