In den Bann gezogen
Der Märchenerzähler Eberhard Vogelwaid zu Gast an der Europaschule
6.7.10
Das waren einmal 60 Minuten der ganz besonderen Art, die am 6. Juli den Kindern der Klassen 5.1, 5.2, 5.7 und 5.9 zuteil wurden: Statt Rechenaufgaben zu lösen, unregelmäßige Verben zu pauken oder Diktate zu schreiben erfuhren die Schülerinnen und Schüler etwa, wie der Teufel gestorben ist und was es mit dem abgetrennten Kopf eines getöteten Indianers aus dem kolumbianischen Regenwald auf sich hat. „Schuld“ daran war Eberhard Vogelwaid, ein professioneller Märchenerzähler, den die vier Deutschlehrerinnen und -lehrer der Klassen zum Abschluss der Märchen-Unterrichtsreihe eingeladen hatten.

Von Beginn an zog Vogelwaid, der zum ersten Mal zu Gast an der Europaschule Kerpen war, die Mädchen und Jungen der 5. Klassen in seinen Bann. Das gelang ihm ganz ohne große Effekte – nur eine Kerze brannte auf seinem Tisch –, sondern einzig und allein durch seine Mimik, seinen charmanten schwäbischen Dialekt und natürlich mit seinen Geschichten. Die liest Vogelwaid keineswegs vor: Der Märchenerzähler lebt seine Geschichten, erzählt völlig frei – und leuchtet mit ihnen eine ganze Welt aus.
Bereits seit nunmehr 20 Jahren tourt der gelernte Bäcker durch das ganze Land und besucht vor allem Schulen und Kindergärten, um jungen Menschen ein Erlebnis zu verschaffen, das in der heutigen Zeit recht selten geworden ist: Geschichten erzählt zu bekommen, einfach zuzuhören, sich auf eine Reise in die Phantasie einlassen. Im Kopf hat Vogelwaid mehr als 60 unbekannte Märchen und Geschichten aus aller Welt, die er, ohne lang nachzudenken, abrufen und kindgerecht erzählen kann. Damit wolle er auch Freude an den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der Sprache und des Sprechens vermitteln, so Vogelwaid.
Die meisten der insgesamt mehr als 100 Kinder waren angetan von der märchenhaften Schulstunde. Besonders gefiel ihnen dabei ein Märchen, das Vogelwaid im schwäbischen Dialekt vortrug – aber so, dass es auch Rheinländer noch gut verstehen konnten. „Das hat sich richtig witzig angehört“, waren sich die Kinder nach Schluss der Märchenstunde einig.
für alle beteiligten DeutschlehrerInnen:
Holger Müller-Hillebrand