Ruth Hieronymi in Kerpen
Ex-Europa-Abgeoerdnete hält Vortrag
10.5.11
Ruth Hieronymi ist eine alte Bekannte in Kerpen. Sie hat schon häufiger die Schule besucht, verschiedene Schüler- und Lehrer-Delegationen haben mit ihr in Brüssel gesprochen, sie hat mit Schülern der Europaschule an einem Film zur Europawahl 2009 mitgewirkt. 10 Jahre lang war sie Abgeordnete im Europa-Parlament, von 1999 bis 2009. Jetzt ist sie Vorsitzende des WDR-Rundfunkrates.
In ihrem Eingangsvortrag von 11er und 12er Geschichts- und Sozialwissenschaftskursen betonte sie die große Bedeutung Europas: Die Reisefreiheit, die freie Arbeitsplatzwahl, die europäische Bildungspolitik und vieles mehr - das sind großartige Errungenschaften, für deren Beibehaltung sich junge Leute stark machen sollten. Natürlich gibt es Probleme, die aktuelle Finanzkrise in Griechenland und anderen Ländern, das Flüchtlingsproblem, sichtbar auf der Mittelmeerinsel Lampedusa, die problematische europäische Haltung gegenüber den Aufstandsbewegungen in Nordafrika - das spricht aber keinesfalls gegen die Europäische Union, sondern dafür, sie zu verbessern.
Sie rief den Schülerinnen und Schülern zu: "Nutzt die Chancen, die Europa bietet, sie sind einmalig in der Welt!" Sie lobte die Europaschule Kerpen dafür, die mit Abstand aktivste Schule der Region in Hinblick auf europäische Aktivitäten zu sein.
Sascha Macherey, der SV-Sprecher, fragte nach den problematischen Entscheidungsstrukturen in der EU, wodurch konkrete Handlungen oft viel zu spät kämen. Frau Hieronymi verwies darauf, dass durch den Lissaboner Vertrag das Prinzip der Mehrheitsentscheidung bei vielen Themen eingeführt worden ist, was uns einen großen Schritt weiter gebracht habe, ohne dass wir schon am Ziel seien. Dorian Wetter stellte in Frage, ob Europa ökonomisch mit den großen und auch den kommenden Mächten mithalten könne. Hieronymi: Wir haben durchaus das Potential, wir müssen es nutzen! "Wie groß soll Europa noch werden, sind wir nicht am Rande der Kapazitäten?" fragte Desiree Hensen. Natürlich, meinte Frau Hieronymi, schon die aktuell 27 Mitglieder sind sehr heterogen, fordern viel von der EU; nun muss man sehr genau überlegen, wie man den Erweiterungsprozess weiter organisieren kann. Hendrik Clausen schloss die Frage nach dem möglichen Türkei-Beitritt an. Hieronymi: Jedes Bewerberland muss die 37 Kapitel des Europäischen Rechts in die eigene Gesetzgebung übernehmen. Bei der Türkei hakt es momentan unter anderem am garantierten Zugang zu allen See- und Flughäfen, Stichtwort: Zypernfrage! Außerdem natürlich auch der Menschenrechtsproblematik. Da muss die Türkei liefern, sonst gibt es keine weiteren Beitrittsverhandlungen. Robert Vossebürger erwähnte die Flüchtlingsproblematik. Hier sieht Frau Hieronymi die nationalen Egoismen als Problem: ""Wir müssen die Menschen in Nordafrika besser unterstützen, sonst bekommen wir noch ganz andere Flüchtlingsprobleme!" Hierauf wies auch Veyel Ünal hin.
Eine spannende Stunde, die zeigte, mit welchem Engagement Ruth Hieronymi für die europäische Sache kämpft, auch wenn sie nicht mehr dem europäischen Parlament angehört - Europäer/in ist man lebenslang!
Ein Dank geht an den Europabeauftragten der Europaschule Kerpen, Oliver Bathke, der die Veranstaltung organisiert hatte.
Bernd Woidtke