Zank und Streit an der Hochzeitstafel

Das Ensemble

Der Bräutigam ist eifersüchtig, die Braut tödlich beleidigt, und alle Gäste verlassen um halb zehn stinksauer das Fest. Wie es ausgehen kann, wenn "der schönste Tag des Lebens" völlig außer Kontrolle gerät, zeigte die Theater-AG des Gymnasiums der Stadt Kerpen am Samstagabend in Bertolt Brechts "Kleinbürgerhochzeit".

Statt Freude und Harmonie prägen Mißverständnisse und Dissonanzen die Feierlichkeiten an der heimischen Tafel des Brautpaares. Der beste Freund des Bräutigams (Yunus Cetinkaya) baggert plötzlich die Braut (Susanne Bach) an, eine Tante (Uta Schmitz-Cliever) zerstört mehr oder weniger absichtlich das vom Bräutigam (Thomas Hatzmann) selbstgebaute Mobiliar, ihr Mann (sehr schön: Misha Vithayathil) gerät darüber völlig in Rage, die Schwester der Braut (Isabel Franck) vergnügt sich mit einem Gast (David Jähner) im Schlafzimmer, der Brautvater (Lehrer Klaus Klein) erzählt in einer Tour schmutzige Witze und, und, und...Erst als das völlige Chaos verpufft ist und alle Gäste entschwunden sind, entdeckt das wütende Brautpaar seine Liebe neu und alles wird schließlich doch noch gut.

Hervorragend besetzt hatte das Stück Regisseur und Deutschlehrer Peter Dreisbach. Besonders aber die ausgezeichneten Nebendarsteller hauchten ihren Rollen an diesem Abend glaubhaft Leben ein. Uta Schmitz-Cliever bewies allerhand komisches Talent, wie sie so über die Bühne wuselte und sich dabei ungeschickt von einem Faux-Pas zum nächsten manövrierte. Auch Yunus Cetinkaya überzeugte als unwiderstehlicher Charmeur, der es fast noch schaffte, die naive Braut auf Abwege zu locken. Die in den Hauptrollen spielenden Thomas Hatzmann und Susanne Bach machten ihre Sache ebenfalls hervorragend - von "Gast-Star" und Lehrer Klaus Klein als lustvoll grantelnder Brautvater ganz zu schweigen.

Im August hatten die Mitglieder der Theater-AG mit den Proben für die Aufführung begonnen. Besonders hart für die Teenager: Es wurde auch Sonntagsmorgens geprobt. Doch damit kamen die jungen Schauspieler nach Aussage von Peter Dreisbach ganz gut zurecht. Der Deutschlehrer hatte sich wohlweislich nur alte Hasen, sprich Schüler mit Schauspiel-Erfahrung, ins Ensemble geholt.

Aus der "Kölnischen Rundschau" vom 22.02.2000 - von Kerstin Sieger




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