Out of Order

Eine rasante Komödie von Ray Cooney

April 08

 

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Eine Komödie, also ein leichtes Stück - "leichte Muse" sagt man auch -, das muss leicht zu machen sein. So denken manche. Wenn man aber die Schauspieler hört, erfährt man etwas ganz Anderes. "Was war für euch leichter, die 'Orestie' oder 'Out of Order'?" Antwort: "Die 'Orestie' natürlich!!" Warum? "Da gab es vor allem Monologe, die lernt man am Stück auswendig und fertig." Und 'Out of Order'? "680 Einsätze habe ich", sagt Max Meier, der die Hauptrolle spielt, "und wenn ein Stichwort nicht kommt, kann ich nach Hause gehen, dann weiß ich nicht wie's weiter geht - hammerhart! Und das Ganze muss super schnell gehen, perfektes Timing, da mussten wir wirklich an die Grenzen gehen, wenn nicht darüber hinaus!"

 

Was der Zuschauer aber sieht, wirkt so federleicht. Ein solches Tempo hatte noch nie eine Komödie an der Europaschule. Dabei wirken die Schauspieler völlig entspannt, unangestrengt, sie haben einfach Spaß; dass wir ihnen dabei zuschauen, scheinen sie gar nicht zu bemerken. Im Grunde geht es um die Lüge: Wie schaffe ich es, mich aus einer vollkommen aussichtslosen Lage herauszureden? Mit einer Geliebten im Hotelzimmer, einer Leiche, die verschwindet, einer Ehefrau, die mir auf der Spur ist, einem gehörnten Gatten mit Baseballschläger, einem trotteligen Sekretär, dessen Testosteronwerte plötzlich verrückt spielen, einem abgezockten Zimmermädchen, einer liebestollen Krankenschwester und einem verrückt gewordenen Fenster mit Killerinstinkt?

 

Wie man das schafft, soll hier nicht verraten werden. Aber wer dabei mitmacht schon.

 

Max Meier und Nico Ulbrich

 

Max Meier spielt den Macho-Minister Willey mit gegelter Frisur und gegeltem Charakter, er behält immer den Überblick, auch wenn seine Libido brutal ausgebremst wird: Ein genialer Auftritt! Nico Ulbrich ist George Pidgeon, sein Sekretär. Er vermittelt dem Zuschauer erfolgreich den Eindruck totaler Trotteligkeit. Warum aber kriegt er alle Frauen ins Bett? Das lässt auch den schüchternsten Zuschauer hoffen: Ein Naturtalent!

 

Anna Lisa Schauff, als Jane Washington zwar Sekretärin des Oppositionsführers, so what? - Ein Verhältnis mit einem Minister ist auch nicht zu verachten! Sie lässt nichts anbrennen, nicht mal die Whiskey-Flasche. Man versteht sehr schnell, warum der Minister Haus und Hof verrät für diese Frau! Christine Behnke als Minister-Gattin: Genauso schön wie seine Geliebte - der Minister hat wirklich Geschmack! - schaut sie mal nach dem Rechten; dass ihr Gatte anderen Röcken nachläuft, kann sie schnell verschmerzen, da gibt es ja noch seinen Sekretär: Sehr anziehend!

 

Denise Michels als Hotel-Managerin: Im strengen Kostüm gibt sie die Unerbittliche. Unter der feinen Bluse aber wogen die wallenden Wonnen. Wie sie sich offensiv an den Minister ranschmeißt, ist ein Lehrbuchbeispiel weiblicher Raffinesse. Überhaupt ist sie die Maîtresse de Plaisir (das erfährst du aber erst ganz am Schluss...) Rachel Müller als "der Zimmerservice" ist die ganz besonders Nette, die Süße, die Liebe... dass sie für jede, aber auch jede Aktion die Hand aufhält, gönnt man ihr; dass sie sich zur Spitzenverdienerin des Hotels hocharbeitet, zeugt von hochkrimineller Energie: Eine perfekt gespielte Doppelrolle, die doppelbödigste im ganzen Stück! Lisa Eiling als Schwester Foster: Auch sie spielt eine janusköpfige Figur: Die strenge Pflegerin der Mutter, die blitzschnell dem schüchternen Charme des Sekretärs erliegt; man hat den Eindruck, dass ihr Widerstand gegen amouröse Avancen nicht besonders ausgeprägt ist...

 

Und dann tauchen auch noch zwei Körper auf: Philipp Eschenauer spielt Ronnie Washington, den eifersüchtigen Ehemann von Jane. Meistens hat er wenig an, ein Badehandtuch ("Was haben sie darunter?" fragt Jemand, eben noch ein Leiche). Ronnie tobt meistens, schwingt seinen Baseballschläger. Außer wenn er sich an den Schultern wahlweise von Männern oder Frauen ausweint. Der zweite Körper ist eine Leiche: Isabel Klein spielt sie. Wie spielt man eine Leiche? Isabel zeigt's. Wie eine Gummifigur fläzt sie sich auf Sofas, Tischen, Böden herum, hängt an einer Schranktür, dass man vor Mitleid vergehen möchte. Dann aber... ach nein, schaut euch das selbst an - eine umwerfende Rolle, von der man noch viel mehr sehen möchte!

 

Und natürlich wäre das Ganze nicht auf die Bühne gekommen ohne die Backstage-Profis: Lauren Müller, Alexander Roden, Paula Förster, Carolien Hölzemer, Hannah Breidenbach, Katharina Heyse, Tillmann Stockschläder, Cora Mathern, Felix Hövel, Felix Pfeil, Simon Bleck, Johannes Ponge, Tabea Perger.

 

Diese Theater-AG ist ein großes Rätsel: Sie stemmt die irrwitzigsten Theaterklassiker auf die Bühne (Faust, Nibelungen, Maria Stuart, Orestie) und dann haut sie einem so eine Tür-auf-Tür-zu-Komödie um die Ohren, dass man vom Zuschauen schwindelig wird. Da ist ein Zauberer am Werk. Und dieser Zauberer hat einen Namen: Werner Philippi. Das ist der Regisseur. Der hat uns das eingebrockt. Was kommt als Nächstes?

 

Jetzt aber erstmal hingehen:

Aufführungen vom 10. bis zum 14. April 2008,

jeweils 19:30 Uhr

 

Karten erhältlich im Sekretariat:

Schüler 2 Euro - Erwachsene 4 Euro

 

Auf Grund des beschränkten Platzangebotes - die Bühne steht im Innenraum der Aula - empfiehlt es sich, die Karten im Vorverkauf zu erwerben.

 

Bernd Woidtke