Forum junger Künstler
An Nam Pham und David Schmitz
28.6.09
Monika Theil, die Organisatorin der Veranstaltungsreihe, glaubte sich auf der sicheren Seite, als sie ca. 90 Stühle für die Zuschauer im kleinen Bühnensaal aufstellte. Normalerweise reicht diese Platzzahl aus. Schon eine halbe Stunde vor Konzertbeginn füllte sich der Saal aber bedenklich, am Ende mussten zusätzliche 60 Stühle herbeigeschafft werden, um den Zuschauerandrang zu bewältigen. Kein Wunder! Mit An Nam Pham und David Schmitz traten die beiden renommiertesten Künstler der Europaschule auf, ihr Ruf reicht weit über Kerpen hinaus.
Es begann irritierend: David Schmitz setzte sich ans Klavier, spielte die Anfangsharmonien des 'Czárdas' von Monti, blieb hängen, beschimpfte den Flügel, setzte neu an, dasselbe. David Schmitz, der Geiger? Jetzt als Pianist? Als An Nam Pham dann schließlich hereinkam und David rettete, war klar: Die beiden sind nicht nur große Künstler, sondern auch gute Komödianten! Das zeigten sie immer wieder bei ihren Moderationen, die auch den ernstesten Stücken eine humorvolle Seite gaben.
Die beiden Künstler nehmen den Applaus entgegen; klick auf das Bild, dann wird es groß
Das Programm des Konzerts war klug zusammengestellt: Für beide Musiker gab es Kabinettstücke, mit denen sie brillieren konnten. An Nam zeigte seine Virtuosität vor allem bei Rachmaninovs "Prélude Op. 23, Nr. 5" und in seiner Bearbeitung von Mozarts "Alla Turca", das er mit Jazz-Harmonien und Ragtime-Rhythmen aufmischte - großer Jubel! Die schwierige Violinsonate BWV 1003 "Fuga" meisterte David mit viel Ausdruck; bei Sarasates "Zigeunerweisen" zeigte er ein technisches Feuerwerk ohnegleichen. Die Vielseitigkeit der beiden zeigte sich auch daran, dass sie nicht nur klassische Stücke spielten, sondern auch moderne Filmmusiken, wie das "Main Theme" aus "Schndlers Liste" und "Forbidden Colours" aus "Merry Christmas, Mr. Lawrence".
Das gesamte Programm lässt sich hier nachlesen.
Das Konzert hatte auch einen traurigen Aspekt: An Nam Pham hat soeben sein Abitur bestanden und wird die Schule verlassen. Damit geht der herausragende Pianist der letzten Jahre, der seine Klasse bei unzähligen Konzerten unter Beweis stellte.
David Schmitz wird der Schule noch zwei Jahre erhalten bleiben. Es hätte auch ein Jahr mehr sein können, wenn er nicht eine Klasse übersprungen hätte. Ein Zuschauer merkte an, ob man diese Möglichkeit unter diesen Umständen nicht noch einmal grundsätzlich überdenken sollte...
Die Vita der beiden Künstler kann man hier ansehen.
Ein großes Konzert, sicher eines der besten in der Reihe "Forum junger Künstler"!
Bernd Woidtke