Glückwünsche zum 40. Geburtstag der Schule
von einer ehemaligen Schülerin und jetzigen Mutter eines Schülers
September 08
Herzlichen Glückwunsch zum 40. Geburtstags der Schule! Nach wie vor fühle ich mich, sowohl als Mutter eines jetzigen Schülers als auch als Ehemalige (Abi 1980), dieser Schule zugehörig und verbunden, mit und auf der ich so einiges erlebt habe. Deshalb möchte ich dies gerne zum Anlass nehmen, um einige meiner Erinnerungen zu teilen bzw. „Danke“ zu sagen.
Als meine Familie 1973 von Weilerswist nach Kerpen umzog, befand sich das damalige THG (Tagesheimgymnasium) noch in Türnich und ich musste täglich den Schulbus nehmen. Zu meinen schlimmen Erinnerungen gehört definitiv der Schulbusunfall Mitte der 70er Jahre, als ein belgischer Soldat von Frechen kommend am Steuer einschlief, die rote Ampel übersah und mit seinem Panzer auf unseren Bus knallte. Gottlob prallte er direkt auf die Achse, so dass der Bus sich nur drehte und sich überschlug, aber nicht auseinender brach und es somit nur 2 Verletzte zu beklagen gab. Zu den Erlebnissen der besonderen Art gehört auch mein „Dreitägiges Schulverbot“ wegen Rauchens unter 16 auf der Toilette. Wie alle Pubertierenden wollte ich dazu gehören und so ließ ich mich überreden, einmal an einer Zigarette zu ziehen und wurde natürlich gleich erwischt. Allerdings hatte dieses Ereignis (sich wie ein „Vorbestrafter“ zu fühlen und meinen Eltern erklären zu müssen, warum ich das getan hatte) eine heilsame Wirkung. Ich habe seitdem keine Zigarette mehr angepackt...

Aber jetzt zu den guten Erinnerungen, und davon gibt es viele: Als ich von einer reinen Mädchen-Nonnenschule in Euskirchen, wo es keinerlei Wahlfächer gegeben hatte, neu in die 7. Klasse des Gymnasiums Kerpen kam, stellte ich mit Freuden fest, dass es hier gemischten Ganztagsunterricht gab und ich auch als Mädchen „Werken & Basteln“ anstatt den mir verhassten Hauswirtschaftsunterricht wählen konnte. Da Deutsch und Sprachen mir sehr lagen, kam es mir gelegen, dass man hier am Gymnasium mehrere Fremdsprachen erlernen konnte, was ich auch tat. Ich wählte zuerst Englisch, dann Französisch und später auch noch Spanisch. Englisch und Spanisch hatte ich dann auch als 1. und 2. Abifach. Ich spielte in der Fußball- und später auch in der Volleyball- und Tennisschulmannschaft, nahm an der Theater-AG teil (unter anderem, um eine sich im Winde wehende Baumkrone darzustellen) und sang im Schulchor in der katholischen Kirche englische Lieder/Gospels, was damals ganz revolutionär war. 1976 hatte ich die Gelegenheit, am England-Austausch mit Nottingham teilzunehmen (bei der Familie von Allison konnte ich erstmals die englische Kultur kennenlernen, wo zu meinem großen Erstaunen die Schüler/Innen Uniformen tragen mussten). Nach der Schule besuchte ich England noch einige Male zu Sprachferien und später auch als Reiseleiterin. Ich war so begeistert von fremdem Ländern, dass ich per Interrail-Tour durch ganz Europa reiste und später auch 6 Jahre lang in den USA lebte und arbeitete. Ich erinnere mich noch an meine erste Klassenlehrerin Frau Bogun, bei der wir Englisch und Geschichte hatten, an Frau Dr. Schmidt 1, die damalige Stellvertreterin von Schulleiter Dr. Brunkhorst, von uns liebevoll „Giftzwerg“ genannt, weil sie eine so kleine Person war und sich so maßlos aufregen konnte, an Herrn Brück, der einem immer mit Rat und Tat zur Seite stand, an Frau Dr. Schmidt 2, die uns die Unterschiede zwischen Original-Spanisch und südamerikanischem Spanisch beibrachte (inzwischen älter und weiser geworden, weiß ich auch das ständige Vokabellernen bis zum Umfallen zu schätzen), an Frau Vincent (jetzige Frau Wunsch), die mich mit viel Geduld in Französisch einführte, an Herrn Genandt, den viele fürchteten, mit dem ich aber wunderbar klar kam, an Herrn Stöter, bei dem Erziehungswissenschaften so viel Spaß machte, dass ich es als viertes Abifach wählte und an Herrn Jentsch, der den Hühnerhof einführte. Am meisten geprägt hat mich jedoch Herr Klein, der mich zum Grammatikspezialisten in Deutsch formte, was dazu führte, dass ich mich immer wieder aufrege, wenn man unsere deutsche Sprache verschandelt: Nach wie vor geht mir der Hut hoch, wenn man statt des Genetivs nur den Dativ benutzt („Das ist dem Mann sein Koffer.