Orestie

Die neue Produktion der Theater-AG

14.10.06

 

Die Fotos der Probe

 

Es gilt, mit einigen Vorurteilen aufzuräumen: Dass Schüler und Lehrer an deutschen Schulen zu viele Ferien haben, zum Beispiel. Sowohl in den Sommerferien als auch jetzt in den Herbstferien ist unsere Schule äußerst bevölkert. Aus der Aula hört man Wortfetzen mit fremdem Klang: Orest, Athene, Klytaimnestra; man sieht rotes, blaues, gelbes Licht, vernimmt Schlagzeuggrooves und lauscht den Regieanweisungen des Regisseurs, Werner Philippi: "Wer nicht auf der Bühne steht, ist bitte ganz ganz still - danke!"  Und ein zweites Vorurteil löst sich in Luft auf: Jugendliche können sich nicht mehr konzentrieren, hängen pausenlos vor der Glotze oder dem PC - falsch! Ganz falsch! Kerpener Jugendliche lernen einen der schwersten Theatertexte, den man sich vorstellen kann: Die Orestie von Aischylos. Ein blutrünstiges Drama aus der Zeit des Trojanischen Krieges, Gattenmord und Muttermord, Rache und Sühne, Flehen und Verzweiflung - da ist alles drin, was man sich an Liebe und Hass überhaupt nur vorstellen kann.

 

Das Orestie-Ensemble mit Regisseur Werner Philippi, links

 

Die Schauspieler kriechen am Boden, winseln verzweifelt, schreien ihre Angst und Wut heraus, Nebelschwaden legen sich unheilschwanger über die Szene, die Techniker fahren eine Lichtstimmung nach der anderen herein, die Spannung knistert, bis endlich der dritte Akte gelaufen ist. "O.k., danke!" sagt der Regisseur, "Wir sehen uns um 20 Uhr wieder zum Durchlauf." Um 8? Am Samstag Abend? In den Ferien? Ja, korrekt. Kein Murren. "Geht ihr zum Mackes, was essen? Ich geh mit!" Das ist der einzige Kommentar. Schnell was reinstopfen. Um 8 sind alle wieder da. Zum Durchlauf. Das ganze Stück. Der Wahnsinn.

 

Das zum Thema: Ferien an deutschen Schulen.

 

Die Premiere ist im Frühjahr. Wir berichten weiter.

 

Bernd Woidtke