Petersburger in Kerpen
14.11.10
Bericht über den Austausch auf Russisch
23 Schülerinnen und Schüler der Schule Nr. 253 in St. Petersburg waren mit ihren Lehrerinnen Наталия Юрьевна (Natalia Jurevna oder Frau Lavrova) und Галина Валентиновна (Galina Valentinovna oder Frau Karpova) vom 29.10.-08.11.2010 in Kerpen.
So langsam gewöhnen sich unsere Schüler/innen daran, dass man russische Erwachsene nicht mit ihrem Nachnamen anredet, sondern mit ihrem Vor- und Vatersnamen – die russischen Schüler/innen verlieren ihrerseits nach und nach ihre Verwunderung darüber, dass man deutsche Lehrerinnen mit „Frau“ und dem Nachnamen anredet. Für russische Ohren klingt das mindestens genauso merkwürdig und fremd wie für deutsche der Vatersname – hierbei wird bei Frauen –ovna/-evna, bei Männern –ovitsch an den Vornamen des Vaters angehängt. So werden übrigens auch Präsidenten angeredet. Auch unsere Fremdsprachenassistentin Оюна Сергеевна (Ojuna Sergeevna) bzw. auf Deutsch Frau Banzarakcaeva (gesprochen: Bansarakzájeva – Betonung auf der fünften (!) Silbe) und Frau Wöstmann begleiteten die Gruppe. So konnten die deutschen Schülerinnen und Schüler das mit dem Vatersnamen und die russischen das mit dem „Frau“ und dem Nachnamen gleich noch ein wenig üben.
Die deutsch-russische Gruppe auf der Sophienhöhe
Da unsere Partner/innen am Freitag ankamen und Montag ein Feiertag war, genossen alle erst einmal ein ruhiges Wochenende mit ein wenig Kulturprogramm. Am Sonntag hatten wir zunächst eine Führung in zwei Gruppen (deutsch und russisch) in Köln über die Sagen und Legenden, die mit Köln verbunden sind. Außerdem wurde uns der Dom gezeigt – natürlich zweisprachig. Selbstverständlich gab es auch noch Freizeit, in der der Umsatz der Kölner Geschäfte gewaltig gesteigert wurde.
Am Sonntag ging es mit der ganzen Gruppe und vielen Eltern zur Sophienhöhe. Das Wetter spielte mit – nach starkem Regen am Morgen, kam die Sonne pünktlich zu unserer Wanderung heraus und wir hatten den ganzen Weg strahlenden Sonnenschein. Die Steigung machte vielen Schüler/innen ganz schön zu schaffen, aber der Blick in die Kohlegrube war dann doch lohnenswert. Dank einiger Eltern, die sich dort gut auskannten, fanden wir auch den Weg!
Nach einer russischen und einer deutschen Führung im Schloss Augustusburg mit Frau Wöstmann am Montag konnten unsere Partner/innen am Dienstag endlich die Schule kennenlernen. Ein paar Schüler/innen waren schon einmal bei uns und hatten die anderen schon sehr neugierig auf die Europaschule gemacht. Alle waren begeistert von der Ausstattung der Schule und der Freundlichkeit der Lehrer/innen. Der Austausch mit unserem Gymnasium hat an unserer Partnerschule in St. Petersburg mittlerweile einen so guten Ruf, dass dort in diesem Jahr das Wahlpflichtfach Deutsch ab der 5. und ab der 7. Klasse eingerichtet wurde.
Im Unterricht lernten die Petersburger Schüler/innen die Kerpener Unterrichtsweise in verschiedenen Fächern kennen. Außerdem hatten sie gemeinsamen Unterricht mit dem Russischkurs der J 11 bei Frau Augner, dem Russischkurs der J 12 und dem Russisch-Differenzierungskurs der J 9. In der J 11 lernten die Schüler/innen das Leben in Familien in Russland und Deutschland kennen, in der J 12 befassten sie sich mit Peter dem Großen und in der J 9 verglichen die Schüler/innen unsere beiden Schulen bzgl. der Unterrichtsfächer, Ferien und Schulnoten. Ferner nahmen einige Petersburger Schüler/innen am Englischunterricht der Klasse 7.10 teil, in dem es um beliebte Sportarten in Russland und Deutschland ging.
Schließlich bleiben auch noch Fahrten nach Aachen, Düsseldorf und nach Bonn ins Haus der Geschichte mit Frau Wöstmann zu erwähnen. Die meisten Schüler/innen sahen allerdings das gemeinsame Schlittschuhlaufen in Düsseldorf als Höhepunkt des Austausches an – zur großen Verwunderung der deutschen Schüler/innen konnten auch nicht alle Petersburger Schüler/innen Schlittschuh laufen – Leistungssport und Breitensport sind in Russland eben meilenweit voneinander entfernt. Auch Natalia Jurevna, Galina Valentinovna und Frau Banzarakcaeva hielten sich dank unserer sehr hilfsbereiten Schüler/innen wacker auf dem Eis, obwohl sie erst zum ersten bzw. zweiten Mal auf Schlittschuhen standen!
Auf der Fahrt zum Flughafen gab es viele Tränen, denn die Petersburger Schüler/innen wären gerne noch länger geblieben. Viele haben sich sehr gut mit ihren Partner/innen angefreundet und ein zweites Zuhause in Deutschland gefunden. Sie hoffen, ihrer Partner/innen im Mai in St. Petersburg wieder zu sehen.
Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an die deutschen Gasteltern für ihre Gastfreundschaft, Flexibilität und Toleranz sowie an alle deutschen Schüler/innen, die sich hervorragend und sehr selbstlos um ihre Partner/innen gekümmert haben – ein großes Lob nicht nur von mir, sondern auch von Natalia Jurevna und Galina Valentinovna!
Katharina Schulte-Mattler <ksm.europaschule@googlemail.com>