“), jedwede Vergangenheit nur im Perfekt gebraucht (ich „schwamm“ oder ich „spazierte“ klingt ja zu hochgestochen), das Wort „als“ einfach durch „wie“ ersetzt („Der ist größer wie ich“) und jetzt neuerdings anstatt „weil“ einfach „denn“ sagt, ohne das Hauptverb dann ans Ende des Satzes zu verschieben (frei nach dem Motto: „..weil ich habe ja gesagt ...“). Und das bekommen wir sogar im Fernsehen so vorgesprochen ... Das finde ich übrigens noch viel schlimmer, als z.B. den regelmäßigen Gebrauch der Worte „upgedatet“, gemailt“ oder „Meeting“, die inzwischen zu unserem normalen „denglischen“ Wortschatz gehören. Noch heute schwärmt mein Bruder (Abi 1983) in höchsten Tönen von Herrn Nagels Biologieunterricht und wie es der Zufall will, hat auch mein Sohn Herrn Nagel als Biologielehrer und ist – obwohl er kein Einserschüler ist, wie mein Bruder es war – doch gleichermaßen begeistert. Und dann war da noch die Englischlehrerin Frau Joachim (jetzige Frau von Freeden), die inzwischen stellvertretende Schulleiterin ist und ihren Kollegen Herrn Woidtke geheiratet hat (!).
Damals war diese Schule schon fortschrittlich, doch natürlich nichts im Vergleich zu heute: Mann kann sich zwischen verschiedenen Zweigen (ganztags, halbtags und sogar bilingualem Unterricht) entscheiden und noch nebenbei eine Ausbildung zum/zur Fremdsprachenkorrespondent/In machen. Es gibt eine Cafeteria für die Großen, Teestube und Billardraum für die Mittleren und einen Freizeitkeller/Saftbar für die Kleinen. Zahllose AGs werden in den Bereichen Sport, Kunst, Theater und Musik angeboten sowie Turniere, schulische und kulturelle Wettbewerbe und kulturelle Veranstaltungen von und mit Lehrern und Schülern organisiert. Man kann bis zu 7 Fremdsprachen durch normalen Unterricht oder AGs erlernen. Das Gymnasium hat 17 Partner-/Austauschschulen in 10 verschiedenen Ländern, von USA über Nicaragua bis hin zu Russland und China und kann sich mit Fug und Recht „Europaschule“ nennen (eigentlich ist es sogar schon eine „Weltschule“, falls es so etwas überhaupt gibt). Das Gymnasium ist inzwischen ein Vorbild für Ganztagsschulen mit Blockunterricht und seine musikalischen und kulturellen Darbietungen sind weit über Kerpen hinaus bekannt und beliebt. Es gibt nicht viele Schüler, die, wie mein Sohn z.B., von sich sagen können, in seiner Schule in der Musical-AG gesungen, in der Big Band gespielt und einen Film gedreht zu haben. Ein mir bekanntes kinderloses Ehepaar, das bis jetzt nicht nur gute Erfahrungen mit Jugendlichen gemacht hatte, sagte nach einer Musicalvorführung wörtlich zu mir: „Bis jetzt habe ich gedacht, alle Jugendlichen haben nur Mist im Kopf. Schön zu sehen, dass es auch anders geht.“
Kurzum: Ich bin sehr stolz auf „meine“ Schule. Ich habe damals viel gelernt, nebenbei Spaß gehabt und mich wohlgefühlt. So sollte Schule sein. Ja, ich habe auch den ein oder anderen Lehrer nicht gemocht oder als ungerecht empfunden, aber im Großen und Ganzen waren die meisten Lehrer doch super und ich bin immer gerne zur Schule gegangen, weshalb ich an meinem Abschlusstag auch bittere Tränen vergoss – und ich bin mir ziemlich sicher, dass es meinem Sohn im kommenden Jahr ähnlich gehen wird.
Ganz liebe Grüße
Ihre
Michaela Healey
(geborene Unger)