(Un-)Angenehme Schulräume
September 2008
Gregor Schneider (*1969 in Rheydt) ist ein Künstler, der Räume baut; nicht mehr und nicht weniger. Wer schon mal seine Installationen besuchen konnte, wie das bereits meine ehemaligen 7. Klassen (jetzt 9.5, 9.8 und 9.9) 2007 im K21 in Düsseldorf gemacht haben, wird RAUM aus einer völlig anderen Sichtweise sehen und selbst erleben.
Da momentan keine aktuelle Ausstellung in einem Museum von Gregor Schneider im Umkreis von Kerpen zwecks Besichtigung vorhanden war, habe ich den Schülerinnen und Schülern des Kunst-Leistungskurses ein Bild des Raumes „total isoliertes Gästezimmer“ aus seinem „Haus u r“ gezeigt, das er seit 1985 in seinem Heimatort Mönchengladbach-Rheydt in der Unterheydener Straße fortlaufend umbaut. Beim Betrachten des Raumes wird die Diskrepanz zwischen der geläufigen Vorstellung eines Gästezimmers und seiner tatsächlichen Umsetzung sofort deutlich. Also erhielt der Kunst-Leistungskurs die Aufgabe, anhand einer Schwarz-Weiß-Kopie nach dem Motto „Zu Gast bei Freunden?!“ das Gästezimmer von Gregor Schneider ein wenig einladender zu gestalten. Diese methodische Herangehensweise an Bilder im Kunstunterricht nennt man übrigens eine gestalterische Rezeption: man nimmt das Bild eines Künstlers selbst gestalterisch auf, setzt sich damit eigentätig auseinander und kann auf diese Weise darüber reflektieren.
Eine Reflexion über die Sporthalle von Macit Bozkurt; Klick auf das Bild, dann wird es groß!
Tag ein, Tag aus befinden sich auch die Schülerinnen und Schüler der Europaschule als Gast in Räumen, in denen sie gut ein Drittel ihres Tages verbringen (müssen). Bei allem Respekt vor der architektonischen Leistung des damaligen Bauherrn und dem 40jährigen Bestehen der Europaschule, so sind die Gestaltungskonzepte meiner Schülerinnen und Schüler des Kunst-Leistungskurses als gedanklicher Alternativvorschlag zu verstehen, der vielleicht eines Tages in dieser Form sogar umgesetzt werden könnte ... who knows - träumen darf man doch, oder?!
Die Schülerinnen und Schüler vom Kunst-Leistungskurs träumen z.B. von einem Swimming-Pool, einer coolen Chill-Out-Lounge in der Cafeteria, original italienischen Espresso- und Capuccino-Maschinen am Schuleingang, verbunden mit einem orientalischen Loungeflair, ein nordisch-friesisches Urlaubsfeeling auf den Mädchentoiletten, asiatische Feng-Shui-Gelassenheit in der Mensa oder einem nintendoähnlichen Erlebnisparcour und vieles, vieles mehr ...
Herzliche kunstpädagogische Grüße,
Eure/Ihre Frau Loffredo
(Technik: bunte Fineliner – das kann man nämlich nicht radieren :-) )
(Mehr Informationen zu Gregor Schneider: www.gregorschneider.de)