Rock 'n' Hymns

11.9.10

 

Hier sind die Fotos

 

 

Am Ende müssen sie sich gefühlt haben wir die Beatles bei ihrer legendären US-Tour 1964/65: Stehende Ovationen des dankbaren Publikums, endloser Jubel, eine Zugabe jagt die andere. Sie? Die Rock 'n' Hymns-Band, bestehend aus: Armin Korth (dr), Lukas Paulun (p), Andreas Franzen (b, git), Jens Janßen (git, b, perc), Tim Ruhkopf (git), Christopher Healey (voc), Daniel Wolff (dr), Ines Perrar (voc), Barbara Becker (voc).

 

 

Am Anfang stand der Einmarsch der Gladiatoren: (Fast) Ganz in schwarz kamen sie durch die Mitte des Saales und sprangen auf die Bühne - man merkte, dass hier show-erfahrene Musiker am Werk waren. Begleitet von informierenden und launigen Kommentaren einzelner Bandmitglieder wurden dann die ganz großen Hits aus 60 Jahren Rock-Musik präsentiert. Der Opener war 'Johnny Be Good' von Chuck Berry, einem der Gründerväter des Rock 'n' Roll. Viele erinnern sich an den Film 'Zurück in die Zukunft' aus den 80er Jahren, als Marty McFly (Michael J. Fox) den Song einem staunenden Publikum entgegen schleuderte und Chuck Berry am Telefon begeistert zuhörte und den Song kurzerhand für sich vereinnahmte... Mit dem 'Jailhouse Rock' von King Elvis wurde ein weiterer R'n'R-Hit auf die Bühne der Europaschule gebracht.

 

Die 60er Jahre nahmen Gestalt an mit dem stotternden Gesang von Roger Daltrey / The Who, hier überzeugend nachempfunden von Chris Healey: 'My Generation'. Jimi Hendrix, das Genie der Rock- und Fusion-Gitarre, wurde mit 'Hey Joe' präsentiert - mit einer Reinkarnation des Künstlers (siehe Fotos!). Und dann war da die Frage: Die beiden größten Bands aller Zeiten, die Beatles oder die Rolling-Stones, wen bringt man? Andreas Franzen brachte es auf den Punkt: Die netten Pilzköpfe oder die bösen Jungs? Man entschied sich - vorläufig! - für die bösen Jungs. Und wie zum Beweis dafür, dass die Bezeichnung zutrifft, brachte man 'Sympathy for the Devil'. In der Zugabe dann aber gab es die grandiose Ballade 'Hey Jude' von den Beatles.

 

Ines Perrar als Tina Turner eröffnete die 70er-Jahre-Sektion mit 'Proud Mary', zusammen mit Chris Healey als Ike. Der große Stadionrock mit Deep Purples 'Black Night' führte in die Ära der bombastischen Gitarren-Riffs, mit dem jeder Gitarrenschüler auf der Party glänzen kann - die Band brachte den Song mit großer Präzision.

 

Blondie, die New-Wave-Band der 80er Jahre mit Deborah Harris als Frontfrau, steuerte 'One Way Or Another' bei, überzeugend interpretiert von Barbara Becker. Die kanadische Sängerin Alannah Myles, eigentlich ursprünglich eher dem sanften Songwriter-Milieu zuzuordnen, wurde mit ihrem Song 'Black Velvet' in den Set aufgenommen. Dann ging es wieder härter zur Sache mit Queens 'Hammer To Fall'.

 

In den 90er Jahren dann nahm die Härte noch zu: Metal kennt jeder, Heavy Metal auch, die Steigerung davon ist Thrash Metal, wobei 'Thrash' das englische Wort für verdreschen ist. Zum Glück werden hier keine Menschen verdroschen, sondern eher das Schlagzeug und die Gitarren. Während die damals notorischen Bands das Verdreschen wörtlich nahmen und jede Menge Elektronikschrott produzierten, nahm unsere Band Rücksicht auf ihre schmalen Portemonnaies, nicht aber auf die Trommelfelle der Anwesenden... 'Enter Sandman' ist ein weicher Titel für einen harten Song der amerikanischen Gruppe Metallica. Die kanadische Sängerin Alanis Morisette komplettierte den 90er-Jahre-Set mit 'Thank You', zart interpretiert von Andreas Franzen an der Akkustik-Gitarre und Ines Perrar, Gesang.

 

Und dass es auch in den 2000er Jahren guten Rock gab, bewies man mit 'American Idiot' von Green Day und der unverwüstlichen Pink mit 'Who Knew'. Pink war ja berühmt geworden mit ihrem Song 'Dear Mr. President', der weltweit enorme politische Wirkung hatte.

 

Für mich als alten Rock 'n' Roller war dieser Abend das Beste, was mir musikalisch in den letzten Jahren an die Ohren kam. Dass 18-20-Jährige 20, 30, oder gar 60 Jahre alte Musik spielen, als hätten sie damals gelebt, ist schon große Klasse. Und dass sie die Songs nicht einfach hautnah am Original entlang coverten, sondern ihre eigene Interpretation ins Spiel brachten, das zeigt die große musikalische Klasse dieser Band, die so vielleicht nie weder zusammen spielen wird... Aber das hat man bei den Rolling Stones ja schon vor 40 Jahren gesagt...

 

Ein Dank geht an die Ton- und Lichttechnik-Crew, die gewohnt professionell zum Gelingen des Konzerts beitrug.

 

Bernd Woidtke