Jugend denkt Zukunft

Projekt mit der Firma RWE

6.6.08

 

Info über den ersten Tag

Fotos des Abschlusstages

 

Spannung lag in der Luft. Wenn man es nicht gewohnt ist, täglich einen Anzug zu tragen, dann kann einen schon der Anblick der eigenen Krawatte nervös machen. Was war los? Die 24 TeilnehmerInnen des RWE-Projektes 'Jugend hat Zukunft' hatten sich in Schale geschmissen: schwarze Anzüge, gedeckte Kostüme, hochhackige Pumps - so, wie es Business-People üblicherweise tun. Denn am Freitag stand der Höhepunkt der Projektwoche auf dem Programm: Die Präsentation der Arbeitsergebnisse vor der versammelten Erftkreisprominenz: Dr. Johannes Lambertz, der Vorstandsvorsitzende von RWE saß in der ersten Reihe, die Kerpener Bürgermeisterin Marlies Sieburg, Christiane von Freeden, stellvertretende Schulleiterin der Europaschule; dazu weitere Mitglieder des Kerpener Stadtrates und der Verwaltung, der RWE-Betriebsratsvorsitzende, Vertreter verschiedener Firmen, wie Computacenter, Mitarbeiter der Kreissparkasse und viele mehr.

 

Dr. Lambertz verwandelte das Motto der Projektwoche von 'Jugend denkt Zukunft' in 'Jugend ist Zukunft'. Und er verhehlte nicht, dass sein Unternehmen ein solches Projekt auch initiiere, weil man selbstverständlich an intelligenten, offenen und selbstbewussten Jugendlichen interessiert sei. Und dass man eine solche Gruppe von Jugendlichen vor sich hatte, merkten die Zuschauer bei der folgenden Präsentation sehr schnell.

 

Die Teilnehmer vor dem Kraftwerk in Niederaußem. Es fehlt auf dem Bild: Ulrike Lentzen-Burmester. Klick drauf, dann wird es groß!

 

Bürgermeisterin Sieburg stellte fest, dass es zu ihrer Schulzeit (Abitur 1978) solche Möglichkeiten, Kontakte zu Unternehmen aufzubauen, Präsentationen zu lernen, sich einem großen Publikum zu stellen, nicht gegeben habe. Sie begrüßte daher die Teilnahme der Europaschule an diesem Projekt, verbunden mit einem Dank an RWE, den größten Arbeitgeber der Region. Sie wies darauf hin, dass die heutigen Schüler die zukünftigen Führungskräfte seien - für beide Seiten also ein 'Win-Win-Situation'.

 

Christiane von Freeden begann ihre Begrüßungsworte mit einer Überraschung für Dr. Lambertz: Er hatte das neue RWE-Logo angesprochen, gestaltet von der Hamburger Werbeagentur Jung/von Matt. Von Freeden: Der Kreativdirektor dieser international führenden Agentur heißt Oliver Voss und ist ehemaliger Schüler der Europaschule! Sie stellte dann heraus, dass sich die Schule den aktuellen Megatrends öffne, z.B. der Forderung nach zunehmend selbstständigem Lernen. Daher käme die Zusammenarbeit mit RWE wie gerufen, da ein solches Planspiel ja gerade die selbstständige Tätigkeit fördere.

 

Und dann kamen die Schüler zum Zug. Die Moderatoren Rattana Heß und Martin Hoßdorf führten professionell und launig durch das Programm. Verschiedene virtuelle Firmen zeigten, wie der Rhein-Erftkreis im Jahre 2020, unterstützt durch RWE, aussehen könnte. Da sprudelten die Ideen! Das RPM - Renature Project Management - zeigte, wie man die Rekultivierung der ehemaligen Braunkohlegebiete bürgerfreundlich und überregionale attraktiv gestalten könnte. Clou ihres Plans: eine schwimmende Bühne auf einem See, umgeben von Wellnessbereichen, einem First-Class-Hotel, einem Tagungszentrum, aber auch einem Campingplatz. 'Made in Kerpen' könnte zu einem internationalen Markenzeichen werden, das z.B. auf Wein aus der Braunkohleregion oder hochwertiges Wild-Fleisch hinweist - powered by RWE. Die Firma 'RWEducation' plant eine Universität in Kerpen (gar nicht so weit weg von der Realität: In der Diskussion ist zurzeit die Ansiedlung einer Fachhochschule), die sich aus Kindergarten und Schule ihren eigenen Nachwuchs rekrutiere. Die Firma 'Global Marketing Solutions' zeigte auf, wie man diese interessanten Zukunftsvisionen den Bürgern, aber auch der Firma RWE, vermitteln könnte.

 

Wer nun glaubte, hier würde unkritisch und einseitig die Unternehmenspolitik von RWE gefeiert, der irrte: 'Bürgeralarm' trat auf den Plan und bewies kritisches Reflexionsvermögen. Man forderte eine nachhaltige Umweltpolitik bei der Rekultivierung. Natur- und Tierschutz müssten im Blick bleiben, auch der Verbraucherschutz. Die Mitarbeiter von RWE müssten in die Lage versetzt werden, den Zukunftstrends standzuhalten, z.B. durch Ausbau der werkseigenen Kindergärten, damit Eltern gleichermaßen berufstätig sein können. Man forderte außerdem, dass das Studium an der RWEducation-Uni kostenlos sein sollte.

 

Die Presse-Agentur schließlich hatte in Windeseile die Ergebnisse in einer informativen Zeitung dargestellt und am Ende der Veranstaltung den Besuchern an die Hand gegeben.

 

Bei der anschließenden Diskussion kam Dr. Lambertz - nicht überraschend - mit einer Frage, die er selbst als 'Killerfrage' bezeichnete: Wer soll das alles bezahlen? Die Antwort dürfte auch ihn positiv überrascht haben: "Sehen Sie, Herr Dr. Lambertz", entgegnete Andreas Küpper, "zunächst werden wir uns in einer ca. 10jährigen Investitionsphase befinden, die dann, durch den gewinnbringenden Verkauf der innovativen Produkte und Dienstleistungen, in eine unbegrenzte Gewinnphase übergeht." Da klatschte nicht nur das Publikum, sondern auch der RWE-Vorstandsvorsitzende...

 

Nach einer intensiven Woche war das Urteil der Beteiligten klar: Eine absolute Win-Win-Situation, vor allem für die Schüler, die in der abschließenden Feedback-Runde als einzige Kritik formulierten: Ein Woche war einfach zu kurz, in Zukunft bitte zwei Wochen!

 

Bernd Woidtke