Reisebericht Nicaragua 11.10 –23.10.09
26.10.09
Zu diesem Thema: Ein Eintrag in der Lobecke
Und noch ein weiterer Beitrag in der Lobecke
Reiseimpressionen von Tabea Perger
In diesem Jahr durften erstmals auch zwei Schüler des Gymnasiums der Stadt Kerpen eine Reise zu unserem Partnerprojekt in Corinto, Nicaragua antreten. Zu den Auserwählten gehörten Tabea und ich. Zusammen mit einigen Mitgliedern der Städtepartnerschaft Köln-Corinto und Artisten des Zirkusvereins Radelito machten wir uns am 11.10. für zwei Wochen auf nach Nicaragua.
Vor der Reise gab es jedoch noch einiges zu klären und vorzubereiten. Neben diversen Vorbereitungstreffen mit der gesamten Reisegruppe gab es auch schulinterne Treffen mit unseren Spanischlehrerinnen Frau Späker und Frau Vences. Gemeinsam besprachen wir, was unsere Aufgaben vor Ort sein sollten und wie wir unsere Ziele für unsere Reise am besten umsetzen könnten. Da das Gymnasium der Stadt Kerpen seit einigen Jahren das Cafetín Kerpen im Centro de Menores in Corinto finanziell unterstützt bzw. dieses durch Spenden aufgebaut hat, sollte natürlich hierauf ein besonderer Augenmerk gelegt werden. Wir sollten uns ein Bild von unserem Partnerprojekt machen: z.B. den Tagesablauf verfolgen, notwendige Reparaturen und Erweiterungen vermerken etc.
Tabea (l.) und Miriam im Cafetín Kerpen in Nicaragua
Leider hatte der Kontakt zwischen unserer Schule und den Partnern in Nicaragua in den letzten Jahren immer weiter nachgelassen. Deshalb wurde uns als weitere, wichtige Aufgabe die Suche eines neuen Ansprechpartners vor Ort aufgetragen, um so einen regelmäßigen und intensiven Kontakt wiederherzustellen. Dieser Kontakt sollte möglichst mit einer Art Partnerschule verknüpft sein. Denn so könnten sich die Schüler untereinander z.B. durch Briefe austauschen und verschiedene Projekte ausbauen. Dazu wurden in den Spanischkursen extra Briefe von deutschen Schülern an nicaruaganische Schüler, (Foto)bücher, Mappen über die Schüler, CD’s mit deutschen Liedern etc. angefertigt.
Begleitet wurden wir neben Mitgliedern der Städtepartnerschaft auch von einigen Artisten des Zirkusvereins Radelito. Obwohl wir nur knapp zwei Wochen vor Ort in Corinto waren, habe ich sehr viele neue Eindrücke gewinnen können.
Das Land Nicaragua hat mich von Beginn an begeistert, auch und gerade weil es sich in so vielen Dingen von Deutschland unterscheidet. Es gibt einfach einen anderen Lebensrhythmus, der sich vermutlich in allen mittel- bzw. südamerikanischen Ländern wiederfinden lässt. Besonders begeistert war ich von der Mentalität der Menschen. Sie sind viel offener und herzlicher als bei uns in Deutschland und so fällt es viel leichter ins Gespräch zu kommen. Auch die Art und Weise wie wir von allen begrüßt worden sind – sei es bei der Ankunft im Centro de Menores oder in El Realejo- war einfach nur toll. Es wurde immer alles getan, um uns einen möglichst schönen und einwandfreien Aufenthalt zu bereiten. Dies fiel mir auch bei unserem täglichen Essen beim Padre auf. Jeanette und die restlichen Köchinnen haben sich - meiner Meinung nach - immer sehr viel Mühe gegeben. Ich glaube nicht, dass man sich in Deutschland so viel Mühe machen wird, wenn Gäste aus Nicaragua zu Besuch kämen.
Miria und Tabea in der Schulklasse im Instituto Parroquial in Nicaragua; wer sucht, findet sie in der hinteren Reihe, 2. und 5. v. r.
Das tägliche (Zirkus-)Training mit den Colorintos war dabei für mich eine besondere Erfahrung. Im Voraus hatte ich erwartet, dass ich gar nicht im Zirkus mitwirken würde, aber schließlich war ich doch mehr oder weniger mit im Programm und dies hat mir letztendlich auch sehr viel Spaß gemacht.
