Heute Abend im Theater:
Aischylos: Die Orestie
Eine griechische Tragödie
1.3.07
Wetten: Wenn Ihnen Jemand erzählt hätte, in Kerpen bringt eine Schultheater-AG die "Orestie" von Aischylos heraus, in einer Übersetzung aus dem 19. Jahrhundert... Wetten: Sie würden da nicht hingehen! Weil Sie große Langeweile befürchten würden. Wetten: Wenn Sie heute Abend in Kerpen in der Europaschule gewesen wären und diese Aufführung gesehen hätten, dann wären auch Sie nach der letzten Szene aufgesprungen und hätten gejubelt! Eine grandiose Premiere! Nein, es sind keine Profischauspieler. Nein, man versteht nicht immer, worum es geht. ABER JA: Die Intensität und das Herzblut aller Beteiligten riss die Zuschauer mit. Dieser Reigen aus Mord, Rache, Liebe, Hass, Abgrund und Verderben und dem Fünkchen Hoffnung am Schluss - Freude schöner Götterfunken -, das dann wieder jäh zerstört wurde, ließ Niemanden kalt. Kommt und seht selbst! Die nächsten Vorstellungen: Freitag bis Sonntag, 2.-4. März 07, 19:00 Uhr.

Anna-Lisa Schauff als Klytaimnestra, Werner Philippi als Agamemnon, Terach Franchi als Kassandra

Tabea Perger als Elektra, Dominik Hees als Orest, Denise Michels als Chorführerin
Worum geht es? Es viel viel gemordet! Die Griechen hausen in Troja wie die Berserker, sie laden Schuld auf sich. Der Kriegsgrund, die Entführung der schönen Helena durch Trojaner, hatte sich längst in Luft aufgelöst. Denkt da Jemand an aktuelle Parallelen? Agamemnon, von Beruf Held (brutal aber auch nachdenklich gegeben von Werner Philippi), kehrt mit der schönen Seherin Kassandra (auf allerhöchstem schauspielerischen Niveau leidend: Terach Franchi) als Kriegsbeute nach Hause zurück. Seine Frau Klytaimnestra (unnachahmlich in ihrer Wandelbarkeit und Intensität: Anna-Lisa Schauff) vergnügt sich derweil mit Ägisthos (schmierig: Benny Schieweck). Agamemnon ist ein ziemlich übler Schurke, er hatte schon seine Tochter Iphigenie geopfert; seine Frau bringt ihn kalt lächelnd dafür um. Dann kommt das Bild, das alleine den Eintrittspreis wert ist: Die abgeschlagenen Köpfe von Kassandra und Agamemnon - Horror! Orest (oscarverdächtig: Dominik Hees), kehrt heim in dieses Sündenbabel und ist entsetzt. Nach einem erotischen Duett mit seiner schönen Schwester Elektra (anrührend und ausdrucksvoll: Tabea Perger) - "You are the Sunshine of my Life" singen die beiden zweistimmig - meucheln sie Klytaimestra und ihren Lover Ägisthos. "Einmal muss es vorbei sein!" kommentiert Hans Albers mit versoffener Stimme aus dem OFF. Orest ist nun auf der Flucht vor den Rachegöttinnen. Anstachelt von ihrer Anführerin (grandios gespielt von Denise Michels) bereiten sie den Showdown in Athen vor. Gott Apollon (mit pomadiger Arroganz: Yorck Schröder), Anstifter einiger Morde gibt den Schwarzen Peter weiter an Athene (wunderbar ernsthaft: Jennifer Konopka). Erstmals in der Geschichte kommt es nun zu einem Gerichtsverfahren, bei dem sogar das Volk von Athen - die Zuschauer - mitentscheiden darf.
Mit dabei und jeder Einzelne richtig gut in seiner Rolle: Nico Ulbrich, Max Meier, Mirjam Bäcker, Anne Reichel, Patricia Matthäus, Isabel Klein, Lisa Eiling, Rachel Müller, Eva Vogel, Julia Verbocket, Jana Tatscheck, Nora Mathern, Ewa Krzyzanowska, Christine Behnke, Michelle Marx, Tanja Wessel, Damla Olkun, Sanel Mahmic, Thomas Kemmerling, Marco Andrys.
Als Musiker immer für überraschende Effekte gut: Jan Krogull, Raimon Reuter, Felix Pfeil, Hartmut von Boetticher, David Schmitz, Sophie Lewkow, Andrea Kaletzke, Julia Gutheil.
Die Techniker, ohne die überhaupt nichts liefe: Tillmann Stockschläder, Simon Bleck, Johannes Ponge, Michel Felten, Christian Olschewski, Jonathan Dammers, Marc Merx, Bastian Fankhauser, Stefanie Lück.
Die Requisiteurinnen: Katharina Heyse, Denise Michels, Sabrina Mausolf.
Choreographie: Carina Becker
Graphikdesign: Timo Philippi
Textkontrolle: Peter Dreisbach
Souffleuse: Carina Becker
Regie: Werner Philippi (dem schon jetzt ein Oscar für sein Lebenswerk gebührt!!)
Bernd Woidtke