Geldnoten
Neue Ideen zur Schülermotivation

April 08

 

Der folgende Artikel wurde der Wochenzeitung DIE ZEIT entnommen. Ich stelle ihn hier zur Diskussion. Wer Lust hat, seine Meinung dazu zu schreiben, kann mir eine E-Mail schicken (bernd.woidtke<at>t-online.de). Ich werde den Diskussionsbeitrag dann hier veröffentlichen. B.W.


Welcher Schüler hat sich nicht schon mal die Frage gestellt, warum an Schulen die Lehrer die Einzigen sind, die Geld verdienen. Keinen zusätzlichen Cent ist es dagegen dem Staat wert, dass sich der Schüler morgens aus den Federn quält, im Unterricht versucht, nicht einzuschlafen, und seinen Lehrern durch brillante Geistesblitze tiefe Bestätigung verleiht. In New York ist das ganz anders: Dort wissen Schüler nun wieder, warum sie zur Schule gehen. Für gute Noten gibt es am East River Bares auf die Hand. Wer sich anstrengt, muss am Nachmittag nicht noch Babysitten oder bei McDonald's Burger verpacken. Der wird von nun an Hausaufgaben machen, mit der Nachhilfe büffeln - nur, um am nächsten Tag noch mehr Geld in der Schule zu verdienen. Bis zu 50 Dollar pro Schüler sind den New Yorker Bildungspolitikern besonders gute Noten wert. Eine halbe Million Dollar haben sie schon ausgegeben. Die Stadt hofft, damit die schlechten Leistungen bei Standardtests in den Griff zu bekommen, andererseits will sie Schüler aus sozial benachteiligten Vierteln anspornen.

 


Das Prinzip Geld gegen Leistung erprobten die Amerikaner bereits bei den Pisa-Tests. Während es in Deutschland für die teilnehmenden Jugendlichen Bleistifte gab, lagen in den USA die Dollar-Noten neben den Testbögen. Ausgezahlt hat sich das nicht. Die USA liegen, gemessen an den Pisa-Ergebnissen, weit hinter Deutschland. Was aber, wenn das New Yorker System aufgeht, weil es die Schüler nicht nur einmal belohnt, sondern zur verlässlichen Einkommensquelle wird. Wäre es dann nicht an der Zeit, das monetäre Leistungssystem komplett auf die Schule zu übertragen, Zeugnisse durch Lohnzettel zu ersetzen und damit den Wettbewerb so richtig anzuheizen? Und je mehr Geld in der Lohntüte der Schüler steckt, desto mehr bekommen natürlich die Lehrer - als Ansporn, versteht sich.

 

Jeannette Otto

 

Quelle: DIE ZEIT, Nr. 14, 27.3.08