Musikabend 2009

26.3.09

 

Die Fotos

 

Entwicklung - unter diesem Gedanken konnte der gestrige Musikabend stehen. Wir sahen viele bekannte Künstlerinnen und Künstler, auch viele neue Gesichter, viel versprechende Talente. Für mich am eindrucksvollsten war die künstlerische Entwicklung einiger Musiker, die schon seit Jahren große Kunst liefern. Sicherlich sind das subjektive Eindrücke. An-Nam Pham, der Sieger im 13er Superstars-Contest, war für mich auch gestern einer der herausragenden Interpreten. Er spielte eines der schwersten Stücke, die es überhaupt für das Klavier gibt: "Geburtstagsformel (Klavierstück XIV) von Karlheinz Stockhausen. Stockhausen gilt als einer der Wegbereiter der modernen seriellen, elektronischen Musik. Dass An-Nam zunächst den Flügel, dann sich selbst verkabelte, ließ einiges erwarten. Was er dann an Geräuschen, ungewöhnlichen Akkorden, Läufen, Kadenzen und Rhythmen hervorzauberte, ließ das Publikum staunen und ovationsartig klatschen.

 

Julia Fromme, die wir ebenfalls seit Jahren als Pianistin und Saxophonistin der Big-Band kennen, spielte "Feux D'Artifice" von Claude Debussy. Technisch extrem anspruchsvoll, legte sie eine ungeheure Emotion in ihre Interpretation, die das Publikum ebenfalls zu Beifallsstürmen hinriss. Dass sich An-Nam nicht zu schade war, die Notenblätter umzudrehen, ist ein Sonderlob wert!

 

Die Brüder An-Nam und Chu-Lam Pham (v.l.); klick auf das Bild, dann wird es groß!

 

Auch Rebecca Rüger, als Flötistin bekannt, sowohl als Solistin wie in der Big-Band, zeigte eine staunenswerte Entwicklung bei ihrer Interpretation des "Concertino D-Dur, op. 107" von Cécile Chaminade. Begleitet wurde sie am Flügel, na, von wem? An-Nam Pham, der ganz kurzfristig den verhinderten Herbert Vietor ersetzte.

 

Wer nun aber befürchtet, dass die Schule kulturell verarmt, wenn diese Lichtgestalten der Musik uns verlassen, der wurde eines Besseren belehrt. Svea Luers zeigte am Flügel mit ihrer Darstellung der "Fantasie Impromptu op 66" von Frédéric Chopin, dass sie vor dem Tempo und der rhythmischen Vertracktheit dieses Glanzstückes nicht zurückschreckt - mit Recht!

 

Lukas Paulun wiederum könnte An-Nams männlicher Nachfolger werden: Sein "Präludium Es-Moll" von Bach und erst recht seine souverän geswingte "Night in Tunesia" von Gillespie erwiesen ihn als würdigen Anwärter auf den demnächst vakanten Pianistenthron an der Europaschule.

 

Die Familie Pham bringt nach An-Nam schon wieder einen wunderbaren Musiker hervor, diesmal seinen jüngeren Bruder, den Zaubergeiger Chu-Lam Pham. Die beiden Brüder spielten den mitreißenden "Csàrdàs" von Vittorio Monti, ein Stück mit einer formel-I-haften Beschleunigung mit eingebauter Vollbremsung am Schluss. Traumhaft!

 

Apropos Entwicklung: Da tauchen zwei Schwestern auf, bislang aus der Big-Band bekannt, und spielen "Solveigs Lied" von Edward Grieg (Saxophon: Christina Scherer, Klavier: Katrin Scherer) - schon wieder zwei neue hoffnungsvolle Talente! Christina spielte anschließend "Harlem Nocturne" von Earle Hagen, diesmal mit An-Nam Pham am Flügel.

 

Natürlich war auch wieder die Big-Band mit fünf Stücken am Start. Auch hier eine bewundernswerte Entwicklung. Man spielte, einstudiert vom Leader Johannes Schumacher, nicht nur klassische Big-Band-Stücke, sondern wagte sich auch an die ganz große Konzert- bzw. Opernmusik: "Bolero" von Ravel und vor allem "Nessun Dorma" aus der Puccini-Oper Turandot zeigten die große Bandbreite dieser Vorzeige-Band. Dass man mit den bekannten Big-Band-Arrangements "Highland-Cathedral", "Pirates of the Carribean" und "Dschinghis Khan" die Leute von den Sitzen riss, muss eigentlich nicht erwähnt werden!

 

Der Unterstufenchor unter der Leitung von Ulrike Wolff Metternich (zwei Lieder aus "Mary Poppins" und "Zeitraffer"), die beiden Streichorchester unter der Leitung von Klaus Bach und Barbara Wöstmann bewiesen, dass auch der Nachwuchs schon mehr als in den Startlöchern steht, vielmehr schon auf dem Weg zur großen Kunst ist.

 

Die Klasse 6.4 zeigte Ergebnisse ihres Kompositionsprojektes "Kinder unserer Zeit", das am 19.5.09 aufgeführt wird, ein sehr ambitioniertes Projekt, das, gemeinsam mit anderen Schulen, auch am 21.5.09 in der Kölner Philharmonie zu sehen und zu hören sein wird.

 

Und da war dann noch die moderne Fraktion: Christopher Healey, der zauberhafte Sänger, Jens Janßen, Gitarre, Felix Pfeil, Bass, Daniel Wolff, Schlagzeug, spielten zwei Eigenkompositionen: "The Creature Inside" und "Behind Those Eyes". Die Old School Band (ehemalige Big-Band-Musiker) unter der Leitung von René Schmitz spielte "Summer in the City" und "Sledgehammer" - mit einer gekonnten Show im Gepäck! Christopher war außerdem Frontman der neuen Band "Project Sound".  Sie spielte das Stück "Money" von Pink Floyd: Chris Healey (Gesang), Jens Janßen an der Gitarre, Johannes Ponge am Schlagzeug, An-Nam Pham am Key-Board und Andreas Franzen am Bass (hier als Gast Daniel Wolff am Saxophon), außerdem hörten wir von Chris, Jens, Johannes und Andreas noch eine wunderschöne Ballade (Eigenkreation).

 

Und vor der Pause (für mich) einer der Höhepunkte des Abends: die Band "Collateral": Tobias Neukirchen, Gesank, Gitarre, Nick Gerdes, Schlagzeug, Thomas Jaschke, Gitarre, Florian Theil, Bass. Die Band spielte Metal. Jawohl: Laut und schnell. Wer in der Nähe der Boxen saß, musste um sein Gehör fürchten. Aber die beiden Eigenkompositionen "Eight (Insanity)" und "Circle of Pain" zeigten, dass die Band zurecht den zweiten Platz beim Wettbewerb Local Heroes errungen hatte. Ihr Auftritt war toll durchstrukturiert, da passte jeder Riff, jeder Stopp, ihre Performance war absolut professionell!

 

Am Endes des langen Abends ging man mit dem seligen Gefühl nach Hause: Johannes Schumacher hat sie wieder alle angelockt, die Nachwuchstalente, die großen Stars, die Zuschauermassen. Eine Entwicklung, die nie aufhören wird!

 

Bernd Woidtke