Der Mond der Prinzessin Lenore

11.6.07

 

Die Fotos

 

Prinzessinnen haben bekanntermaßen einen genetischen Defekt: Sie sind zickig. Sie wünschen sich das Blaue vom Himmel herunter, und wenn sie es nicht bekommen, und zwar subito, dann werden sie krank, bekommen Migräne, Pickel, Haarausfall oder heiraten nicht den vorgesehenen Prinzen. Lenore ist auch so eine. Was sie sich wünscht, hat es in sich: Der Mond soll es sein! Ich will den Mond, sonst bleibe ich krank. Basta. Da ist guter Rat teuer! Die Eltern, immerhin ein gestandener König mit einer resoluten Königin, beauftragen alles, was Rang und Namen hat: Der Zauberer zum Beispiel kann natürlich ein Kaninchen aus dem Hut zaubern, aber den Mond? Bedaure. Der Mathematiker berechnet in Nullkommanix die Entfernung der Erde zum Mond, weiß ganz genau, dass der Mond eine Scheibe ist und ein bisschen größer als Lenores Zimmer, aber er weiß auch: Der Mond ist da irgendwie festgenagelt, den kriegt man nicht los - Pech gehabt! Auch der Hofmarschall hat keine Ahnung.

 

Das Ensemble beim Schlussapplaus

 

 

Das wäre kein gutes Märchen, wenn da nicht der Hofnarr käme: Wir müssen die Prinzessin fragen, was sie da eigentlich sieht, wenn sie vom Mond redet. Wie groß ist das Teil? Wo fliegt es rum? Ja, sagt Lenore, so groß wie meine Fingerspitze, und es hängt meist oben im Baum fest. Kein Problem, sagt der Hofnarr, und lässt eine goldene Kette mit einem Bonsai-Mond anfertigen. Natürlich, wir ahnen es, ist Lenore überglücklich über dieses kleine Mondlein. Was aber, wenn in der nächsten Nacht der echte Mond wieder aufgeht?

 

Und jetzt kommt die sensationelle Wendung der Geschichte: So blöd ist auch Lenore nicht! Sie weiß: Wenn der Gärtner eine Blume abschneidet, wächst sie nach. Wenn den Kindern die Milchzähne herausfallen, kommen die nächsten Zähne. Und so ist es auch mit dem Mond!

 

Eine verzauberte Theaterinszenierung der Theater-AG der fünften Klassen. Hier erweist sich: Auch die Theatertalente wachsen nach! Was ganz oben in der professionellen Theaterproduktion der "Orestie" ankommt - hier wird es gesät! Junge Talente, die mit großem Enthusiasmus dabei sind und große Fähigkeiten zeigen. Hoffen wir, dass die Talent-Scouts unterwegs sind und sehen, welche Begabungen hier in den Startlöchern stehen!

 

Die Regie hatte Christiane von Freeden, die Licht- und Tontechnik besorgte Cora Mathern.

 

Bernd Woidtke