Besuch im Rathaus
Politiktag der Klasse 7.9
10.2.10
"Mit dieser Klasse ist es mir nicht bang um die Zukunft dieses Landes!" - Das war das Fazit von Ingpeer Meyer, dem Fraktionsvorsitzenden der SPD im Kerpener Stadtrat. Was brachte ihn zu dieser Erkenntnis? Thomas Lewicki, Klassenpflegschaftsvorsitzender der 7.9, hatte einen Politiktag organisiert. Um 16:05 Uhr, nach 8 Stunden Unterricht, brachen 32 Siebtklässler zum Rathaus auf, begleitet von ihrer Klassenlehrerin, Christiane von Freeden. Hildegard Diekhans, stellvertretende Bürgermeisterin, empfing sie dort und erläuterte ihnen zunächst die Grundlagen der Kerpener Kommunalpolitik.
Die Kerpener Schüler allerdings warteten sehnsüchtig darauf, ihre Fragen abzuschießen: Wie wird man Bürgermeisterin? Was verdient man dabei? Bekommen die ehrenamtlich Tätigen auch etwas? Wann haben Sie beschlossen, in die Politik zu gehen? Wie viel von den Steuern bekommt eine Stadt mit? Wo kommt das neue Kerpener Schwimmbad hin? Was passiert mit der A4-Verlegung? Was macht die Stadt für Kinder? Hat die Bürgermeisterin etwas für Haiti getan? Wie viele Mitarbeiter hat die Stadt? Was macht das Jugendamt? Arbeitet die Bürgermeisterin mit der Polizei zusammen? Wie viel Urlaub hat die Bürgermeisterin? Treffen sich die Bürgermeister der Umgebung regelmäßig? Was ist eine 'Fraktion'? Würden Sie gerne noch mal zur Schule gehen? (In die Schule vielleicht nicht, sagte Frau Diekhans, aber ich würde gerne Türkisch lernen!")
Die Klasse 7.9 im Kerpener Großen Ratssaal; klick drauf, dann wird das Bild groß!
35 Fragen gab es, so hatte Christiane von Freeden gezählt. Dann leitete der Organisator Thomas Lewicki zum zweiten Teil über. Er hatte Fraktionsvertreter aller im Rathaus vertretenen Parteien eingeladen: Wolfgang Pfeil (FDP), Klaus Ripp (CDU), Jutta Schnütgen-Weber (Grüne), Ingpeer Meyer (SPD), Wolfgang Scharping (BBK/UWG), Willy Dedecke (Linkspartei). Jeder dieser sechs Politiker nahm sich eine Schülergruppe und brachte sie ins jeweilige Fraktionsbüro. Dort starteten die Intensiv-Diskussionen. Die Schüler stellten Fragen zu den Themen Jugend, Verkehr, Umwelt und die Politiker mühten sich redlich, den zukünftigen Wählerinnen und Wählern überzeugende Antworten zu geben. Da ja für einen Politiker immer Wahlkampf ist, gab es auch Werbematerial in größeren Mengen: Insbesondere Plätzchen, Gummibärchen, Cola und ähnliches wurden herangezogen, um zukünftige Wähler zu gewinnen. Nummer eins auf der Hitliste: Das schön verpackte Kaugummi der Partei ..., die hier lieber nicht genannt werden soll.
Besser als jede herkömmliche Unterrichtsstunde hat diese Exkursion den Schülerinnen und Schülern die Geheimnisse der Politik enthüllt. Mal im Großen Ratssaal gesessen, einer leibhaftigen Bürgermeisterin Fragen gestellt und dabei ganz routiniert das eigene Mikrophon benutzt zu haben - das motiviert gewaltig, sich auch in Zukunft mehr um Politik zu kümmern.
Auf die Frage: Wieso haben wir nicht in jeder Jahrgangsstufe und überhaupt viel mehr Politikunterricht?, konnte ich als Politiklehrer keine überzeugende Antwort geben. Die Frage war absolut berechtigt.
Thomas Lewicki hatte einen hervorragenden Politiktag organisiert - ein großes Dankeschön an den Klassenpflegschaftsvorsitzenden der 7.9!
Bernd Woidtke