Das Hamburger Modell - Revolution in der Schule?

Januar 2007

 

Der PISA-Schock war gar nicht das erste traumatische Erlebnis, das in der westlichen Welt Zweifel am Bildungssystem entfachte. Schon der "Sputnik-Schock" rief erbitterte Diskussionen über unser Schul- und Universitätssystem hervor. Am 4. Oktober 1957 hatte die Sowjetunion einen Sputnik ins All geschossen und damit der westlichen Welt erhebliche wissenschaftliche Minderwertigkeitskomplexe beschert. Das Ergebnis waren unter anderem Tausende von Schulbussen, die in den USA angeschafft wurden, um die Kinder zu neuen zentral gelegenen Schulen zu bringen. In Deutschland wurde das dreigliedrige Schulsystem (Haupt-, Realschule, Gymnasium) in Frage gestellt, die Gesamtschule wurde vor allem von der SPD als einheitliche Schule für alle favorisiert. Sie konnte sich nicht flächendeckend durchsetzen, so dass sich nun vielerorts das Schulsystem als viergliedrig darstellt. Der Vorwurf von Bildungskritikern zielt darauf, dass dieses System zu wenig durchlässig sei, so dass wir Begabungsressourcen verschleudern würden.

 

Das Hamburger Rathaus

 

In Hamburg macht sich die regierende CDU, normalerweise nicht gerade im Verdacht revolutionärer Umtriebe, daran, das Schulsystem zu revolutionieren. Neben das Gymnasium, das in acht Jahren zum Abitur führt, soll eine "Stadtteilschule" gestellt werden, die alle übrigen Schulformen - Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, berufliches Gymnasium usw. - beherbergt, und zwar in integrierter Form, d.h., diese Schulformen verschwinden in der neuen Stadtteilschule. Auch diese Schule führt - in neun Jahren - zum Abitur. Die Klassen sollen kleiner sein als am Gymnasium, die Förderung der Schülerinnen und Schüler soll erheblich verbessert werden. Nach der vierten Grundschulklasse absolvieren alle Schülerinnen und Schüler einen Test; die Entscheidung, welcher der beiden weiterführenden Schultypen besucht werden soll, treffen die Eltern - ganz anders als in NRW, wo das Votum der Grundschullehrer ausschlaggebend ist.

 

Die Wochenzeitung "DIE ZEIT" hat über dieses neue Modell berichtet. Hier der Artikel, dazu ein Interview mit dem Bildungshistoriker Heinz-Elmar Tenorth.

 

Bernd Woidtke