COMENIUS unterwegs, Mittwoch, 24.02.2010
24.2.10
Antworten auf die Frage, wie Integration aktiv gestaltet werden kann, erhielten wir heute. Einwanderer aus Afrika, die seit einigen Jahren in Spanien leben, besuchten unsere Partnerschule in Gran Canaria. So bot sich den deutschen Schüler/innen die einmalige Gelegenheit, Fragen an die Einwanderer zu richten. Dies sind die Fragen, die wir im Vorfeld ausgearbeitet hatten:
Aus welchem Land kommst Du?
Auf welchem Weg bist Du nach Spanien gekommen?
Hattest Du Hilfe bei der Auswanderung?
Hast Du Familie in Deinem Herkunftsland?
Welche Vorstellungen hattest Du vorher von Europa und wie ist die Realität?
Warum bist Du aus Deinem Herkunftsland ausgewandert? Was hat Dich an Gran Canaria angezogen?
Welche Motive hattest Du für das Auswandern?
Ist das Leben in Spanien besser als in Deinem Herkunftsland?
Fühlst Du Dich so integriert und akzeptiert wie die Spanier?
Fandest Du es schwierig, die Sprache zu lernen?
Gibt es viel Rassismus in Spanien?
Ist Spanien Dein Ziel oder willst Du noch weiter reisen?
Hilft Dir die spanische Regierung dabei, Dein neues Leben zu organisieren? Wenn ja: Wie hilft sie Dir?
Hast Du Dir Deine Träume erfüllt?
Was sind die größten Schwierigkeiten, mit denen Einwanderer zu kämpfen haben?
Würdest Du noch einmal auf die Weise auswandern?
Die Fotos zeigen unsere Schüler/innen im Gespräch mit den Auswanderern; anklicken zum Vergrößern!
Die Antworten, die wir in diesem Interview erhielten, sprengten unsere Vorstellungskraft. So wurde u.a. berichtet, dass Einwanderer teilweise ihr Leben riskieren, um von Afrika aus auf dem Seeweg nach Europa zu gelangen. Einfache und unsichere Holzboote mit etwa dreißig Flüchtlingen an Bord sind keine Seltenheit.
Andere Auswanderer berichteten, dass sie teilweise ohne die Erlaubnis der Eltern und ohne sich Gedanken über ausreichend Proviant für die Reise zu machen, ein Boot bestiegen haben, welches zudem nicht selten von den völlig unerfahrenen Flüchtlingen selbst gesteuert werden musste. Wohin die Reise gehen sollte, wusste damals niemand. Für viele der Auswanderer grenzt es an ein Wunder, dass sie bei Erreichen der Kanaren überhaupt wieder Festland erreichen konnten. So unvorstellbar groß waren die Not und die Entschlossenheit, sich in eine Flucht zu begeben, die möglicherweise mit dem Tod bestraft werden könnte.
Als Motive für das Auswandern nannten die Immigranten: Arbeitslosigkeit, Armut, Perspektivlosigkeit, Verzweiflung. Für viele der Ankömmlinge stellt Gran Canaria nun eine neue Lebensgrundlage dar, da das soziale Umfeld die Auswanderer stärkt und ihnen das vage Gefühl einer neuen Heimat gibt. Gleichzeitig haben die meisten der Auswanderer allerdings kaum Kontakt mehr zu ihren Familien: Denn oft verfügen die minderjährigen Flüchtlinge noch nicht über Ausweisdokumente, die für eine zeitweilige Rückkehr nach Afrika wichtig wären. Das Risiko, bei Verlassen Gran Canarias nie wieder zurückkehren zu können, ist für viele zu groß, also beschränkt sich der Kontakt nach Hause in vielen Fällen auf Telefonate in Abständen von 10 Tagen.
Oliver Bathke