Ich fand es toll zu sehen, wie die Arbeit unter den Jugendlichen - auch trotz der sprachlichen Schwierigkeiten - funktioniert hat. Auf beiden Seiten zeigte sich viel Engagement und Freude dem anderen etwas beizubringen und dies mit ihm einzustudieren. Hierbei muss ich ehrlich zu geben, dass ich mir vorher gar nicht so viel unter dem SOMOS Projekt vorstellen konnte und auch nicht damit gerechnet hätte, dass es so gut funktioniert und den Jugendlichen wirklich so viel Spaß bereitet.
Natürlich haben wir neben dem Training mit dem Zirkus auch unsere eigentlichen Aufgaben nicht aus den Augen verloren. Wir haben das Centro de Menores mit allen Einrichtungen besichtigt und uns dabei vor allem auf unser Partnerprojekt, das Cafetín Kerpen konzentriert. Gemeinsam mit Maria und Tabea haben wir mit den Verantwortlichen über das Cafetín gesprochen, uns alles genau angeschaut und über mögliche Erneuerungen geredet. So kam die Idee über eine Erweiterung des Cafetín mit einem angeschlossenen Imbiss auf. Allerdings wurde diese Idee verworfen, da es sie sich nach Überdenken als nicht sinnvoll herausstellte. Das Cafetín hat täglich nur zwei Stunden geöffnet und von daher hätten sich solche teuren Umbauarbeiten einfach nicht gelohnt. So beließen wir es vorerst dabei und machten uns an unsere weiteren Aufträge aus Deutschland.
Eine weitere Aufgabe, die uns in Deutschland aufgetragen wurde, war die Suche eines neuen Ansprechpartners in Corinto. Damit sollte ein konstanterer und intensiverer Kontakt zwischen Kerpen und Corinto gesichert werden. Zudem sollten wir - falls Möglichkeiten vorhanden - auch einen Kontakt zu einer Schule herstellen.
Dies ist uns dank der Hilfe des Padres Alejandro (Pater Alejandro), bei dem wir während unserer Zeit in Corinto wohnten, gelungen. Der Padre Alejandro schien interessiert an der Idee einer Partnerschule mit dem Gymnasium Kerpen und so wurde ein Treffen mit der Direktorin im Instituto Parroquial organisiert.
Das Instituto Parroquial ist eine katholische Privatschule für Kinder von 11 bis 18 Jahren. Die Jugendlichen können dort ihre Hochschulreife erwerben. Die Kosten für die Schule betragen 12 US im Monat, für Schüler, die es sich nicht leisten können, wird das Geld von der Gemeinde aufgebracht. Es gibt jedoch keine staatliche Unterstützung, die Lehrer werden von der Kirche bezahlt. Insgesamt besuchen ca. 200 Schüler das Instituto Parroquial.
Wieder mal wurden wir herzlich willkommen geheißen und es folgte ein Gespräch mit der Direktorin über ihre Schule und anschließend berichteten wir ein wenig vom Gymnasium Kerpen. Dann überreichten Tabea und ich die Mitbringsel aus Kerpen: viele, viele Briefe von deutschen Schülern, Fotobücher, Mappen mit deutschen Songtexten etc. Es folgte eine Führung durch die Schule. Am nächsten Tag kehrten Tabea und ich noch einmal zurück und erhielten bereits viele Antworten auf die Briefe der deutschen Schüler und sogar ein Anschreiben des Instituto Parroquial an unsere Schulleitung. Nun hoffen wir, dass sich tatsächlich ein langfristiger Kontakt herstellen lässt und wir vielleicht in ein paar Jahren sogar einen Schüleraustausch durchführen können. Aber dies liegt zunächst einmal in der Zukunft und zuerst gilt es den Kontakt zu festigen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass - wie ich finde - für den knappen Zeitraum doch einiges erreicht wurde. Denn nun haben wir endlich wieder eine feste Kontaktperson, nämlich den Padre Alejandro und wir haben sogar eine neue Partnerschule gefunden. Die Schulleitung des Instituto Parroquial wirkte begeistert von unserer Idee und auch wie schnell die Schüler geantwortet haben zeigt, dass wirkliches Interesse auf beiden Seiten an einem Austausch besteht.
Ich bin sehr froh, dass ich gemeinsam mit Tabea an dieser Reise teilnehmen durfte und hoffe sehr, dass die Partnerprojekte in Corinto weiterhin gut laufen und wir in einigen Jahren vielleicht sogar einen ersten Schüleraustausch mit dem Instituto Parroquial organisieren können.
Miriam Schupke