Erzbischof Jorge Enrique Jiménez in Kerpen
3.12.04
"Ich freue mich, so viele junge Menschen zu sehen", sagte Erzbischof Jiménez zu Beginn seines Vortrags in der gut gefüllten Aula des Kerpener Gymnasiums. In Kolumbien gibt es viel mehr junge als alte Leute, in Deutschland dagegen ist es umgekehrt; so hatte der Erzbischof wohl nicht damit gerechnet, auch junge Menschen hier zu treffen. Und er traf auf ungefähr 400 Schülerinnen und Schüler, die 90 Minuten lang aufmerksam seinem Vortrag zuhörten.

Erzbischof Jorge Enrique Jiménez Carvajal
Zunächst betonte er seine tiefe Gläubigkeit - für deutsche Ohren vielleicht etwas überraschend, denn bei einem Bischof wäre alles andere verwunderlich. Dann berichtete er anschaulich über die Situation Kolumbiens. Eigentlich sei Kolumbien ein privilegiertes Land, mit Küsten sowohl am Pazifik wie am Atlantik, dadurch mit sehr guten Schiffsverkehrswegen ausgestattet. Auch heißt es, dass die Kolumbianer ein sehr arbeitsfreudiges Volk seien.
Dennoch ist Kolumbien extrem arm. Viele Millionen Menschen müssen mit einem Monatseinkommen von weniger als 2 $ auskommen, die Ausbildung ist miserabel, die Zukunftschancen schlecht. Hinzu kommt die extreme Gewaltbedrohung in Kolumbien. Widerstandsbewegungen kämpfen gegen die Regierung, nehmen Geiseln, morden; Drogenbanden bekämpfen sich gegenseitig - etwa 25.000 Menschen müssen auf diese Weise pro Jahr ihr Leben lassen.
Jiménez selbst war 2002 Opfer einer Entführung: Die Guerrillagruppe FARC ("Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens", die größte Guerrilla-Organisation des Landes) hielt ihn fünf Tage lang gefangen. Da er zu der Zeit Vorsitzender des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM war, war er wohl auch für die Guerrillas interessant geworden. Die kolumbianische Armee kreiste die Gruppe ein, und glücklicherweise kam Erzbischof Jiménez frei, ohne dass Blut vergossen wurde.
Auf die Frage von Holger Moewes, was denn die Regierung gegen Drogenhandel und Gewalt unternehme, zeigte sich der Erzbischof einverstanden mit der Haltung des kolumbianischen Präsidenten Uribe, der eine harte Haltung gegenüber der Guerrilla einnimmt. Die Organisation Human Rights Watch sieht die Menschenrechtspolitik dieser Regierung allerdings eher kritisch.
Auf die Frage des Religionslehrers Herbert Brück: "Karls Marx sagte, 'Religion sei Opium des Volkes'; was unternimmt die Kirche gegen die Missstände in Kolumbien?" antwortete Jiménez: "Karl Marx hätte lieber an Gott glauben sollen, dann hätte er andere Ideen formuliert als die des Kommunismus, durch den schon so viele Menschen zu Schaden gekommen sind. Die Kirche versucht zu vermitteln, zu sprechen, die Menschen miteinander zu verbinden, den Armen zu helfen."
Gerhard M. Bauer, Mittelamerika-Referent von Adveniat, übersetzte die Worte von Erzbischof Jiménez präzise und kenntnisreich, Markus Perger vom Referat Mission, Entwicklung, Frieden des Erzbistums Köln moderierte das Gespräch zwischen dem Erzbischof und den SchülerInnen.
Einen großen Dank an Christoph Rader, der diese interessante Veranstaltung möglich machte!
Bernd Woidtke
Fotos der Veranstaltung - hier.