Die Nibelungen
nach Hebbel
Aufführungen:
6. (Premiere), 7., 8., 10.10.2004, 19:30 Uhr
Zusatzvorstellung am Montag, 11.10.2004, 20:00 Uhr

Zu dieser herausragenden Theaterproduktion schreibt der Kölner Stadt-Anzeiger:
Schultische zu Schwertern
Siegfrieds Kampf mit Showeffekten
Den historischen Stoff auf die Bühne zu bringen ist kein leichtes Unterfangen: Die Theater-AG des Gymnasiums Kerpen fuhrt die Nibelungensage auf.
VON STEPHANIE WICKERATH
Kerpen - Laute Schreie hallen durch das Atrium, aggressiver Rap dröhnt aus den Boxen, wüste Kampfszenen und düstere Gestalten lassen sich im dämmrigen Licht ausmachen. Unwirklich und ein wenig gruselig ist die Atmosphäre bei den Proben der Theater-Arbeitsgemeinschaft.
Das Äußere der Akteure passt ins Bild: Die Schauspieler haben sich schwarze Ränder unter die Augen gemalt. Ihre Kostüme sind aus grauem und braunem Leder - alte Koffer wurden da verarbeitet. In den Händen halten die Kämpfer Schwerter und Schutzschilde, die aus alten Schultischen geschreinert sind.
„Wir bewegen uns mit diesem Projekt am Rande des schulisch Machbaren", sagt Lehrer Werner Philippi, der zusammen mit Peter Dreisbach Regie fuhrt. Seit eineinhalb Jahren probt die 50-köpfige Gruppe aus allen Altersstufen die Nibelungensage. Philippi und Dreisbach setzen auf bewährte Kräfte: Marlen Tiedtke, die bereits in zahlreichen Stücken glänzte, spielt Kriemhild, die rachsüchtige Königin von Burgund.
Der ehemalige Schüler Daniel Schauff, der zu Theateraufführungen immer wieder gern zurück ans Gymnasium kommt, hat die Rolle von Günther, König von Burgund. Philippi selbst spielt den dämonischen Hagen von Tronje. Sebastian Rolke, der vor zwei Jahren das Abitur abgelegt hat, komplettiert das eingespielte Team als Drachentöter Siegfried von Xanten.
Arzu Gezici mimt die männermordende Brunhild, die schließlich von Siegfried bezwungen wird. Mit einem 170 Jahre alten Text und moderner Musik, die teilweise von einer Band live gespielt wird, Tanzeinlagen, Showeffekten und ungewöhnlichem Bühnenbild erzählt die Theater-AG die Sage. „Das Stück liefert wunderbare Beispiele von Kampfbegier und Opfermut, von Liebe und Treue über den Tod hinaus, von Täuschung und Verrat, von Mord und Vergeltung", schwärmt Philippi. Und auch wenn es blutrünstig zugehe, ein reines Spektakel wolle die Theater-AG nicht bieten.
„Das Stück hat tiefere Seiten, denen wir uns nicht verschließen", sagt der Lehrer. Die Schüler haben sichtlich Freude an dem schwierigen Stück. „Als ich nach einer Kampfszene eine dicke Beule am Kopf hatte, wollte ich eigentlich gar nicht weitermachen, aber letztlich macht es doch ziemlich Spaß, so wild zu kämpfen", findet Anna Lisa Schauff. Auch das Anschreien sei zunächst schwer gefallen, sagen die anderen. Erst nachdem Schüler Matthias Schölzel, in der Freizeit Judo-Trainer, in einer Art Aggressionstraining lautes Schreien und Aufeinander losgehen vermittelt hatte, gingen die Gymnasiasten in ihren Rollen auf. „Die Nibelungen" feiern am Mittwoch, 6. Oktober, 19:30 Uhr Premiere im Gymnasium, Phillipp- Schneider-Straße. Weitere Aufführungen sind am 7., 8. (ausverkauft) und 10 . Oktober, 19.30 Uhr. Karten gibt es unter 02237/3041.