Gottesdienste in der Schule? Eine Zumutung oder eher ein Angebot zur Orientierung? Damit ist das Thema als Problem umschrieben. Es ist nicht überall selbstverständlich, dass eine Schulgemeinschaft Liturgie feiert und damit für eine kurze Zeit zur Schulgemeinde wird. Dazu sollen einige Grundsätze, die zugleich Ziele sind, dargelegt werden.
1. Gottesdienstbesuch ist freiwillig
Dies bedeutet: sich Zeit nehmen - im schulischen Umfeld also eine Herausforderung für SchülerInnen und LehrerInnen, aber auch eine Möglichkeit der Selbststimmung und Selbstverantwortung.

2. Im Gottesdienst kommt unser Leben zur Sprache. Gottesdienst heißt aber auch: Gewohntes hinter sich lassen, sich auf Neues einlassen, einen neuen Weg wagen
Den Alltag für eine Zeit lang verlassen, aber nicht vergessen; einen geheiligten Ort aufsuchen, an die Orte des Alltags aber wieder mit neuem Mut zurückkehren; nicht die Welt negieren, sondern sich selbst, die eigenen Nöte und Sorgen ernst nehmen und offen sein, sich beschenken lassen von der Heilszusage Gottes in der Gemeinschaft mit den anderen.
3. Gottesdienst ist Ausdruck unseres gemeinsamen Suchens, Fragens und Glaubens
Grund, Weg und Ziel des Lebens sind nicht immer sinnvoll, oftmals fehlt im menschlichen Leben die Ausrichtung. Eine Solidarität im Glauben bedeutet, auch die Fragen und Zweifel zuzulassen: Wo ist denn nun Gott? Welchen Sinn hat mein Leben? Wohin soll ich mich wenden, wenn ich keinen Sinn mehr sehen?
4. Gottesdienst am Gymnasium in Kerpen ist gelebte Ökumene
Die geteilten Kirchen und christlichen Gemeinschaften warten seit mehreren Jahrhunderten auf eine Einheit - in Gebet, Meditation, Hören auf das Wort Gottes in den biblischen Lesungen bewegen wir uns auf diese Einheit zu. Wir nehmen wahr, dass es eine Einheit in der Vielfalt geben kann.
5. Gottesdienst ist Feier des Gebens und Nehmens
Dabei kommt die doppelte Bedeutung des Begriffs in den Blick: Gottes Dienst an den Menschen und die Glaubens- und Antwortversuche der Menschen sind gleichzeitig Inhalt des Gottesdienstes. Wir feiern Gottesdienst in der Überzeugung, dass Gott die Menschen nicht sich selbst überläßt - und halten uns dabei fest an der biblischen Glaubenstradition. Dies vereint uns mit dem Volk Israel, das durch seine (leidvolle) Geschichte hindurch an dem Glauben an Gott festgehalten hat.
6. Gottesdienst ist geschenkte Zeit
In dieser Zeit muss keiner etwas leisten oder Ansprüche und Erwartungen gerecht werden, sondern kann auftanken, Freude, Mut und Zukunftshoffnung mit anderen teilen.
Zu unserem Schulprogramm gehört damit entscheidend die religiöse und spirituelle Dimension des Lebens. Die regelmäßig stattfindenden Gottesdienste sollen dazu beitragen, zu besonderen Anlässen wie der Einschulung der neuen 5er - Klassen und der Abiturfeier die Möglichkeit zum Innehalten zu geben. An Festtagen wie Aschermittwoch und Buß- und Bettag wird die ökumenische Absicht besonders deutlich: Es ist eben nicht nur der Festtag der einen Konfession, sondern wir feiern gemeinsam Gottesdienst. Die Erfahrung, aus dem Alltag herauszutreten, machen wir besonders in den beiden Kirchenräumen St. Quirinus/Mödrath und St. Martinus-Stiftskirche/Kerpen. Die unterschiedliche Architektur zeigt die Vielfalt an gemeinschaftlicher Versammlung: In der hellen, modernen Kirche in Mödrath sehen wir die Gemeinschaft symbolisiert in der halbrunden Aufstellung der Bänke, in der alten, dunkleren Stiftskirche kann durch die Ausrichtung der Bänke nach vorn eine Konzentrierung auf den Altar deutlich werden. Die Gottesdienste haben deshalb je nach Jahreszeit in den beiden Kirchen eine eigene Stimmung:
Vor Beginn der Sommerferien feiern wir in Mödrath die Freude über die Schöpfung, die Natur, während im Winter die dunkle Stiftskirche zu einem adventlichen Gottesdienst mit Kerzen einlädt. Die Gottesdienste werden immer mit den SchülerInnen vorbereitet, ob im Religionsunterricht oder in einer Arbeitsgemeinschaft der Oberstufe, die auch weiterhin wie in den letzten Jahren die kontinuierliche Vorbereitung übernehmen soll. Dabei kommen ihre Anliegen (z.B. Orientierung im schwierigen Alltag, Erfahrung von Angenommensein, Solidarität miteinander und mit Kindern weltweit) zur Sprache.
Agnes Steinmetz
Adventsgottesdienst 2004 -
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Gymnasium der Stadt Kerpen
Philipp-Schneider-Straße 50171 Kerpen
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