Kerpen in der Oper
15.2.08
Gestern Abend in der Kölner Oper: "Hallo, Herr Vietor!", "'N'Abend Hartmut (von Boetticher)!", "Guten Tag, Frau Ulbrich!", "Hallo Frau Stöwe!", "Tag, Herr Klein!", "Hallo Elena!", "Hallo John!", "Sophie - du auch hier?" - das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Dialoge, die sich in dem 1200 Plätze fassenden Opernhaus entwickelten. Die Europaschule Kerpen hatte ein Heimspiel. Eine riesige Zahl von Kerpener saß im Zuschauerraum, man kannte sich, grüßte sich, als wär's in der Aula unserer Schule. Erstaunlich. Was die anderen Zuschauer wohl dachten: Wer sind diese Leute? Die sich alle irgendwie kennen. Und vor der Vorstellung, in der Pause und hinterher immer wieder in Gruppen beieinander stehen und über diesen Operabend reden. Und mittendrin immer der Maitre de Plaisir: Herbert Vietor. Musiklehrer an der Europaschule. Grüßt hierhin, macht dorthin einen Scherz, verteilt Programmhefte, weist den Weg zur Toilette oder zum 2. Parkett, hatte vorher schon die Karten verteilt, hatte ein bisschen geworben, hatte einen Schneeball namens Musik geworfen und es entstand eine Lawine...

Szene aus der Oper "Die Italienerin in Algier"
L'ITALIANA IN ALGERI (DIE ITALIENERIN IN ALGIER) hieß die Oper von Gioacchino Rossini, die gegeben wurde. Die Inszenierung stammte von Jean-Pierre Ponnelle: „Jean-Pierre Ponnelle: Regisseur, Bühnenbildner, Kostümbildner, Lichtgestalter, Schauspieler, Künstler, Mime, Linguist, Philosoph, Wahrheitssucher, Wahrheitsverkünder, exzellenter Techniker, Musiker von Hause aus, Kollege, kongenialer Mitarbeiter, Freund und vielleicht eines der am stärksten unterbewerteten, unterschätzten Genies dieses Jahrhunderts“, - das schreibt sein Biograph Max W. Busch. Und das sah man dieser Oper an! Das Bühnenbild: Ein orientalisches Schloss mit runden Türmchen, maurischen Fenstern, Erkern und Säulen, wie es sich ein Kind nicht malerischer vorstellen kann. Die Kostüme: Turbane wie Ballonlampen, umgehängte Schmerbäuche, Farben wie aus dem Malkasten - ein Traum aus 1001 Nacht. Dabei keine Denunziation nach dem Motto: Die tumben Orientalen und die schlauen Italiener... naja, ein bisschen vielleicht... Wenn die cleveren italienischen Piraten kommen und Lindoro und seine Geliebte Isabella retten, da kommt schon Nationalstolz auf! Signor Rossini wusste, was er seinen Landsleuten im Jahre 1813 anbieten musste, um Erfolg zu haben.
Die Schule als Durchlauferhitzer für junge Leute, die eine Kultur kennenlernen, die ihnen nicht in die Wiege gelegt wird - das ist das Konzept von "Theater und Schule", einer Abteilung von Schauspiel und Oper in Köln. Und, man muss es mal mit einigem Stolz sagen: Auch unsere Schule betätigt sich als ein solcher Durchlauferhitzer: Mit all den Musicals, Theater-AGs, Foren junger Künstler, Literaturkursen, Probenräumen, Rockforen und vielem mehr, werden junge Menschen an die Kultur herangeführt, die sie sonst vielleicht nur aus der Ferne betrachten würden.
Also, ein Lob an... ja, an wen? Gestern jedenfalls hatte der Kulturbotschafter einen Namen: Herbert Vietor, der uns diesen wunderbaren Opernabend eingebrockt hatte!
Bernd Woidtke
PS: Weitere Termine dieser sehenswerten Oper: 22. und 24.2.08